Feb
09
2010

Axolotl Roadkill: Ein Gespräch über Reaktionen

Der Berliner Blogger und Werbetexter Mathias Richel hat sich mit mir über den Fall Hegemann (siehe hier und dort) unterhalten. Wir sprachen über Reaktionen, Remix-Kultur und warum das Internet gerade nicht dafür verantwortlich ist, dass Urheber unkenntlich gemacht werden.

Hier sein 50-minütiger Podcast: mp3. Sein Blogartikel hier.

Eine lesenswerten Kommentar zum Thema hat Wolfgang Tischer auf literaturcafe.de veröffentlicht. Fazit:

“Die junge Autorin Helene Hegemann hat einen Fehler gemacht. Dass sich ihr Verlag nicht vor sie stellt und Verantwortung für eine Minderjährige übernimmt, ist bedauerlich. Dass Journalisten den wahren Fehler nicht erkennen, ist peinlich. Dass sich im Netz nun ein Kübel Hass- und Hähme über die Autorin ergießt, ist unwürdig.”

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Geschrieben von Deef in: Der ganze Rest | Tags: , , , |

30 Kommentare

  • Robin sagt:

    Bisher sind die Reaktionen im Netz doch eher verhalten und interessiert. Also richtigen “Hass” habe ich nirgends gesehen. Oder bezieht sich das auf Kommentare? Denn diese lese ich nicht mehr alle.

  • Carsten sagt:

    Es ist mir schon einmal aufgefallen, wie irritierend du doch wirkst, wenn du mit dieser ausgebildeten Stimme kritische Fragen an andere stellst, die dich toll finden.

    Aber egal. Zum eigentlichem Thema: Wenn man sich mal Kants Kritik der Urteilskraft zur Hilfe nimmt, so wird dort der Macher einer schönen Kunst derart beschrieben, dass dem Betrachter diese Kunst täuschend echt vorkommt und er die Machart nicht versteht oder diese ihm zumindest nicht zu allererst in den Sinn kommt.

    Durch ihren Sprachwulst mag es sein, dass Hegemann bei vielen Lesern ähnlich irritierend rüberkommt. Es klingt eben irgendwie intelligent, wenn sie im Interview meint, das Urheberrecht sei für sie nur ein ästhetisches Problem.

    Der Sache nach ist das aber halt Mumpitz. Natürlich ist das Urheberrecht eine Rechtsproblematik und niemand kann sich über das Urheberrecht stellen, weil er meint er sei Künstler, und seine Kunst verkörpere eben gerade das Verhalten einer Generation, sich Kunst ohne Rücksicht auf Urheberrechte anzueignen.

    Bleibt die Frage, ob das Kunst ist, was Hegemann macht. Nun wird wohl keine Kunst zu Nichtkunst, weil Gesetze dagegen sprechen. Und gemessen an der Irritation, dem Jubel, dem Umstand, dass sie neu zusammensetzt ist dies wohl eindeutig Kunst. Offensichtlich keine eigene Textkunst, was sie aber nach eigener Aussage selbst immer bestritten hat.

  • tip sagt:

    Das beste, was ich bisher zum Thema las:

    “Zürcher Literaturwissenschaftler findet Ansatz der jungen Autorin wenig originell
    Philipp Theison im Gespräch mit Klaus Pokatzky”

    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1121597/

  • Georges Bataille sagt:

    Ich hörte gerade den Podcast….ist schon interessant, wie nett und verständnisvoll ihr mit Hegemann im Gespräch seid. Denn Irgendwie führt doch kein Weg daran vorbei, dass gerade die Dinge, die sie angeblich so einzigartig macht, doch genau die Begriffe und Absätze sind, die aus “Strobo” kopiert worden sind, und zwar wortwörtlich kopiert, nicht abgewandelt. Dieser Unterschied zwischen Remix, Cover und Plagiat wird hier ja immer wieder diskutiert, aber es wird so verschleiert, dass das,was Hegemann da macht nie und nimmer eine Inspiration oder gar ein Remix ist, sondern Abschreiberei, andere Textstellen als die ihren ausgibt. Wieso wird dieser simple Fakt auch von euch so verharmlost?
    Das Ganze hat in keinster Weise etwas mit Cut-Up, Kathy Acker oder gar gold old Bill Lee zu tun. Burroughs mag vielleicht Trivialromane und Werbung seiner Zeit zitiert und benutzt haben, aber in der Cut-Up-Technik nur seinen eigenen Text. Auch “Naked Lunch” ist zwar achronologisch, wurde jedoch von ihm geschrieben und von Ginsberg und Kerouac in Teilen neu zusammen gefügt und editiert. Auch das ist überhaupt nicht das Gleiche wie die Abschreiberei, die Hegemann gemacht hat.

    Es ist traurigerweise jedoch wirklich ein guter Kommentar über die Generation der Nuller Jahre, wenn jemand die Erfahrungen einer der letzten Subkulturen der 90er nimmt, als eigene ausgibt, und damit gehypt wird, nur weil sie selber eben keine derartige krasse Lebensgeschichte hat. Nur das digitale Archiv. Und nur das.

    Das ist das wirklich Traurige, das da raus kommt. Doch noch nicht mal das scheint Hegemann wirklich zu verkörpern. Eher noch die kleine Tochter mit dem bekannten Vater, die mit ihrem Faible für Drogensubkultur und selbstzerstörerischen Lebensüberdruss keine Aussage über sich treffen kann, sondern nur eine Fiktion anfertigen kann.

    Ach, egal. Sie hat abgeschrieben und Airen nicht erwähnt. Eigentlich müssten bei der nächsten Auflage auf dem Cover “Helene Hegemann / Airen” als Autoren angegeben werden. Das wäre fair.

  • Lyralai sagt:

    @Georges Bataille
    Trotz dem Mist, den Hegemann verzapft hat, muss man immer noch bedenken, dass sie noch sehr jung ist (sogar minderjährig) und ihr gesamtes Leben vor ihr hat. Und es bringt nichts sie in der Luft zu zerreißen, nur weil man gerade ein geeignetes Opfer dafür gefunden hat.
    Ich nehme sie nicht in Schutz mit meiner Aussage, nur ist es nicht richtig sie total durch den Dreck zu ziehen.

  • Georges Bataille sagt:

    @Lyralai: Klar, stimmt schon, aber ich denke, das habe ich auch nicht gemacht.
    Ein Mädchen, das ein Buch schreiben kann und auch einen Vertrag unterschrieben hat, seit sie 15 Jahre alt ist mit der Kunst- und Kulturszene Erfahrung hat, und dazu noch einen derart berühmten Herrn Papa (über den erstaunlich wenig gesprochen wird) kann mir jedoch nicht erzählen, dass sie das a: “Aus Versehen” gemacht hat, nicht bei der fast absolut identischen Übereinstimmung der Passagen, noch b) dieses Abschreiben als “Inspiration” gilt. Also es wird dort von ihr in der narrativen Struktur des Buches und der Figurenrede so getan, als ob es eben ihre Passagen seien….das wird keiner abstreiten, das liegt wirklich schwarz auf weiß auf der Hand. Und ich will gar nicht so “hetzen”, jedoch sollte dieser Fakt nicht vergessen werden. Dabei ist das Alter vollkommen egal.

  • Deef sagt:

    @Carsten: Was willst du mir damit sagen? “Es ist mir schon einmal aufgefallen, wie irritierend du doch wirkst, wenn du mit dieser ausgebildeten Stimme kritische Fragen an andere stellst, die dich toll finden.”

  • Deef sagt:

    @Georges Bataille: Wir waren verständnissvoll hinsichtlich der Tatsache, dass sie minderjährig ist. Ansonsten haben wir ihr Entschuldigungsstatement sehr kritisch abgeklopft.

  • c.k. sagt:

    die kleine hat mehr als 100000 euro für ihren roman abkassiert. und die hälfte des aus anderen quellen zusammengeklöppelten “romans” stammt nicht von ihr selbst. und das entschuldigt ihr mit “sie ist ja erst siebzehn”? weil ihr ihren remix-sprüchen auf den leim geht, die ihr von pappa und seinen freunden in den mund gelegt worden sind?

  • Lyralai sagt:

    @Georges Bataille
    Tut mir leid, wenn’s so erschienm dass ich meinte, du würdest gegen sie eine Hetzjagd veranstalten. Das war eher etwas verallgemeinert gemeint.
    Was ich damit sagen wollte, Minderjährige muss man schützen, (fast) egal, was passiert ist. Schützen in dem Sinne, dass nach all dem noch ein Leben weitergeführt werden kann, welches ohne öffentlichen Pranger stattfindet. Sie hat, wie Deef es schon gesagt hat, das mit dem Copyright völlig unterschätzt- und nach meiner eigenen Meinung sich selbstüberschätzt. Folgen wird es sicherlich geben, selbst wenn es nur Spätfolgen sind. Es bleibt nur zu hoffen, dass sie daraus was lernt, die Öffentlichkeit was lernt.

  • Digger sagt:

    Hallo zusammen.

    Ich möchte vorab und nochmals explizit festhalten, dass ich Helene Hegemann von ganzem Herzen wünsche, dass sie mit einem “Klaps auf die Finger” aus der Sache rauskommt und ihre Lehren aus der Sache zieht. Denn eine Demontage wie sie teilweise in den Leserreaktionen der jeweiligen Onlineartikel abläuft, hat sie nicht verdient, da bei dem Hype um “Axolotl Roadkill” die Bedürfnisse ganz anderer Personen eine viel größere Rolle spielten. Bedürfnisse und Wünsche Dritter, die Helene Hegemann (das gestehe ich ihr absolut, gerade im Hinblick auf ihr Alter, zu!) absolut überrollt haben mögen.

    Trotzdem, den “Welpenschutz” für Helene Hegemann in allen Ehren, ist das, was sie gemacht hat ein Betrug, bei dem jemand arg (finanziell) geschädigt wurde.
    Ein Vergleich von Birnen und Äpfeln in diesem Zusammenhang:
    Ein Sechzehnjähriger begeht einen Scheckkartenbetrug, nachdem er ein Portemonnaie mit EC-Karte und dummerweise auch mit der passenden PIN gefunden hat. Er wird nach Jugendstrafrecht in einer öffentlichen (!) Verhandlung abgekanzelt und abgestraft, ein Eintrag über diese “Jugendsünde” ist jederzeit (!) abrufbar, selbst nach einer Verjährung und angeblicher Löschung aus dem allgemeinen polizeilichen Führungszeugnis ist dieser Makel bei einer tieferen Abfdrage abrufbar. Mildernd wird der Richter wahrscheinlich die Fahrlässigkeit des EC-Kartenbesitzers geltend machen, der die PIN zusammen mit der Karte aufbewahrt hat, aber dennoch, der fiktive Jugendliche ist salopp gesagt gearscht.

    Nun geht Airen in seinem Blog ein bewusstes Risiko ein, indem er seine Erlebnisse zum allgemeinen Lesen ins Netz stellt und diese einige Zeit später in Buchform einem Verlag anbietet.
    “Fahrlässig”, wird wahrscheinlich jeder Richter sagen. Dennoch hat Helene Hegemann da eine Straftat begangen, die ihr zu Recht und trotz ihres Alters und der gebetsmühlenartig wiederholten “intertextuellen Mitnahmekultur der Nullerjahre” in der sie (angeblich) aufgewachsen ist, zur Last gelegt wird.

    Jetzt frage ich aber, warum der “Gelegenheitsausnutzer” mit einer Strafe und öffentlicher Ächtung belegt wird, während für Helene Hegemann da plötzlich andere und mildere Richtlinien gelten sollen? Wie groß ist die öffentliche Aufregung, wenn ein „normaler“ Jugendlicher eine ähnliche Tat begeht? Sind solche Gesetzesverstöße nicht direkt für Leitartikel und Politikerdiskussionen gut? Ist die Straftat eines „normalen“ Minderjährigen diskussions- und abstrafwürdiger, als das was Helene Hegemann getan hat, weil sie ja „nur“ einen Künstler geschädigt hat, also jemanden, der nach landläufiger Meinung statt „richtiger Arbeit“ eh nichts Wichtiges für den Fortbestand der Gesellschaft beiträgt?

    Solange da Obst bewusst und manipulativ in Äpfel und Birnen differenziert wird, kann ich den Welpenschutz nicht nachvollziehen.
    Wohlgemerkt, mein Beispiel ist zwar konstruiert, aber trotzdem am Leben orientiert. Beide Verhaltensweisen in der Ahndung dieser Vergehen finde ich in ihrer Ausführung und Härte nicht (immer) korrekt. Aber solange sich an beiden gemeinsam (!) nichts ändert, sollte man auch beide als gleichwertig behandeln (können, dürfen, müssen), weil wir sonst wieder in eine Zweiklassengesellschaft abrutschen und sei es auch “nur” in “Kids aus gutem Hause” und “Proleten”.

    Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde in einem anderen Land noch nach der Hautfarbe unterschieden. Was ein Weißer durfte, war für einen Schwarzen undenkbar.
    Heißt es hier jetzt etwa unterschwellig, dass jemand aus gutem Hause aber mit verkorkster Kindheit mehr darf, als jemand aus zerrütteten Verhältnissen und einer ebenfalls alles anderen als rosigen Kindheit? Wie sähen die Reaktionen aus, wäre Helene Hegemann die Tochter einer Hartz-IV Familie?

    So in etwa waren meine Gedanken während ich das Interview verfolgte. Etwas was ich persönlich dann doch als mehr als ungerecht empfinde.

  • Carsten sagt:

    @Deef Ich meine damit genau sowas wie “Was willst du mir damit sagen?”, sprich eine sehr knapp gefasste, einschneidende Frage, die eben durch deine Rhetorik sehr irritiert, da der Gegenüber davon überrascht wird. Mit “Was willst du mir damit sagen?” wird in meinem Sprachgebrauch eigentlich nach einer vorgeworfenen Schwäche gefragt, das ist gar nicht meine Absicht gewesen, quasi die Stelle, an der die Amerikaner “no offence” sagen.

    Bezogen auf das Interview sagt z.B. bei 4-31 min. Matthias Richel, Zitate seien heutzutage “schwierig” zu handhaben. Du fragst ihn unterbrechend, ob er (tatsächlich) finde, sie seien “heute schwieriger” zu handhaben, und Richels Antwort wirkt auf den Zuhörer vergleichsweise verunsichert und abwehrend. Streng genommen müsste man sagen, du bringst Richel dazu, auf eine Behauptung zu reagieren, die er so gar nicht aufgestellt hat.

    Das ist aber, wie gesagt, kein Versuch des Rumpsychologisierens mit deiner Person oder sowas, sondern nur die Anmerkung, dass es interessant ist, in einem Gespräch über Kunst wieder (Sprach-)Kunst zu entdecken. Ein Beispiel ohne den Gegenüber: Deine Aussage, in bezug auf Interviews hättest du Angst, eine falsche Wortwahl zu treffen, ist für Hörer gar nicht mit deiner Sprechweise verknüpfbar, da sich eine solche Angst oder Befürchtung bei nicht so routinierten Sprechern in Stottern, Widerholen, verlangsamung und Ähs manifestieren würde. Bei mir bedarf es einer starken Konzentration, das zu unterbinden.

  • [...] und seinen Kommentar auf literaturcafe.de zitieren – auch wenn ich hiermit bereits erwähnten Blogger kopiere-, der mit folgenden Worten [...]

  • Deef sagt:

    @Carsten: Sehr interessant zu lesen, wie du mich wahrnimmmst. Ich finde zum Beispiel, dass ich sehr viele Ähs und komisch zuende gebrachte Sätze sage. Aber wenn das nur mir auffällt, ist’s ja gut. .-)

  • emil sagt:

    @digger: abgesehen davon, dass der Vergleich auf allen Ebenen hinkt (Urheberrechtsverletzungen sind eben nicht “Diebstahl” im üblichen Sinne, und dass sie “Raub” gar sein sollen, ist ein rhetorischer Werbetrick der Musikindustrie), stimmt er schon von der Ausgangsbasis her nicht: 1. Ein 16jähriger wird nicht in öffentlicher Verhandlung verurteilt (sondern in nicht-öffentlicher), aber meist – in ca. 60% der Fälle – werden die Ermittlungen schon vorher eingestellt. 2. Die Daten eines 16jährigen, der verurteilt wurde, sind nicht öffentlich abrufbar, sondern nur für die Justizbehörden und nur bis 24 (Erziehunsgregister). Ein öffentliches Anprangern findet jedenfalls nicht statt.
    Was hingegen mit Frau hegemann passiert (sie hat es sich selsbt zuzuschreiben, denn sie ging ja mit ihrem Buch an die Öffentlichkeit), hat durchaus etwas von öffentlichem Anprangern. Ich würde behaupten, dieser Fleck, den sie jetzt mit ihrem ersten Buch weg hat, wird nicht so schnell vergehen. Bie künftigen verlöffentlichungen von ihr, wird jeder assoziieren: ach ja, die , die abgeschrieben hat. Also, ich denke, damit ist sie mehr gestarft, als der 16jährige aus dem Beispiel, der wahrscheinlich mit ein paar Arbeitsstunden wegkommt, die er (und seine Umgebung) sehr schnell wieder vergessen haben wird.

  • Lorelai sagt:

    Übrigens scheint selbst das Entschuldigungs-Statement von Helene Hegemann geklaut zu sein. Man vergleiche das mal mit dem Buch “Ultra Light – Last Minute” (bereits 1990 im Merve-Verlag erschienen) der New Yorker Schriftstellerin Kathy Acker. Acker trat für Plagiarismus als eigenständige Kunstform ein, sie fand, dass Werke immer für andere Künstler zur Kommunikation zur Verfügung stehen sollten. Nichts anderes sagt ja Hegemann, die ja nur “mit Airen in Kommunikation treten wollte”. Hegemann selbst hat inzwischen woll auch verlauten lassen, dass sie sich für Axolotl Roadkill u.a. von Acker inspirierenhabe lassen (siehe FAZ von heute: http://www.faz.net/s/Rub642140C3F55544DE8A27F0BD6A3C808C/Doc~E03654DCBDA6D44F299AF3CCE34313DCD~ATpl~Ecommon~Sspezial.html ). Warum fällt das dem geschätzten Hoch-Feuilleton nicht auf?

  • walt93 sagt:

    Ich gehöre einer ganz anderen Generation an, aber das Buch hat mich interessiert. Ich musste jedoch den mir unbekannten Begriff Ketamin ggeln und dabei sind mir auf Suchtzentrum.de offensichtliche Übereinstimmungen aufgefallen: “2 Stunden Koma mit übelsten Hirnspiralen” bzw “vier Jahre Koma und übelste Hirnspiralen” sowie “ich kann auf keta hammergeil tanzen bzw bedeutet das hammergeil tanzen”. Da frage ich mich schon wo die junge Frau noch überall abgeschrieben hat

  • dolores sagt:

    Diggers Kommentar entspricht in etwa meiner Meinung; ich möchte aber noch hinzufügen, daß Frau Hegemann sehr viel Gelegenheit hatte zurückzurudern, aber NIE einsichtig gewesen zu sein scheint:
    - Sie bietet das Material einem großen Verlag an.
    - Lt. Ullstein soll sie die Nachfrage nach weiteren Zitaten verneint haben, obwohl sie durch Kenntlichmachung EINES Zitates sehr wohl zu wissen scheint, was ein Zitat ist.
    - Die Rezension lobt “ihre” Sprachgewalt und macht das auch an Beispielen fest. HIER, gerade HIER hätte sie klarmachen können, nein, klarmachen müssen, daß diese Sprachgewalt nicht die ihre ist.
    - Auf einmal gibt es eine Danksagung in der zweiten Auflage, in der Airen erwähnt wird, ABER was ist mit der Band, dessen Lied die Rezensenten so toll fanden???
    - Was ist mit Malcom Lowry?
    - Was mit den ganzen anderen übernommenen Sätzen und deren Autoren?

    Aber nein, es folgt lediglich eine halbherzige Entschuldigung, ein paar weitere Lügen.
    Die Frau ist selbst an die Öffentlichkeit gegangen, jetzt zeigt sich halt die Kehrseite der Medaille…

  • Digger sagt:

    Hallo emil

    Zitat:“ … abgesehen davon, dass der Vergleich auf allen Ebenen hinkt …“
    Antwort: Deswegen sprach ich ja auch von Obst und explizit von Äpfeln und Birnen *zwinker*

    Zitat:“ (Urheberrechtsverletzungen sind eben nicht “Diebstahl” im üblichen Sinne, und dass sie “Raub” gar sein sollen, ist ein rhetorischer Werbetrick der Musikindustrie)
    Antwort: Ich habe mit keiner Silbe Diebstahl oder Raub erwähnt? *staun*

    Zitat:“ … stimmt er schon von der Ausgangsbasis her nicht: 1. Ein 16jähriger wird nicht in öffentlicher Verhandlung verurteilt (sondern in nicht-öffentlicher), aber meist – in ca. 60% der Fälle – werden die Ermittlungen schon vorher eingestellt.“
    Antwort: Das ist so leider nicht ganz richtig. Verhandlungen gegen 16 oder 17jährige, die z.B. illegal Musik aus dem Internet gedownloadet haben, sind je nach Richter sehr wohl öffentlich, nämlich wegen dem erhofften „pädagogischen Erziehungs- und Abschreckungsmoment.“

    Zitat:“ 2. Die Daten eines 16jährigen, der verurteilt wurde, sind nicht öffentlich abrufbar, sondern nur für die Justizbehörden und nur bis 24 (Erziehunsgregister). Ein öffentliches Anprangern findet jedenfalls nicht statt.“
    Antwort: Bei einem normalen Führungszeugnis Belegart „N“ ist das tatsächlich so. Aber für einen Job im öffentlichen Dienst (sogar als Reinigungskraft) muss ein detailiertes Zeugnis vorliegen. Das öffentliche Anprangern findet im näheren Umfeld des fiktiven Straftäters ab. Pech für Helene Hegemann, dass sie sich in die Öffentlichkeit hat drängen lassen oder sogar selber dahin wollte?

    Dem Rest deiner Worte möchte ich mit den bereits von mir an anderer Stelle hier in Deefs Blog genannten Abstrichen zustimmen. Und es bleibt (bei mir zumindest!) ein schaler Nachgeschmack bei der öffentlichen Verteidigung ihres Verhaltens, denn sie selber sagt ja sinngemäß, sie bediene sich schamlos überall, unter anderem auch bei ihren Freunden.
    Wer also solche Freunde hat, braucht keinen Ghostwriter mehr? Und wenn er dann noch Hoffnungen auf ein wenig Anerkennung (vielleicht sogar finanziell?) wegen seiner (schriftlichen) Arbeiten hegt, sollte er sie ganz schnell begraben, schließlich kennt er ja Helene Hegemann und wenn die das macht ist das ja so okay?

    Ich bin nachdrücklich (!) auch gegen eine Hetzjagd und / Hexenverfolgung in richtung Helene Hegemann. Aber bei ihren bisherigen Statements zeigte sie keinerlei Einsicht. Warum sollte sie dann ausgerechnet Einsicht, Toleranz wegen ihrer Jugend und Verständnis von der Öffentlichkeit für ihre Fehler bekommen bzw. einfordern können / dürfen?

  • Digger sagt:

    Nachtrag:
    Sorry, habe noch einen wichtigen Absatz vergessen!
    Auch Verhandlungen wegen Betrugs- und Diebstahldelikten Minderjähriger sind je nach Schwere und Ansicht des Falls öffentlich zu verhandeln.
    ebenfalls aus den genannten “pädagogischen Gründen”

  • Sehr geehrter Herr Schirrmacher,

    da hat der Franz Kafka wohl Pech gehabt, keinen seiner Texte in “Axolotl Roadkill” zu finden. Sonst wäre ihm von Frau von Lovenberg sicher auch Bescheid gegeben worden, dass er durch den Diebstahl seines geistigen Eigentumes ja nun endlich Beachtung fände. Franz Kafka, dieser Freak aus dem Underground, dessen “Betrachtung” einst nur in Szenekneipen gelesen wurde…
    Bestimmt ist Frau von Lovenberg gebildeter und weitgereister, als Freaks wie Franz Kafka es jemals sein werden. Und wenn Frau von Lovenberg Franz Kafka als “Loser” empfindet, ja, dann ist das eben so. Aber es schadet vielleicht nicht, wenn wir Leser im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen ein wenig mehr von dem zu spüren, was man Liebe nennt. Das Kulturverständnis der Frankfurter Allgemeinen sollte Kleinkünstler weder verachten noch zur Ausbeutung freigeben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Christian Schlesinger

  • Deutscher Winter sagt:

    Daß sie erst 17 ist und was damit zusammenhängt und was nicht: Wäre der Roman echt, wäre er verbürgt durch Lebenserfahrung, in welcher Form auch immer transformiert und verändert, dann läge mit Axolotl Roadkill ein literarisches Zeitdokument vor, ein Stimmungs- und Haltungsbild der Nullerjahre aus Perspektive…undsoweiter. Das Alter, das Milieu, die Lebenswelt wären für die Bestimmung des Werts dieses Dokuments mitentscheidend.
    Daß sie erst 17 ist, das mag teilweise auch zum nachsichtigen Verständnis ihrer moralischen Leichtfertigkeit, was das Kopieren, Abschreiben etc betrifft, ins Feld geführt werden.
    Wo der Diskurs aber einer über Kunst ist, wo es, wie Maxim Biller schrieb, um “unvergessliche Literatur” gehen soll, sind 17 Jahre kein Argument für oder wider und keine Entschuldigung. Man bestaunt, was Mozart mit 12 Jahren, was Rimbaud mit 17 geschrieben hat, aber solche Werke gewinnen ihre Qualität ja gerade nicht durch das Alter des Autors. Man darf die harte Disjunktion wagen: Entweder etwas ist Kunst oder etwas ist keine Kunst. Wenn es Kunst ist, dann muß es einer Beurteilung ohne Ansehen der Person standhalten. Das Ästhetisch-Schöpferische, und gerade die Wunderkinder bestätigen es, ist, wie das Kunsturteil, transzendental und unabhängig vom Alter.
    Diese Geschichte ist dagegen, wie schon gesagt wurde, vor allem ein Lehrstück über die Vermarktung, Käuflichkeit, Charakterschwäche oder mangelnde Urteilskraft eine ganzen Reihe von angesehenen Literaturkritikern angesehener Zeitungen; die Bestätigung vieler Wahrnehmungen, die ich lesend gemacht habe. Maßstäbe fehlen völlig in diesem “unvergesslichen” Geschwafel, und es ist fast beliebig, welchen Namen wirklich guter Literatur man nennt, um den Gegenstand augenblicklich zu Staub zerfallen zu lassen. Das Interessantere scheinen mir die rückblickenden Beurteilungen der Kritiken, der ästhetischen Urteile unserer Rezensenten. Ich frage mich beim Lesen in Axolotl ständig, ob man (“über Geschmack läßt sich streiten”) überhaupt zu solchen Urteilen kommen kann, ob sie vom Gegenstand her naheliegen, auch wo ich sie nicht teile, oder ob es doch eher Kalkül, Befangenheit, Feigheit, Sensationslust in Verachtung eines Publikums ist, von dem stillschweigend angenommen wird, daß es genau mit solchen Roman-Hypes zu jeder Jahreszeit betrogen werden will.
    Ich werde mir Strobo bestellen, ich fühle mich dazu mittlerweile beinahe verpflichtet. Es wäre jedenfalls eine schöne Vorstellung, daß es eine wirklich qualitative Literatur geben könnte, die sich von dieser Art Literaturmarkt ebenso abgekehrt hat, wie sie ohnehin nicht in deren Radar fällt.

  • Georges Bataille sagt:

    Nach etwas längerem Nachdenken und dem Ansehen eines Interviews mit ihr auf NDR denke ich nun folgendermaßen (Achtung, wirklich postmoderner Scheiß):
    -Das Buch “Axolotl Roadkill” ist an sich bestimmt ästherisch interessant und interessanter als so mancher anderer Debutroman
    -Ich mache keinem zum Vorwurf, nicht selbst ein extremes Leben geführt zu haben, auch ihr nicht.
    -Das Mädchen redet leider im Vergleich zu ihrem gut komponierten Text, der bestimmt auch mindestens 45 % Eigenkreationen beinhaltet, einfach nur Blödsinn und dass in einer Syntax und einem Jargon, den vielleicht 15jährige heute haben…
    -Nach verlgeichenden Lektüreeindrücken (die gesamten Bücher durchzulesen, lässt mein Studium gerade nicht zu) sind es genau die Passagen von Airen, die das Buch “sprachgewaltig” bzw. faszinierend machen. Das ist auch kein Sampling oder Collageverfahren, das Buch ist dann doch so kohärent aufgebaut, dass das nicht stimmt. Ich befürchte, die gute Helene hat noch nicht einmal ein Buch von Kathy Acker oder William Burroughs gelesen. Sonst würde sie anders reden und denken.

  • Deutscher Winter sagt:

    (@ Bataille:)
    “Ästhetisch interessant” – das trifft mein Verhältnis zu Hegemanns derzeit halbgelesenem Roman vielleicht auch ganz gut, aber auch durch die Begleitumstände; ich bin andererseits schon etwas angeödet, ich werde die “geile Scheiße” jedoch zuendelesen. “Interessant” ist, was man noch nicht genauer kennt; bei “interessant” bleibt man nicht stehen. Wäre “ästhetisch interessant” allerdings das letzte Wort, dann wäre es ein vergiftetes Lob. “Interessant” bezeichnet eine distanzierte Position und ein Zurückbleiben hinter dem, was man sich von Kunst erhofft. “Interessant” ist unverträglich etwa mit “Faszination”, eigentich deutet schon “ästhetisch interessant” eine widersprüchliche Empfindung an. Und hier denke ich an Wittgenstein: “Was hübsch ist, kann nicht schön sein.”
    Interessant finde ich den Jargon, den ich teils so nicht kenne, teils vom Hören her wiedererkenne, aber so noch nicht gelesen habe. Vom Inhaltlichen her gerate ich nach einigen Seiten Hegemann in einen Bewußtseinszustand ähnlich wie nach einem Splatterfilm; auch kann ich ihren Sätzen, genauer: der Zusammensetzung nicht folgen, das Buch kommt mir sehr zusammengewürfelt vor und ohne große Formanstrengung (daß es nicht mit dem Vorwort losgeht, macht noch keine Form), also im Gegensatz zu ihrer Selbstbeschreibung: mir ist das zu “hingerotzt”, nicht “angestrengt” genug in einem bestimmten Sinn. Man muß sich schon etwas Mühe geben, wenn man auf Schönheit (oder auch: Echtheit) zielt, das Echte ist nicht von selber da. Eine besondere “Kohärenz”, “Komposition” habe ich bisher nicht bemerkt. Wenn das Buch nicht schön sein will, bleibt noch die Ästhetik des Erhabenen…

    Daß sich Hegemann auf die Katogrie des “Echten” beruft, kommt mir unglaubwürdig vor. Das müßten doch die anderen sagen. Oder was ist das für ein Echtes, an dem man ein Schild aufstellt: Hier, das Echte.

  • oliver sagt:

    ich verfolge den diskurs eher zufällig und klicke mich dabei durchs netz. spannend finde ich die frage was ist eigentlich die aufgabe oder besser die chance eines “künstlers”. sucht, zeigt oder plakatiert er die zustände der gesellschaft oder die zustände der gesellschaft innerhalb eines individuums oder die zustände die gesellschaft verursacht und übt er nicht in gewisser weise kritik von einem überhöhten standpunkt aus? also einem standpunkt der ausserhalb der normengruppen steht?
    was zeigt uns der “fall” hegemann? jeder tut was er tun soll. die kritiker arbeiten an der oberfläche, das kapital verdient so oder so, wir haben wieder fest zu stellen: es gibt eine neue generation, die wie alle vorherigen ruhig wird, wenn die kohle stimmt, etc. etc.
    also nichts neues und eine menge medienwirkung für frau hegemann. ….und die werbung sagt dazu: “negativ schlagzeilen sind fast so gut wie mundpropagand, es kommt nur darauf an wie sie verwertet werden”
    …wäre es eine geschichte oder ein roman, dann wäre es ein akzeptabler plot, wenn sich am ende herausstellen würde: frau hegemann ist nur die handpuppe eines spielers.
    alles in allem ein kleines bühnenstück passend zu beuys badewanne oder den readymades.
    …und nun googelt mal schön.
    @ frau hegemann – gut gemacht, aber nutzlos. ;-)

  • Roald Dahl hatte die Vision eines automatischen Grammatisators. Ein Programm, das aus wenigen Vorgaben einen Roman produziert. “Jugendlich, rotzig, drogensüchtig”, schon fließen Sätze über den Monitor, hunderte, tausende.
    Gespeist wird der Grammatisator mit allem, was jemals auf dem Buchmarkt erschienen ist. Ein Königreich geistigen Eigentums, aus welchem der Grammatisator Millionen Phrasen extrahiert. Lückentexte, die sich beliebig füllen lassen. Wobei der Grammatisator erkennt, dass ein wichsender Jesus Christus wenig Sinn ergibt, mag er im Feuilleton auch für Begeisterung sorgen.
    Helene Hegemann erscheint mir als fleischlicher Grammatisator, der jeden Tag mit Textmarkern melancholisch expressionistische Kunstwerke ausmalt. Noch zehn Jahre Realitätsflucht in ausgeprägte Lesesucht, und Helene Hegemann wird tausend Seiten “Axolotl Roadkill” montieren können, hundert Seiten Danksagung inklusive.

  • Bellavista sagt:

    Originalität gibt’s sowieso nicht, nur Echtheit.
    - Helene Hegemann

    Authencity is invaluable, Originality is non-existent.
    - Jim Jarmusch

    Click this: http://markmalazarte.com/jarmusch/

    So langsam nimmt es absurde Züge an.

  • CopyCat sagt:

    nervt es mich.

    Die Aussagen aller Mitglieder der Piraten-Partei hier sind noch mehr zum Kotzen, als der dreiste Diebstahl des geistigen Eigentums samt optimaler nachfolgender Kommerzialisierung.

    Es ist so dermaßen inspirierend, das Plagiat relativieren zu wollen, dass ich gerade dabei bin, Goethe abzuschreiben und es unter Goedhe verkaufen zu wollen. Sieht jetzt ganz anders aus oder?

    Hier mal die Stellen in der FAZ, um die es geht, samt Interview des Schriftstellers. Es verdient keine zweite Chance, das abgebrühte Pseudo-Kreativ-Ding, das sich ja erwiesenermaßen Strobo auch noch gekauft hat. Der Papa hat es bestellt. Aus der Kleinen sollte ja mal was werden.

    http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~E88A9CA72ADE445F390437D064F10C598~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  • nahascha sagt:

    gez-helene-kultur-heineken-fernsehen-hegemann-techno-berghain-strobo-koks-schmidt-gruppenzwang-airen-arschlochkinder
    nun ist jeder reich bedient worden, in welcher hinsicht auch immer.
    vielleicht hilft diese ganze show dabei, bewusst zu machen, dass der titelheld vom aussterben bedroht ist. wohl in freier wildbahn.

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