Wenn man Gewaltspiele abschafft, dann gibt es keine Amokläufe mehr. Also dürfen Killerspiele nicht mehr hergestellt und vertrieben werden. Erst recht muss man sie aus dem schlimmen Internet rauslöschen.
Obwohl das Nach-WM-Sommerloch noch nicht angebrochen ist, meint Provinzminister Uwe Schünemann aus Niedersachsen sich mit diesem Blödsinn in der WELT lächerlich machen zu müssen. Gleiches Thema auch im SPON – dort wird aber nicht nur brav reportiert, man wagt auch Nachfragen, die offenbaren, dass Schünemann kein einziges gewaltverherlichendes Onlinespiel beim Namen nennen kann. Eigentlich ist das Thema Jugendschutz auch gar nicht sein Ressort. Er ist nämlich Innen- und nicht Jugendminister. Als solcher ist aber unter anderem oberster Dienstherr des Landeskriminalamts und hat laut WELT schon eine Idee, wie man ein Verbot von gewalthaltigen Onlinespielen durchsetzen könnte: mit Methoden, die bei der Verfolgung von Kinderpornographie eingesetzt werden. Donnerwetter!
So rational und kompetent wie das Thema diskutiert wird, hat es das Zeug zum diesjährigen Top-Sommerloch-Topic (vorausgesetzt Problembär “JJ One” Bruno wird vorher gefangen oder gekillt). Der Hype könnte dadurch begünstigt werden, dass viele Politiker, Journalisten und noch mehr Wähler keine Ahnung, sehr wohl aber eine Meinung haben. Zur Bestätigung derselben sind Experteneinschätzungen und Studienergebnisse bestens geeignet. Wie zum Beispiel jene, vom “Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens” (KFN), die die FAZ am 14. Juni so hochgradigst journalistisch neutral unter dem Titel “Gewalt im Kinderzimmer – Was Fernsehen anrichtet” abdruckte. Im letzten Absatz heißt es zwar, dass maßgeblich der Bildungsgrad der Eltern darüber entscheide, wie sich ein Kind entwickele, aber alles, was vorher zu lesen ist (und das ist eine Menge) klingt so ganz anders. Der geschilderte Kausalzusammenhang ist demnach, Kinder mit eigenem Fernseher, Spielkonsole und PC im Zimmer werden mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu gewalttätigen Sitzenbleibern. Dass an der Spitze der Kausalkette nicht die Geräte im Kinderzimmer, sondern genau die Eltern stehen, die sich mit ihrem Nachwuchs nicht beschäftigen (wollen) und ihn deshalb mit entsprechender Medienausstattung im Kinderzimmer ruhigstellen, geht (siehe Artikelüberschrift “Was Fernsehen anrichtet”) völlig verloren. (Notiz an mich: FAZ aus der Liste der lobenswerten Zeitungen streichen).
Übrigens ist das KFN trotz des staatstragenden Titels nur ein Verein und keine Landeseinrichtung. Der Clubchef ist Christian Pfeiffer, der bis 2003 Justizminister in Niedersachen und damit ein Kollege von Uwe Schünemann war. Ein Tor der Böses dabei denkt. Hier zwei ganz andere interessante Fakten: Deutschland ist im internationalen Vergleich eines der Länder mit den strengsten Regeln, was die Jugendfreigabe von Gewaltinhalten angeht. Gewaltverharmlosung und -verherrlichung sind in unserem Land nicht nur Bestandteile des Jugendschutzgesetzes, sondern Straftatbestände. Populismus dagegen leider nicht.
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Ich denke, das Thema wird uns auch noch die nächsten Jahrzehnte begleiten, weil da nie eine Lösung gefunden wird und das Problem meiner Meinung nach an ganz anderer Stelle sitzt. Aber Politiker müssen ja handeln – ob sie wollen oder nicht.
Egoshooter und Gewaltspiele gibt es nicht erst seit gestern. Auch in den Anfängen waren indizierte Gewalt- und Sex-Spiele in C64- und Amiga-Kreisen gang und gebe – und ich kann mich nicht einmal dran erinnern, daß DA jemand ausgetickt sein soll.
Bin zwar kein Psychologe und habe auch sonst nicht viel mit den Gehirnanalytikern zu tun, aber meine persönliche Meinung ist, daß diese “Problemfälle” ein hausgemachtes Gewaltpotential mit sich bringen. Keine Ziele, keine Zukunft, zerrüttete Familie, Frust in der Schule, Leistungsdruck… das können mitlesende Zielgruppen im Teenager-Alter sicherlich besser bestätigen als ich “alter Knochen”.
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Klar – die Computerspiele sind es. Und die gewalttätigen Filme. Nicht etwa der alltägliche Wahnsinn, wenn man beispielsweise eine Behörde aufsuchen und sich mit deren Logik herumschlagen muß.
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Ich kann es schon lange nicht mehr hören….
Hoffentlich erledigt sich das Problem von selbst, wenn die nächsten Generationen, die von Anfang an mit Videospielen in Kontakt gewesen sind an die Macht kommen.
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Mein Gott, das Thema ist doch echt schon durchgelutscht. Die haben auch nix bessere zu tun.
Dazu fällt mir nur noch das ein.
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Schöner Link und Recht hast Du. Thema und Stoßrichtung sind alt. Es nervt mich aber trotzdem. Ich würde das auch nicht unterschätzen, denn es kann durchaus in Zukunft hochkochen und in einem härteren Gesetz enden. Spätestens wenn der nächste Amokläufer bestätigt, was viele glauben wollen (er hörte viel RAMMSTEIN, zählte KILL BILL zu seinen Lieblingsfilmen und spielte viel COUNTER STRIKE), haben wir das Thema in allen Kanälen und Blättern. Populistische Politiker stellen lieber mit sinnlosen aber aufmerksamkeitstarken Aktionen die Wähler zufrieden, als sich an unbeliebten aber nötigen Steuer- und Rentenreformen die Finger zu verbrennen.
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Wie wäre es mit einer Gegeninitiative. Ich Laufe Amok und sage dann nachher in den Interviews und über mich handelnden Spielfilmen, dass mein Lieblingsspiel Memory und mein Lieblingsfilm Bambi 2 war.
Das dürfte die Herren und Damen ganz schön durcheinander bringen in ihrer Argumentation.
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Gab mal ein Spiel für den C64, das hieß “Raid over Moscow”. Man musste ein Pixelflugzeug über eine Pixellandschaft steuern und dann eine Pixelatombombe auf Pixelmoskau abwerfen. Wenn man es denn schaffte, war unspielbar schwer, weil die Steuerung so müllig war.
Dieses Spiel stand auf einmal auf dem Index *grins* . War so extrem gewaltverherrlichend und brutal. Ich habe damals auch nur noch von Atomangriffen auf die Sowjetunion geträumt. Ein Wunder, dass ich keine kriminelle Laufbahn eingeschlagen habe. :-)
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Gute Idee. Tritt bitte vorher in die CSU ein.
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Ein Freund von mir hatte das indizierte C64-Spiel COMMANDO LYBIA. Man musste u.a. an die Wand gestellte Gefangene erschießen. Es war sinnlos und blöd.