Sep
27
2006
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Kernkompetenz

Der Bart kommt ab - Foto von Deef

Neulich in München auf der Suche nach einem Bartschneider.
“Der MC8540 ist kein einfacher Haartrimmer”, sagte der junge Verkäufer eines geizgeilen Elektronikdiscounters und schwenkte den MC8540 vor meinen Augen.
“Sie bekommen drei Geräte in einem. Einen Haarschneider, einen Bartrandtrimmer und einen Nasenhaarschneider.”
“Aha…”, sagte ich.
“Außerdem hat der MC8540 eine Keramikklinge. Die muss nicht geölt oder gefettet werden und ist deshalb wartungsfrei”.
“Äh…?”, sagte ich während ich versuchte zu verstehen, was er sagte.
“Und ein weiterer Vorteil: die Bartstoppelfalle mit Vakuumsaugsystem. Dabei werden die abgeschnittenen Haare eingesaugt und verschmutzen nicht z.B. das Waschbecken. Den Auffangbehälter können Sie dann einfach ausleeren”.
“Ja…dann…”, sagte ich und zahlte 30 Euro für den deutschen Alleskönner von GRUNDIG im guten Glauben einen Bartschneider gekauft zu haben, der im Zweifelsfall auch als Computertomograph gute Dienste leisten würde.

Zuhause in Saarbrücken brummte das Gerät missmutig in meinen Dreitagebart und gab dann, wie der Anlasser eines Wagens, dessen Batterie hinüber ist, auf. Laden ließ sich der Akku nicht, Netzbetrieb Fehlanzeige. Also Umtausch im Saarbrücker Geiz-ist-Geil-Geschäft. Doch die hatten den MC8540 nicht im Sortiment (unverständlich, wo das doch die Wundermaschine von Welt ist) und Geld-zurück verweigerten sie, da das der Münchner Laden machen müsse.

Großzügig bot man mir an, dass ich ein ähnliches Gerät zu einem kleinen Aufpreis kaufen dürfe. Ich zahlte weitere 10 Euro und tauschte den kaputten Computertomographen gegen einen japanischen Bartschneider von PANASONIC. Der hat eine schnöde Stahlklinge, keinen Trimmer, keinen Nasenhaarentferner und keinen Stoppelsauger. Dafür rasiert er.

Geschrieben von Deef in: Akte Deef | Tags: , , |
Sep
04
2006
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Notruf, ja bitte?!

Die Vorboten des Papsbesuchs in München sind fühlbar. Die Zahl der an Würschdelbuden feilgebotenen Vatikanflaggen und der polizeilichen Ausweiskontrollen im U-Bahn-Netz steigt stündlich exponentiell. An einigen unterirdischen S-Bahnhöfen kann man nicht mehr wie gewohnt, rechts und links aussteigen, sondern nur noch auf eine Seite. Vorhin zum Beispiel in Fahrtrichtung links. Eine Traube von Menschen steht vor einer Tür nach rechts und presst zunehmend verunsichert, verärgert und fest Finger auf den Knopf mit dem Kreis aus leuchtenden roten Birnchen. Irgendwann drückt einer auf alle sichtbaren Knöpfe in Armreichweite und erwischt einen Notruf-Button. “Notruf, ja bitte?” knarzt eine blechernde Stimme aus einem kleinen Lautsprecher unter dem Knopf. Keiner Antwortet. Sie verlassen mit einem “Ich war’s nicht Blick” den Zug durch die Tür gegenüber. Ich schüttle den Kopf und denk mir meinen Teil.

Zwei Stunden und ein paar erledigte Besorgungen später sitze ich wieder in der Bahn. Diesmal eine dieser nagelneuen U-Bahnen, die die Stadt München wahrscheinlich direkt aus einem Science-Fiction-Film gekauft hat. In der Nähe der Türen gibt es Stehsitze. Ich lehne mich halb auf die Poleiste, halb an die Wand. Plötzlich jault eine Sirene mit der Lautstärke eines Martinshorns neben mir auf. Ich reiße den Kopf herum und bemerke, dass dort, wo ich meine rechte Schulter angelehnt habe ein Notrufknopf in die Zugwand eingelassen ist. “Notruf, ja bitte?!” knarzt es mir kurz darauf entgegen. Ich fühle, dass die Aufmerksamkeit aller Personen im Wagon auf mir lastet und blicke kurz reihum in belustigte Gesichter und sage kleinlaut, “Äh… nichts passiert. Bin aus Versehen auf den Knopf gekommen”. Keine weitere Antwort.

Als der Zug an der nächsten Station hält, steigt – von scheußlichem Husten geschüttelt – ein alter Mann mit fast grauer Hautfarbe ein und bleibt neben mir an der Tür stehen. Als die Bahn anfährt, klappt sein Kiefer nach unten und seine Gesichtszüge verkrampfen sich derart, als ob er gerade ersticke. Ich spiele die Konsequenzen kurz im Kopf durch und bin kurz davor ihn anzusprechen und erste Hilfemaßnahmen einzuleiten, als er mit einem kräftigen Husten irgendetwas aus seinem Hals nach oben befördert und in ein aus der Jackettasche gezogenes Stofftaschentuch spuckt. An der folgenden Haltestelle verlasse ich den Zug, froh, dass er und ich um die Mund-zu-Mund-Beatmung herum gekommen sind. Ich frage mich allerdings, wie die Knarzstimme reagiert hätte, wenn ich nochmal den Notrufknopf gedrückt hätte.

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Sep
01
2006
2

Stelle nie den Meister in Frage, Schnucki

mindestens haltbar - magazin für meinungenMINDESTENS HALTBAR, das Online-Magazin für Meinungen, beschäftigt sich in Ausgabe 2/15 mit diversen Aspekten von Kontrolle. Der Autor dieses Blogs (hält sich für einen Autisten, ist aber nur ein Einzelkind mit Tendenz zum Kontrollfreak) wurde auch gebeten einen Text beizusteuern. Read it here, my dear.

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