Feb
16
2010

Axolotl Roadkill: Helene Hegemann bei Harald Schmidt

Als ich die Sendung am Donnerstag, dem 11.02. sah, dachte ich noch, Harald Schmidt habe Helene Hegemann sanft angefasst. Doch beim zweiten Anschauen wird klar, er hat mit ein paar harmlos wirkenden Fragen („Was ist das Berghain für ein Laden?“, „Technokultur darf man nicht sagen?“, „Wie findest du die Werke von Giorgio Agamben?“) ihre Ahnungslosigkeit offenbart.

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Geschrieben von Deef in: Der ganze Rest | Tags: , , |

26 Comments

  • Marcel sagt:

    Voll aufgelaufen würde ich sagen. Komischerweise würde ich sie mental mehr unterstützen und hinter ihr stehen, wenn sie mich körperlich und geistig mehr anziehen würde. Ist das seltsam? Wahrscheinlich.

  • Moritz sagt:

    Teilweise redet sie sinnvollen Kram, teilweise totalen Blödsinn. Und bei dem, was schlau wirkt, habe ich auch oft das Gefühl, dass es antrainiert ist.

    Schmidt hat sicherlich ihre Ahnungslosigkeit offenbart, aber gut weggekommen ist sie meiner Meinung nach trotzdem noch. Ganz im Gegensatz zu Airen, der in diesem Gag davor doch ziemlich verarscht worden ist.

  • Falcon030 sagt:

    Herrschaftszeiten, ist das Mädel eine Schwätzerin.
    Sie will auf Krampf bedeutungsvoll sein, aber irgendwie kommt da nur heiße Luft.

  • Anne sagt:

    Die Frau weiß gar nicht, was sie für einen Blödsinn von sich gibt! Das sollte ihr mal jemand sagen!

  • anderer deef sagt:

    fuck, aber eigentl ist der harald schon n teufel
    ich wette hinter der bühne war er superlieb zu ihr und dann vorne höllenmäßig zerlegt…
    (genau das hat sie scheinbar überrascht)
    also ich hätte kein bock danach mit ihm noch weiter zu quatschen

  • Philipp sagt:

    Schmidt spielt ja selbst mit diesen Worthülsen immer, die Hegemann auch benutzt. Er sagt andeutungsvoll Agamben, so wie Hegemann es tut, nur ihr nimmt man es wegen des Alters nicht ab, dass sie eben mehr weiß. Ich fand das gar nicht so hart, was er mit ihr abgezogen hat und genau so wird es wahrscheinlich auch dem Großteil der Zuschauer gegangen sein.

    Die Airen-Sache war doch auch einfach nur dumm irgendwie. Ich kenn den Typen zwar nicht, genauso wenig sein Buch, aber blöd fand ich diese „er hat doch auch von Ernst Jünger abgeschrieben“ Schiene schon.

  • georg sagt:

    Es war sehr subtil gemacht von ihm. „Shakespeare, Shakespeare-Stücke, bla“, Hegemann nickt, „Erniedrigte und Beleidigte“, „Shakespeare“, Hegemann nickt. „Erniedrigte und Beleidigte“ ist ein Dostojewski-Titel.
    Tja.

  • Carsten sagt:

    In mein Bild der Geschichte passt das alles problemlos.

    Man sollte nur Teenies weder unter- noch überschätzen. Die werden nicht ab 20 plötzlich intelligent, die können schon vorher was. Insofern finde ich dieses Interview für eine 17jährige sehr gut und patzerfrei gemeistert.

    Wenn sie das Berghain kaum kennt und Agamben gar nicht, liegt das hoffentlich daran, dass man sie als 16jährige nicht ins Berghain reingelassen hat. Agamben ist meiner Meinung nach eh nur ein Philosoph fürs Feuilleton, der universitätsintern eher ignoriert wird. Den muss eine 17jährige nicht gelesen haben, es wäre für sie eh viel zu schwierig, Agambens Thesen einzuordnen. Interessanterweise passt er als weiser Schwätzer und Ernst-Jünger-Fan in dieses Buch wie die Faust aufs Auge.

    Natürlich darf sie aber über all das schreiben und das Buch und die Autoren provozieren sicherlich widersprüchliche Gedanken. Es ist aber nicht ihre Aufgabe, diese aufzulösen.

  • Deef sagt:

    @Carsten: Die Frage ist nicht, was weiß Helene Hegemann, sondern hat sie gelogen? Sie hat in einem Audio-Interview behauptet, im Berghain gewesen zu sein. Höre hier http://www.kuechenradio.org/wp/?p=379

    Das ist nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich angesichts ihrer nur vagen Beschreibung des Clubs (siehe Video oben) und angesichts der Türpolitik des Berhains. Siehe hier: http://www.gefuehlskonserve.de/berghain-so-kommt-man-durch-die-haerteste-tuer-berlins-15122008.html

  • Marcel sagt:

    Es ist doch eigentlich ganz einfach: Helene hat sich eine Welt ausgedacht, die sie selbst nicht erlebt hat. Das wäre eigentlich nichts verwerfliches, haben schließlich schon tausende von Autoren vor ihr gemacht. Hier kommt aber dazu, dass sie gelogen, geklaut und auf den Arbeiten anderer aufgebaut hat, ohne diese zu honorieren. Und darauf einen zweifelhaften Erfolg aufzubauen, das ist natürlich nicht sehr rühmlich, besonders wenn man sich weiterhin hinter dieser Fassade versteckt und die gemachten und entschuldbaren Fehler nicht endlich frei zugibt.

  • Philipp sagt:

    „Den muss eine 17jährige nicht gelesen haben, es wäre für sie eh viel zu schwierig, Agambens Thesen einzuordnen. Interessanterweise passt er als weiser Schwätzer und Ernst-Jünger-Fan in dieses Buch wie die Faust aufs Auge.“

    a) Muss sie auch nicht, wenn sie aber anfängt Wörter in den Raum zu werfen, wundert man sich doch schon.

    b) Agamben ein Jünger-Fan? Schmitt ja, aber Jünger?

  • Hans sagt:

    Das Berghain zudem als einzigen Ort in Berlin zu bezeichnen, der noch eine Aussage hätte [oder irgendwie so, was sie probiert daherzustottern], ist gewagt. Gerade das Berghain gilt als der Club, der den Untergang der ’00er-Szene eingeleitet hat und grundsätzlich das Symbol der kulturellen „Gentrifizierung“ in Berlin darstellt. Daran ist nichts mehr Underground und Aussagen verwischen mehr und mehr. Mir fallen auf Anhieb mehrere Clubs ein, die mehr „Statement“ haben, z.B. der Suicide Circus mit seiner Türpolitik und dem starken Ost-Berlin-Bezug.

    Insofern, und das mag sicherlich streitbar sein, entpuppt sich die Dame auch hier als unwissend oder unreflektierend.

  • moosmann sagt:

    Nee, ich glaube, es ist alles ziemlich einfach (siehe die Faschingsgedichte auf dem thread „Alles nur geklaut“. Der Schmutzige Harry spielt schmutzig, aber im – durchaus kalkulierten – Effekt ist eine große unbezahlte Werbeaktion für das Buch und damit Ullstein. Man kennt sich und tut sich wechselseitig Gefallen.
    Auf „Welt-online“ las ich, ältere Männer fühlten sich von jungen Frauen wie Helene Hagemann bedroht. Selten sowas unsinniges gelesen. Sie ist doch der Avatar älterer Männer, Harald Schmutz gehört auch dazu. Er hat zwar Fragen gestellt, auf die sie nicht gescheit antworten konnte, aber das hat der Sache ja nicht geschadet, in Gegenteil, es unterfüttert das fahrlässige Gerede vom Ende des Urheberrechts und der Intertextualität. Was Schmidt am ausführlichsten getan hat, war das Loben, sie sein eloquent, klug und er fände es toll, wie sie sich verkaufe. Verkaufen, das isses.

  • mufti sagt:

    Sie sollte offenbar unbedingt in diesen Kulturbetrieb reingedrückt werden, und zwar gleich ganz oben irgendwo, und das ist ja nun gelungen. Wer kann schon mit 16 plötzlich einen Film machen ohne solche Connections. Wer landet mit seinen Bloggereien denn schon bei der besten Literaturagentur, und dann bei Ullstein. Man muss schon gerne bei Harald Schmidt sitzen und das schale Lob der FAz goutieren – klar. Aber dann…

    Die Mitautoren sind ja nicht nur Airen und Co, da hat sie ja schon recht damit, dass es Intertextualität und Kathy Acker gibt, da war sie eine brave Schülerin ihres Umfelds, wie sie ja überhaupt die Underground-Streberin schlechthin ist, so wie sie alle vermeintlichen Erwartungen erfüllt und alle gesampleten Provokationen routiniert abspult. Auch wenn es bei ihr mit der Transformation des Gesampleten nicht weit her ist – eher Appropriation Art. Nein, die, von denen noch garnicht geredet wird, sind die Lektorin und der Vater, dessen Amazonengeschenk ja ans Licht kam, den Rest ahnt man. Es ist genau die Literatur für die Generation und das Milieu, das sich nun so euphorisiert gibt, das Feuilleton und der Volksbühnefankreis. Insofern Mainstream. Eben Literatur, die auf zwei Hochzeiten tanzen will, dreckig und Underground und Sampling einerseits, Ullstein, FAZ, Talkshows und Autorenpreis andererseits.

    Was ich aber eigentlich sagen wollte: Der wirkliche Roman steht weder in Strobo noch im Lurchroman, der eigentliche Roman findet gerade im Netz statt, im Reden über das alles, man stellt ihn sich selbst zusammen bei Google News, Twitterm kurzgeschichten.de und airen Blog, bei SPON, Welt online, FAZ und SZ, bei Amazon und hier, und dann kann man selber noch dran weiterschreiben – das nenne ich intertextuell. Dieser Roman ist vielstimmig, nimmt überraschende Wendungen, reflektiert sich selbst, hat keinen und viele Autoren, und das beste daran ist, an Ullstein muss man keinen Cent abdrücken, alles gratis. Es treten auf: Die verwegene Jungautorin, ihr Backround, empörte anständige Jungautoren, der bayerische Rundfunk, die Wissenschaft, der Markt, Airen, und wir alle. Es ist ein Bildungsroman, eine Zitat-Collage, ein Drama und eine Komödie – ich möchte fast meinen, es ist der Coming-of-Age-Roman einer ganzen Kultur der Nullerjahre.

  • moosmann sagt:

    @Marcel
    Das mit dem geistig und körperlich mehr anziehen… ist nicht seltsam , sondern unpassend. Leider ist es ja heute so, daß Autorinnen hübsch sein müssen, um ihre Werke mit ihrem Foto zu bewerben.
    Ich fand, daß Helene Hegemann entgegen ihrer Auskunft, es gehe ihr gut, ziemlich mitgenommen und ungesund aussah. Ich vermute, es geht ihr gar nicht gut, und das schon ziemlich lange. Das mag ein Grund sein, weshalb sie solche Sachen schreibt. Hört da jemand hin? Gibt es da Alarmzeichen?

  • moosmann sagt:

    @ Mufti
    Deine Idee mit dem Roman, der in den Medien durch die Diskussionen zusammengetragen wird, gefällt mir. Aber ist der auch gut? Ist denn wirklich Intertextualität gegebn? Ich finde, die Beiträge beziehen sich viel zu wenig aufeinander, deshalb kommt auch keine Vernetzung zustande. Dazu ist wahrscheinlich das Medium Blog zu flüchtig und viel zu schwach mit dem Nicht-Netz verbunden, im Gegenteil, ich höre immer wieder so eine für mich völlig unsinnige Frontstellung Print versus Online, Feuilleton versus Blogosphäre. Solange man sich da gegenseitig nicht mindestens respektiert, und auch innerhalb der Blogosphäre der Ton so unbarmherzig ruppig bleibt, entsteht da leider kein Roman, schon gar kein Entwicklungsroman, sondern nur ein Patchwork aus Splittern und Trümmern.

  • the grey album sagt:

    da hackt die eine krähe der anderen kein auge aus. harald schmidt ist ein untalentierter schauspieler, der einfach die letterman show kopierte und nach D importiert hat. das sind quasi seelenverwandte.

  • Stefan sagt:

    Hat irgendwas von der Californication Storyline mit „Fucking & Punching“, oder?

  • Arthur sagt:

    „Lies mal nach … in deinem Buch“ ich denke das Statement sagt so ziemlich alles aus.

  • Kay sagt:

    Ich hatte auch den Eindruck, dass Harald Schmidt sie sehr subtil –aber deutlich– vorgeführt hat, vielleicht zu subtil für manchen Zuschauer.
    Ich konnte mir an diversen Stellen das Lachen nicht verkneifen und sah sie am Ende sehr bloßgestellt. Sogar noch stärker als durch das bloße Plagiat.
    Gerade die Anspielungen auf ihre Ignoranz ihr Buch („Wieso darf man Technokultur nicht sagen?“ –“ Das hast DU geschrieben.“ etc pp) und dessen Setting (Berghain )betreffend, hatte ich schon den Eindruck, dass sie vielleicht noch weniger selbst geschrieben hat, als ich vermutete…
    Besonders „bösartig“ fand ich auch seine Wiederholung der Worte „eloquente und intelligent junge Frau“–besonders nachdem sie sehr stammelnd und unzusammenhängend sprach (bzw leere Phrasen drosch) . Da habe ich definitiv eloquentere 12jährige kennengelernt.Für eine damals fast 18jährige fand ich ihre Art zu reden eher unterdurchschnittlich.
    Ich musste bei dem Gespräch mit Hegemann wiederholt an die intelligente deutsche Autorin Jenny-Mai N(g)uyen denken, die mit 10 ihr erstes Drehbuch verfasste, mit 13 ihr erstes Buch schrieb und mit 21 inzwischen von 5 Bücher verfasst hat. Ich habe seltsamerweise nie etwas von ihr gehört, bis ich sie bei TV Total sah. (Nun ja, sie schreibt ja auch „nur“ Fantasy–und dann auch noch selbsterdacht ohne Vitamin B im Literaturbetrieb, ohne jede Art von HYPE).
    Eine junge Frau, die ohne leere Phrasen humorvoll und in sich ruhend wirklich eine angenehme Gesprächspartnerin für Stefan Raab gab (den sie während des Gespäches noch als Meerjungfrau zeichnete). Überraschenderweise schien sie sogar zu wissen, was sie in ihren Büchern schreibt–schade, dass sie nicht zusätzlich am Gespräch mit Harald Schmidt teilnahm, der Kontrast wäre noch größer geworden.

  • Heinz sagt:

    @Marcel: Das ist nicht komisch, das ist das Prinzip, nach dem die Bild-Zeitung und alles andere funkioniert: Jemanden, den ich attraktiv finde, dem glaube ich auch eher.
    Aber macht nichts, du hast völlig Recht. Ihr fehlen einfach noch ein paar Jahre. Lasst doch das kleine Mädchen in Ruhe.

  • […] Skandalon für ein reichlich verspätetes Silvesterfeuerwerk in allen Medien von Twitter bis zur Harald-Schmidt-Show, als feierten die Kulturmultiplikatoren nicht jahreszeitgemäß feuchtfröhlichen Karneval, sondern […]

  • glamorama sagt:

    Die Quittung für den Senf, den Helene Hegemann bei Schmidt (und andernorts) von sich gegeben hat, bekommt sie übrigens im aktuellen Berghain-Programmheft verpasst.

    Es bleibt zu hoffen, dass sie daraus die richtigen Schlüsse zieht ;)

  • […] Hier die Sendung zum Nachschauen bei Deef Pirmasens, dem Blogger der die ganze Plagiatsdiskussion ins Rollen brachte. […]

  • Himbeere sagt:

    Sehr schöne Spitzen vom Schmidt, aber die Hegemann hat ab und zu auch souverän reagiert. Ich würde sie sogar ein bisschen sympathisch finden, wenn das ganz nicht so affektiert und gestellt wirken würde.

  • Mordechaj sagt:

    „Es war sehr subtil gemacht von ihm. “Shakespeare, Shakespeare-Stücke, bla”, Hegemann nickt, “Erniedrigte und Beleidigte”, “Shakespeare”, Hegemann nickt. “Erniedrigte und Beleidigte” ist ein Dostojewski-Titel.
    Tja.“

    Klar. Man kann ja heutzutage auch erwarten, dass 17jährige die Werksliste von Dostoiewski im Kopf haben, der normalerweise in der gymnasialen Oberstufe nicht mit einem Wort erwähnt wird. Was hätte sie machen sollen – blöd gucken und nachfragen?

    Mag alles stimmen, was man über sie sagt, sie mag von mir aus auch ein bisschen leer daherschwatzen, zugegebenermaßen wird das aber von Schmidt auch ganz offen provoziert.
    Man merkt ihr die Aufregung an, sie reflektiert auch ziemlich viel von dem was sie sagt und gefragt wird – ich muss zugeben, das ist mehr, als so manch anderer Gast hinbekommt. Hier jetzt von einer 17jährigen die große Intellektualität zu verlangen, weil sie gerade einen Roman veröffentlicht hat, der nichts mit Intellektualität zu tun hat… ich weiß nicht. Ich finde es allemal um einiges fragwürdiger, wenn Schauspieler in Interviews darüber reden, wie kalt das Wasser war, in dem sie spielen mussten.

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