“Black hole sun won’t you come and wash away the rain…”
Sah gerade auf MTV mal wieder das schräge Video des düsteren Grungesongs. Grunge? Ja Kids, Schreddel-Rock mit hohem Depri-Faktor. Hat die 80er musikalisch beendet und verpuffte Mitte der 90er nach dem Selbstmord von… ok, ihr wisst schon.
Der Oktober ‘94 war ein besonders kalter und nasser Herbstmonat. Sonntags stand ich in meinem Jugendzimmer, in dem Modellflugzeuge von der Decke baumelten. An den weißen Raufaserwänden prangten NIRVANA- und THE DOORS-Poster. Vor meiner Brust hing die Strat und meine rechte Hand flog im schnellen Wechsel zwischen den Saiten und dem CD-Player hin und her. Immer wieder hörte ich mir kurze Passagen des schönsten Titels auf der SUPERUNKNOWN an und gab mir alle Mühe sie nachzuspielen. Aber ich kam nicht dahinter. So sehr ich mich auch anstrengte, ich bekam den Song nicht hin.
Das Buch mit den Originalnoten und -tabulaturen von SOUNDGARDEN brachte die Lösung. Die tiefe E-Saite musste ein paar Töne nach unten gestimmt werden, um den Song zu spielen. Ich übte, übte, übte tagelang. Eine Woche später kam die Bewährungsprobe. Ich spielte einem guten Freund BLACK HOLE SUN vor. Danach stellte ich die Gitarre in den Ständer, setzte mich auf die Couch und schaute ihn erwartungsfroh an. Er blickte auf, sah mich an und sagte: “Ja. Man erkennt’s”.
Ich bewahrte die Fassung, aber nachts weinte ich bitterlich. Der Depri-Faktor hatte zugeschlagen und ich beschloss die Strat zukünftig nur noch als aparte Zimmerdeko zu nutzen.
“…Times are gone for honest men and sometimes far too long for snakes.”
