• Airens STROBO gelesen von Deef - alle Lesungstermine hier
Apr
28
2005
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Lieber Frankie

Zieh Dir die Handlung rein:
- 9-jähriger Sohn hat Vater noch nie gesehen
- Mutter erfindet Geschichte, dass Vater nicht weg ist, sondern auf Schiff arbeitet
- Sohn schickt Vater Briefe
- Antworten schreibt heimlich die Mutter
- Eines Tages kommt Schiff mit dem von Mutter erfundenen Namen an.
- Sohn will Vater zum ersten Mal sehen
- Mutter beauftragt Fremden, Vater zu spielen, um Illusion aufrecht zu erhalten.
- Fremder versteht sich blendend mit Sohn und verliebt sich in Mutter

Kitschroman? Nein, feiner Film.

Er versetzt Dich ins herbstliche Glasgow. Laubbraun, Rostrot, Staubgrau und das schmutzige Weiß auf den Wellen am schottischen Strand sind die beherrschenden Farben. „Lieber Frankie“ kommt mit wenigen Worten aus und verzichtet auf billige Klischees. Frankie ist taub, aber diese Behinderung wird nicht benutzt, um auf die Trändrüse zu drücken, sondern ist ein zu anfangs beiläufiges Detail, für das erst gegen Ende die Begründung geliefert wird. Ich habe selten einen Film gesehen, der einen so gefühlsduseligen Plot stimmungsvoll und angenehm (!) traurig erzählt. Guter Stoff für ein verregnetes Frühlingswochenende.

„Lieber Frankie“ läuft zur Zeit u.a. in Berlin, Hamburg, München, Augsburg, Stuttgart und Mannheim. In einigen Kinos wird er als Originalversion („Dear Frankie“) angeboten. Vorsicht! Das Schottisch ist harter Tobak. Ich habe die OmU-Version gesehen und war dankbar für die Untertitel.

Geschrieben von Deef in: Filme und Serien | Tags: , , , |
Apr
27
2005
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Silentium!

Jetzt ist schon wieder was passiert. Das ist der Satz, mit dem Wolf-Haas-Krimis beginnen. Der Österreicher pflegt einen eigensinnigen Erzählstil: umgangssprachlich, vertraut und doch wieder exotisch durch das Österreichische. Der Erzähler schildert nicht nur die Handlung, sondern auch wichtigste gesellschaftliche und mediale Veränderungen wie folgende:

„Bei der Wetteransage im Fernsehen hat sich auch viel verändert im Lauf der Jahre. Früher waren sie mit den Tricks noch nicht so gut, und die Ansager auch noch ein bisschen steif. Heute natürlich Computertricks eins a, da erheben sich die Berge so dreidimensional, daß man oft beobachten kann, wie die Ansagerin sich streckt, damit sie nicht ins Hintertreffen kommt. (…) Jetzt, dass es in Salzburg oft regnet, dafür braucht man keinen Wetterbericht, weil reinstes Sprichwort. Aber nur die wenigsten wissen, dass in Salzburg der Regen das gute Wetter ist. Weil Auswahl nicht sehr groß: entweder Regen oder Föhn, und jetzt schon seit Tagen der Regen im Anmarsch, hat der Brenner natürlich Schädelweh gehabt, frage nicht.”

Der Brenner ist kein Alpenpaß, sondern der wortkarge Underdogdetektiv, der meistens Migräne und nie gute Laune hat. Trotzdem bekommt er zum Schluss oft das Mädchen. Einen Vornamen hat der Brenner noch seltener als Derrik Stefan genannt wird. Im Haas-Roman „Der Knochenmann“ offenbart sich der praktisch unbekannte Vorname als eine Nutte danach fragt. Merke: es gibt kein „Sie“ im Puff. Und Brenners Antwort war Simon..

Zwei Wolf-Haas-Krimis mit Anti-Hero Brenner wurden verfilmt. Nummer eins: „Komm, Süßer Tod“ – eine Geschichte rund um die Machenschaften zweier verfeindeter Rettungsdienste in Wien. Nummer zwei: “Silentium” – ein Krimi rund um eine Knabenschule, Mädchenhandel und die Festspielszene in Salzburg. Josef Harder ist wieder die perfekte Besetzung für den Brenner, mit dabei und sehenswert sind auch Joachim Król und Jürgen Tarrach.

Genau wie für die Bücher, gilt auch für diese Haas-Verfilmung: die Handlung ist eigentlich egal. Am Schluss von „Silentium“ hat man nicht kapiert, warum wer wen umgebracht hat. Sei’s drum. Was der Brenner an wenigen Worten zu sagen hat, bringt viel mehr als die kriminalistische Durchsicht: zum Beispiel, „dass der Leberkäs aus den Resten von den Knackwürsten gemacht wird und die Knackwürste aus den Resten vom Leberkäs. Das ist ein ewiger Kreislauf.“

„Silentium“ ist wie „Komm, süßer Tod“ ein schräger Schmarrn. Für alle die Wolf Haas mögen.

Reklame:

Geschrieben von Deef in: Filme und Serien | Tags: , , |
Apr
15
2005
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Denk mal, ein Denkmal

Fühle mich ausgeschlafen, but raped. Ich habe heute nacht ein über mehrere Tage angehäuftes Schlafdefizit abgebaut. Gestern kam ich nach hause, aß und schlief auf der Couch ein. Irgendwann klingelte das Telefon. Ich antwortete Miss Golightly verwirrt in den Hörer, dann schleppte ich mich zum Zähneputzen ins Bad, kletterte ins Bett und schlief zusätzliche achteinhalb Stunden. Dabei träumte ich, in der Gewalt eines Frauenmörders zu sein, der mich (!) vergewaltigte (!!) und dann überraschend laufen ließ. Bei der Heimfahrt bemerkte ich, dass meinem Wagen die Scheibenwischer fehlten. Auf vereister Straße rutschte ich gegen ein Taxi.

Lese diese Meldung: London (dpa) Elf Jahre nach seinem Selbstmord wird Musiker Kurt Cobain nun in seiner Heimatstadt Aberdeen im US-Bundesstaat Washington auf ungewöhnliche Weise geehrt. Wie die britische Zeitung «The Sun» berichtete, wird das große Schild, das die Autofahrer in der Stadt begrüßt, künftig die Inschrift «Come As You Are» tragen – eine Referenz an das bekannte Lied von Cobains Band Nirvana.

Geschrieben von Deef in: Akte Deef | Tags: , , |
Apr
08
2005
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Geschafft!

Fühle mich mehr als gut. Ich hab heute einen ganzen Berg Arbeit erledigt. Morgen habe ich mir freigenommen und düse am Nachmittag nach Augsburg. Der Rekord für ausgeschüttete Glückshormone wird an diesem Wochenende gebrochen.

Höre Aerosmith – Cryin’. Altes Zeug der Band hatte Kurt Cobain früher gern gehört. Vor genau 11 Jahren wurde das, was von ihm übrig war, von einem Elektriker entdeckt. Nach drei Tagen. Mann ist das traurig! Und unverständlich. Hätte er nicht glücklich oder zumindest zufrieden sein müssen?

***

Geschafft

Es ist dunkel im Zimmer. Eine Ikealampe ist an ein Bücherregal geklippt und strahlt düstere 25 Watt in eine Ecke. In einer anderen liegt Jens. Heute ist der 8. April 1994. Ein trostloser Freitag, der mit Nieselregen angefangen hat. Kurt Cobain ist schon drei Tage tot, aber erst heute wird er gefunden. „Something in the way“ singt Cobains Stimme auf dem „Nevermind“-Tape, das Jens eingelegt hat. Der Song erinnert ihn an einen anderen Freitag.

Wie jede Woche war er die 150 Kilometer vom Wohnheim des Elisabethenstifts zum Haus seiner Eltern gefahren. Nach fünf Tagen Arbeit kam er zum Wochenende heim.
„Hab ich Post?“ fragte er seinen Vater. Der schüttelte den Kopf.
„Hat jemand für mich angerufen?“ Nochmal die gleiche Reaktion vom Vater.
Jens ging in sein Zimmer, verschloss die Tür, startete das Nirvana-Tape und bereitete die Infusion vor. Einige Minuten später steckte in seinem linken Arm eine Kanüle. Sie war mit einer Infusionsflasche verbunden, die über ihm hing. Wenn er mit der Rechten nach oben griff und den Infusionsschlauch öffnete, würde ein halber Liter Natriumchloridlösung 100mg Hypnomidate und 50mg Esmeron in seinen Blutkreislauf spülen. Nach drei Minuten hätte das Hypno ihn schlafen geschickt. Die verwendete Menge garantierte als Nebenwirkung einen gefährlich flachen Atem, dem das muskelrelaxierende Esmeron schließlich den Rest gäbe. Sein Zivildienst im Krankenhaus gab ihm, was man braucht, um sich bequem das Leben zu nehmen.

Das Kribbeln, dass er seit dem kurzen Gespräch mit seinem Vater auf dem Rücken spürte und das Tränen ankündigte, breitete sich auf seinem ganzen Körper aus. Jens gab sich dem Gefühl hin, der einsamste Mensch der Welt zu sein. Er klammerte sich fester an sein besticktes Kissen, das seine Mutter ihm kurz vor ihrem Tod geschenkt hatte. Er hielt die Luft viele Sekunden an und schluchzte dann so laut, dass er fürchtet, sein Vater könnte kommen und nach ihm sehen. Welches Entsetzen diese Szene bei seinem Vater auslösen würde. Hatte er einen so undankbaren und nichtsnutzigen Sohn verdient, für den ein bisschen Einsamkeit zuviel war und der sich umbrachte, obwohl er keine wirklichen Probleme hatte? Und was war mit all den Menschen, die Jens verachtete, vor denen er Angst hatte. Was würden sie sagen? Wären sie bestätigt? Würden sie lachen? Jens wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Nein, niemals würde er seinem Vater das antun, niemals würde er seinen Feinden diesen Sieg schenken. Mit der Rechten griff er nach links und zog die Kanüle aus der Vene. Dann nahm er die Kassette aus dem Radiorekorder und warf sie auf den Boden.
„Es tut mir leid, dass Du es nicht geschafft hast, Kurt“. In Jens Kopf antwortet Kurt:
„Es freut mich, dass Du es geschafft hast, Mann.“
„Hab ich das denn?“
„Aber sicher, Jens. Du bist gesund und Du solltest Dich nicht an einem Kranken wie mir orientieren“.
„Was meinst Du damit?“
„Ich war depressiv. Ich konnte nicht mehr schlafen. Ich konnte nicht mehr aufstehen. Ich bekam nichts mehr auf die Reihe. Das schlimmste von allem war, dass ich nicht mehr lieben konnte. Hast Du meine Tochter gesehen? Weißt Du wie schrecklich es ist, dass ich ihr kein guter Vater sein konnte?“
„Nein, das weiß ich nicht“.
„Nun, jetzt muss sie mich nicht mehr ertragen.“
„Was erzählst Du da für eine Scheiße? Du warst Rockstar, Du hattest eine Tochter und alles! Wie konntest Du Dich erschießen? Verschwinde aus meinen Träumen!“
Kurt lacht und singt: „Our litte group has always been and always will until the end…

Es ist dunkel im Zimmer. Simone dreht sich um und presst ihren Körper an Jens
„Soll ich mal andere Musik auflegen, Süßer? Du bekommst immer so einen komischen Gesichtsausdruck bei Nirvana.“
Jens lacht ein erleichtertes Kichern, zieht seine kleine Krankenschwester an sich heran und küsst sie lange auf die Stelle über dem rechtem Schlüsselbein, die so gut riecht.

Geschrieben von Deef in: Storys | Tags: , , , |
Apr
05
2005
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“Ich bin… Stewardess!”

Miranda sitzt einem Mann beim Speeddating gegenüber.
- Er: Was machst Du beruflich?
- Miranda: Ich bin Anwältin.
- Er: Ah so. (Schaut auf die Uhr).
Schnelle Schnitte durch zwei weitere solcher Sackgassen-Dialoge mit anderen Männern, dann antwortet Miranda dem vierten Gegenüber:
- Ich bin… Stewardess!
- Er: Ach JA?!

Stewardessen sind schlank, streng bezopft, uniformiert und bringen einem Mikrowellenessen und Bier. Wenn man die Überreste des Putenschnitzel-Reis-Brokkoli-Marmorkuchen-Puddingdessert-Bausatzes besonders platzsparend auf dem Tablett aufgeschichtet hat, setzen sie ihr allerschönstes Anknipslächeln auf und man darf sich zwei Getränke wünschen.

So konditioniert laufen Stewardessen Krankenschwestern und Lehrerinnen den Rang in feuchten Männerträumen ab. Ich weiß das. Du auch. Und wer schlachtet das Phänomen professionell aus? BILD online:

Stewardessen – zum ersten Mal nackt fotografiert. Bitte anschnallen!
Zitat: “‘Und was darf’s für Sie zu trinken sein?’ Mal ehrlich, welcher Mann hat in tausenden Metern Flughöhe nicht schon davon geträumt, daß die schöne Stewardeß ohne Rock und Bluse mit dem Getränkewagen vorbeikäme…”

(Mal ehrlich: ich. Rock und Bluse sind doch das Interessanteste. Und der Getränkewagen.)

Du Mann? Du geil? Und Du jetzt Flug-Ische haben willst? Hilfe ist nahe! Beim Verkuppel-Portal Friendscout sind 107 Stewardessen, 92 Flugbegleiterinnen, 7 Saftschubsen (!) und 3 Flight Girls aktenkundig und warten vielleicht auf Dich.

Und wenn nicht, dann bietet Friendscout mit 846 Lehrerinnen und über 1000 Krankenschwestern ein befriedigendes Ersatzangebot.

Abschließend noch ein Tipp für all jene, die auf Anwältinnen stehen. Friendscout hat 29 Damen mit dieser mutigen Berufsbezeichnung im Portfolio. Die anderen tarnen sich als Stewardess.

Geschrieben von Deef in: Der ganze Rest | Tags: , , |
Apr
05
2005
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Zweifel

Ich hatte sie vor zwei Wochen zum ersten Mal gesehen und jetzt liegt sie auf meinem Bett. Sie sieht sehr gut aus, wie sie da liegt. Ihre Haare sind auf dem Kissen ausgebreitet. Ich knie neben ihr und betrachte sie. Wir haben unsere Kleider noch an. Keiner sagt etwas. In Gedanken trage ich alles zusammen, was ich von ihr weiß und versuche meine Gefühle zu ordnen. Tut sie das gleiche? weiterlesen »

Geschrieben von Deef in: Storys | Tags: , , , , |
Apr
01
2005
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One Night in Paris

Telefonierte eben mit meinem Cousin P. Er ist bei “Time Splitters Future Perfect” schon ein Level weiter als ich.

 Zum Thema: Viel wurde über das unzüchtige Filmchen mit Paris Hilton gesprochen. Doch was wird darin eigentlich gesprochen? Wird darin gesprochen? Es wird. Dialoge wie dieser:

- Sie: Ich mach mich fertig (die Badezimmertür geht auf, sie steht drin vor dem Spiegel, er stellt sich mit der Kamera in den Türrahmen)
- Er: Hey wirklich? … Wow! … Was machst Du, Pari’? … Du schönes …(sie lächelt) schönes (ihr Lächeln wird breiter)…Biest. HAHAHAHAHA!
- Sie: Biest? (Schmolllippe vorschiebend)
- Er: HAHAHAHAHAHAHAH!
- Sie: Mädchen!
- Er: HAAHAAHAHAHAHA! Sorry.
- Sie: Du bist besessen von mir, immer filmst Du mich. Hihihi!
- Er: Yeah, Ich liebe es … Deine Pussy zu filmen.
- Sie: Hihihi. Mein Gesicht.
- Er: Wow. Hübsch!
- Sie: (Kleinmädchenstimme) Danke.

Geschrieben von Deef in: Filme und Serien | Tags: , , , , , |
Apr
01
2005
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Number One

Gefühle sind vielschichtig und abwechslungsreich – teils zart, zuweilen stark und manchmal berauschend. Erinnerungen verwaschen im Kopf und sind ohne einen Schlüsselreiz in Form eines Bildes, Geruchs, Textes oder einer Melodie selten überwältigend. DAS HIER versucht Vergangenes zu reanimieren, will Erinnerungen katalysieren und wird Gefühle konservieren. Willkommen in der Gefühlskonserve, sagt Deef.

Geschrieben von Deef in: Akte Deef | Tags: , |

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