Feb
07
2010

Axolotl Roadkill: Helene Hegemann entschuldigt sich

Manchmal geht es ganz schnell. Nicht mal 48 Stunden hat es gedauert, bis sich Verlag und Autorin des Romans “Axolotl Roadkill” (Partnerlink zu Amazon) zu den von mir erhobenen Plagiatsvorwüfen geäußert haben. Helene Hegemann entschuldigt sich. Hier nur ein kurzer Auszug, die komplette Entschuldigung bei buchmarkt.de:

“… Trotzdem habe ich natürlich einen legitimen Anspruch der Leute nicht berücksichtigt, weil mir die juristische Tragweite nicht bewusst und ich, so leid es mir tut, total gedankenlos und egoistisch war. Und obwohl ich meinen Text und mein Prinzip voll und ganz verteidige, entschuldige ich mich dafür, nicht von vorneherein alle Menschen entsprechend erwähnt zu haben, deren Gedanken und Texte mir geholfen haben.”

Ihre Verlegerin Dr. Siv Bublitz vom Ullstein Verlag nimmt ebenfalls Stellung (auch bei buchmarkt.de):

“Natürlich haben wir Helene Hegemann vor Drucklegung ihres Buches gefragt, ob sie Quellen oder Zitate verwendet hat. Sie verwies lediglich auf ein Zitat von David Foster Wallace, für das wir eine Abdruckgenehmigung eingeholt haben. Offenkundig hat sie die Tragweite dieser Frage unterschätzt und ist auf Quellen und Zitate aus dem Netz – wie etwa den Blog von Airen – nicht eingegangen.

Die Position des Ullstein Verlages ist eindeutig: Quellen müssen genannt und ihre Verwendung muß vom Urheber genehmigt werden. Wir haben uns bereits an den SuKuLTuR Verlag gewandt, um diese Genehmigung nachträglich zu erlangen. Sollte es weitere betroffene Rechteinhaber geben, werden wir auch sie kontaktieren und die Genehmigung zum Abdruck einholen.”

Schön, dass sich Hegemann entschuldigt hat. Was sie aber nicht versteht oder verstehen will ist, dass Remixen, Samplen, Transformieren usw. vollkommen in Ordnung gehen, so lange man sich nicht mit fremden Federn schmückt (wie das Mathias Richel hier treffend twitterte und wie es auch dort bei Netzpolitik steht).

Aber geschenkt – Helene Hegemann ist 17, hat ihren ersten Roman geschrieben (der mir auch gefällt) und dabei geschludert. Ich verlange von einem Teenager keine totale Professionalität, sondern gestehe ihr auch zu, Fehler zu machen. Kritischer sehe ich den Ullstein Verlag, der es anscheinend versäumt hat, das Skript genau auf verwendete Quellen hin zu prüfen. Hinterher die komplette Schuld auf die damals 16jährige Autorin abzuschieben, weil die ja auf die Frage nach Quellen keine vollständige Antwort gegeben habe (siehe Statement Bublitz oben), halte ich für sehr zweifelhaft.

Warum hat der Lektor es versäumt, die Sätze, die wie es in Axolotl Roadkill von einer Figur gesagt wird “von so’nem Blogger” stammen, zu googlen? Hat der Lektor es übersehen, hätte er unprofessionell gearbeitet. Hat er es erkannt, aber ignoriert, hätte er die Plagiate billigend in Kauf genommen. So oder so: Ich finde, Ullstein stünde ebenfalls eine Entschuldigung gut zu Gesicht, statt der minderjährige Autorin den schwarzen Peter zuzuschieben.

Nun bin ich gespannt, wie der Fall Hegemann im Feuilleton aufgenommen wird. Hoffentlich erhalten Airen und sein Roman STROBO (Partnerlink zu Amazon) durch das Skandälchen etwas mehr Aufmerksamkeit.

Update 7.02.2010: Die Berliner Morgenpost meint: “Es sich so einfach machen wie Helene Hegemann allerdings, die in einer eilig verfertigten Stellungnahme zwischen Originalität (Airen?) und Echtheit (Hegemann?) unterscheidet, das darf man nicht.”

Update 8.02.2010: Der Tagesspiegel berichtet, ohne Hegemanns Buch neu zu bewerten. Laut FAZ bestreitet Hegemann Airens Buch gelesen zu haben, während der SuKuLTuR-Verlag einen Beleg hat, der beweist, dass ihr Vater es für sie gekauft hat.

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Geschrieben von Deef in: Der ganze Rest | Tags: , , , |
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143 Kommentare

  • Thomas sagt:

    Eigentlich schlimm, dass das Feuilleton Hegemanns vorgehen als neue Literatur-Kultur legitimiert. Dazu heute ein Artikel auf Spiegel: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,676570,00.html
    Und ich kann aus eigener Berufserfahrung sagen: Kein Lektor hat die Zeit, ein Manuskript komplett auf Plagiaterie zu prüfen. Was er allerdings tun muss, den Autor auf diese Gefahr eindringlich hinweisen.

  • Philipp sagt:

    Ich verstehe das auch nicht, wie eben der Spiegel und auch die FAZ das jetzt alles als voll und ganz normal abtun. Es scheint mir so, als wolle man sich nicht eingestehen, daß dieses Umjubeln, daß dieses gierige Stürzen auf ein kleines Mädchen vielleicht einfach falsch war. Es geht ja hier nicht um ein, zwei Stellen, sondern um Großflächiges kopieren.

  • Herbert Reichart sagt:

    Helene Hegemann wollte sich in der “Welt der Erwachsenen etablieren”

    Herzlich willkommen in derselben.

  • Martin A. Hainz sagt:

    Ich finde es wichtig, daß hier die Differenz zwischen dem legitimen und unvermeidlichen Rekurs auf andere Texte und schlichtem Abschreiben mal wieder eingemahnt wird.

    Das Lektorat dafür verantwortlich zu machen, das halte ich für unrichtig — ein Lektor kann nicht jeden Ideenklau ausmachen, zumal, wenn die Quelle derart fern vom Kanon ist. Es ist ja schon perfide von der Autorin, ein kleines Zitat, das man aber eher erkennen hätte können, auszuweisen, um dann die unkenntlichere, große Passage zu verschweigen.

    Ich würde, ganz wie Herbert Reichart, der die Autorin in der Erwachsenenwelt willkommen heißt, sagen: Das ist Betrug der Autorin an Verlag und Leser, sie wußte es bei Wallace, was zu tun ist, womit indirekt das Kalkulierte ihres Vorgehens klar sein dürfte.

    Unschuldsvermutung, weil das Wunderkind ja sooo jung ist? — Es wäre schwierig, das zu begründen..!

  • Macx sagt:

    Hallo:

    Ich finde das Erstellen von Plagiaten auch nicht korrekt. Das Geschrei nach Urheberrechtsänderung ist groß – besonders bei denen, die keine Eigenleistung bei ihrer Arbeit investieren. Natürlich ist das Urheberrecht hier und da eingestaubt und es ist z.B. auch sehr gut, dass es eine “open source” szene bei Software gibt und alternative Copyright Formen, dass sich die Musikverbreitung verändert, z.B. mit freien Lizenzen, aber diese “ich nehme mir das mal und mach was anderes draus” Einstellung ist traurig und dumm. Gerade auch bei der jüngeren Generation muss da mal nachgebessert werden, am besten schon in der Schule – man kann ihnen keinen Strick daraus machen – youtube, facebook, Tauschbörsen leben es zwar vor, aber so kann es nicht richtig sein! Natürlich sollen die Gedanken frei sein und Zugänglich, aber ganz im Gegenteil zu Hegemanns Annahme, es gäbe keine Induvidualität mehr, gibt es sie eben immer weniger und seltener, weil Menschen wie sie, sie scheinbar nicht besitzen. Aber eigentlich ist der Verlag verantwortlich für die Veröffentlichung – alle Rechteinhaber, sollten eine Entschädigung fordern und zwar nicht zu knapp – so kann es nicht weitergehen, mit dem Raub am Gedanken!

  • Leser sagt:

    HAHAHAHAAAAA
    Ich lache über alle die pseudo-Literaturkritiker, die anscheinend so von gestern sind, dass sie es nicht gemerkt haben.
    Meiner Meinung nach trifft sie genau so eine Schuld wie die Lektoren des Verlages.
    Das alles erinnert mich ein wenig an “Hurz”. ;)

  • dolores sagt:

    Vollkommen schockiert und aufgebracht bin ich über die offiziellen Kommentare (also NICHT die der Leser) bei Spiegel-Online, der FAZ und anderen, die das Abscheiben plötzlich als vollkommen legitim empfinden (da gehen sie ja auch d’accord mit Frau Hegemann). Plötzlich wird relativiert, es wir das Vergehen (welches Vergehen überhaupt?) kleingeredet.
    Dabei scheint bisher nur die Spitze des Eisberges bekannt:
    - Airens Texte wurden geklaut
    - das Lied einer Band wurde geklaut

    War das wirklich schon alles?
    Im Netz fand ich einen Hinweis auf den Anfang von Axelotl, dort soll aus “Unter dem Vulkan” von Malcom Lowry abgeschrieben worden sein.

    Hier in den Kommentaren (01):
    http://www.spreeblick.com/2010/02/08/helene-hegemann-und-airen-interview-mit-strobo-verleger-frank-maleu/ findet sich ein Hinweis darauf, daß das aktuelle Abschreiben kein Einzelfall ist.

    Werden die Verteidiger des “Sprach-Wunderkindes” erst verstummen, wenn auch der letzte Ursprung des letzten Satzes Frau Hegemanns aufgeklärt ist? Werden die begeisterten Rezensenten erst dann zugeben, daß sie auf eine Schwindlerin reingefallen sind?

  • Leser sagt:

    Aahh… und noch etwas.
    Ich habe jetzt in diesem Zusammenhang schon öfter das Argument “sharing”-kultur des Internet gelesen.
    Dabei wird völlig ausser Acht gelassen, dass zum Teilen eigentlich zwei gehören. Im Internet wird in immensem Maße einseitig und unfreiwillig geteilt.

  • Frank sagt:

    Ich möchte all denen zustimmen, die dafür sind, dass geistiges Eigentum (Worte, Gedanken) weiterhin urheberrechtlich geschützt bleibt. Schließlich leben wir in einer Marktwirtschaft, wo sich Erfolg oder Nichterfolg
    nicht nur auf auf dem Buchmarkt auch finanziell enorm auswirkt. Und der Autor Airen hätte sicher nichts dagegen, wenn er an den Einnahmen, die das
    Buch von Helene Hegemann erziehlt, beteiligt würde, wenn man schon ungefragt und heimlich seine Worte abdruckt.
    Gut nur, dass so ein Betrug doch immer wieder auffliegt.
    Helene Hegemann hat die aufmerksamen und kundigen Leser wohl unterschätzt, sonst hätte sie alle Zitate benannt und nicht nur das auffälligste. Nun wird sie zurecht kritisiert und lernt hoffentlich daraus.

  • Hokkaido sagt:

    @Rob

    Diebstahl hat nicht nur eine rechtliche Komponente, es ist rein sprachlich die “heimliche Entwendung fremden Eigentums” (http://de.wiktionary.org/wiki/Diebstahl).

    Ich denke ein “Diebstahl geistiger Natur”, also eine Verletzung von Urheberrechten, oder eines Patents, kann umgangssprachlich durchaus treffend mit “Diebstahl” bezeichnet werden. Ein Herzensdieb ist ja auch kein “Dieb” im strafrechtlichen Sinne. Die Sprache wird zum Glück ja nicht von Anwälten gemacht.

    Wenn Sie sich über die Herkunft von “Dieb” und “stehlen” informieren, wird dies noch deutlicher.

  • Samuel sagt:

    Übertrieben!

    Offensichtlich wurde abgekupfert.
    Aber in wie weit und wie essentiell ist das denn?

    Ich finde diese Vorwürfe und den ganzen Hype beschämend für die ganze Kunst!

    Die Zitate wurden sogar verfremdet, das heisst nicht satzgetreu abgeschrieben. Was natürlich das Abkupfern nicht weniger DEUTLICH macht.
    Aber noch mal: Wie bedeutsam sind ein paar Sätze, die der Autorin als Bildvorlage tauglich schienen?

    Plagiat? Billige Kunst ist es. Wenn ich von Plagiaten höre, dann glaube ich an BETRUG.

    Und den kann ich hier nicht erkennen.

    Es ist zu viel HYPE um das Beschämende bei dieser “Göre” (wie ich hier schon mal las).

    Ein richtiger Mob wird hier genährt, und ich sehe das Beschämende auf anderer Seite.

  • saibot sagt:

    Nicht bös sein aber mit 16 weiß man was “abschreiben” bedeutet und das es nicht sehr fein ist. Besonders wenn man sich damit schmückt und letztlich auch noch Geld verdient…

    Vieleicht haben da aber auch die Eltern in der moralischen Festigung der Tochter versagt?

  • Marko sagt:

    @Samuel

    es geht hier um ein wenn ueberhaupt mittelmaessiges Buch welches nach DSDS Manier als “DAS” Buch ueberhaupt vermarktet wird, geschrieben von einer damals 16 jaehrigen die sich nahezu 1:1 eines anderen Romans bedient hat ohne dessen Autor darueber zu informieren oder zu erwaehnen. Erst als man Sie darauf anspricht gibt Sie den Klau zu nur um sich dann in intellektuellem Geblubber zu ergeben vonwegen neuer Trend etc. .

    Entschuldige aber wenn ich ein Buch lese moechte ich die Worte des Autors, nicht die seicht abgeaenderten Worte eines anderen lesen denn dann kauf ich mir gleich dessen Buch.

  • -Spooky- sagt:

    @Leser

    “Ich habe jetzt in diesem Zusammenhang schon öfter das Argument “sharing”-kultur des Internet gelesen.”

    Definiere “Sharing” .. Illegales, Podcasts, Promo, Livemitschnitte, Bootleg, DVD Screener, EBooks etc. pp.? Nenne mal ein paar Hausnummern, damit wir uns weiteres Glaskugelraten ersparen können.

  • Marko sagt:

    Ich denk mal damit sind Programme wie Limewire gemeint welche Daten am Herausgeber vorbei kostenlos zur Nutzung freistellen.

  • nochmal im vergleich - unter dem vulkan/axolotl roadkill sagt:

    Axolotl Roadkill:
    “O. k., die Nacht, wieder mal so ein Ringen mit dem Tod, die Fetzen angstgequälten Schlafes, mein von schicksalsmächtigen Orchestern erbebendes Kinderzimmer und all diese Einbrecherstimmen aus dem Hinterhof, die unausgesetzt meinen Namen schreien.”

    Unter dem Vulkan, Malcolm Lowry:
    “…dachte er einen Augenblick (..) an die furchtbare Nacht, die ihn – ob er noch mehr trank oder nicht – unausweichlich erwartete, an sein von dämonischen Orchestern erbebendes Zimmer, die Fetzen eines angstgequälten tumultuösen Schlafes, unterbrochen von Stimmen, die in Wirklichkeit Hundegebell waren, oder von eingebildeten Besuchern, die unausgesetzt seinen Namen riefen,…”

  • sweet sisyphus sagt:

    Zuerst: Mag beinahe etwas erlösendes haben, dass das ‘Wunderkind’ eben doch keines ist. Zweitens: Und diese ‘Kultur’ der digitalen Generation, untermalt von manchem so junggebliebenem Alten gerne mitgeplappertem Gerede vom Segen der ‘Dekonstruktion’ klassischer Autorenschaft, dem Schöpfen aus dem ‘kulturellen Pool kollektiver Kreativität’ usw. – ein Kult der Banalisierung! Oder, milder interpretiert, ein Missverständnis wo eigentlich die Problemhaftigkeit der Abgrenzung geistigen Eigentums gemeint sein mag. Drittens: Und ein bisschen jenseits des Skandals, war doch vor allem ärgerlich die Hypostasierung ‘der Jugend’, wie sie wiederum von so manchem Alten (Mann) betrieben wurde, angesichts deren die teenager Wiederauflage eines Bukowski als Mädchen wie ein Programm erscheinen musste. Und bitte Helene, ‘ich war egoistisch’? Wen zum Teufel willst du mit diesem betroffenen Sprech langweilen?

  • schuehsch sagt:

    Nach Zitaten hätte der Verlag hätte vielleicht zwei Mal nachfragen sollen weil die Autorin minderjährig ist, aber mehr halte ich für einen Verlag nicht für zumutbar. Auch mal ebenso ein paar Sätze aus dem Buch googlen finde ich schwierig. Bei jedem Buch kann man das nicht verlangen – vielleicht war aber bei der so jungen Autorin besondere Aufmerksamkeit geboten.
    Grundsätzlich ist es ja so, dass jeder Autor in jedem Buch irgendwo geklaut hat oder irgendwas zitiert ohne eine Quelle anzugeben (sonst gäbe es den Begriff Intertextualität ja gar nicht). Das ist auch völlig in Ordnung – geht ja um Bücher und nicht um Doktorarbeiten. Mir erscheint es lediglich dumm, dass das in Hegemanns Buch nicht für alle Quellen gemacht worden ist – entweder alle oder keiner. Und vielleicht hat sie auch relativ viel aus einem anderen Buch gesampelt, aber damit sie nicht die erste, nicht die letzte und nichts besonderes.
    Interessant ist vielleichrt auch noch folgender Aspekt: Sagen wir, sie hat Stllen über Drogenkonsum geklaut. Ok. Was hätten wir denn gesagt, oder was würde das Feuilleton sagen, wenn eine Minderjährige gerade diese Stellen aus eigenem Erleben schildern würde?

  • Blume sagt:

    Ich war bis jetzt immer der Ansicht, dass man mit 16 Jahren schonmal etwas ueber das Urhheberrecht, Plagiat, kopieren von Texten und deren Kenntlichmachung im Deutschuntericht gehört hat. Scheinbar hat Helene da in der Schule nicht zugehört. Man ist mit 16 villeicht noch nicht ganz erwachsen, jedoch schon alt genug um zu seinen Fehlern stehen zukönnen und auch deren Tragweite ermessen zu können. Wer “echt” sein will muss das ganz alleine schaffen, ohne Hilfe von anderen oder anderem.

  • jezebelle sagt:

    Zum Vergleich Axolotl/ Unter dem Vulkan
    Ich halte es nicht für hiermit zweifelsfrei erwiesen, dass H.H. die Passage wirklich mit vorliegendem Quelltext kopiert,leicht umformuliert und für ihr eigenes Werk adaptiert hat. was ich mir vorstellen könnte, wäre dass sie die ursprünglichen Formulierungen – vielleicht sogar völlig unbewusst – angesichts ihrer verbal-dramatischen Ausdrucksfähigkeit und ihrer Eindrücklichkeit unterschwellig verinnerlicht hat und sie ihr dann beim Versuch der sprachlichen Darstellung ähnlicher Zu- oder Umstände in den Kopf kamen, ohne dass sie sich dazu noch des eigentlichen Urhebers oder der Existenz ihrer “externen Quelle” wirklich bewusst war. Man weiss es nicht …

  • Martin A. Hainz sagt:

    Naja, es ist eines, intertextuell mit anderen Texten zu arbeiten (das tat Thomas Mann, das tat ironisch Umberto Eco, das tat dekonstruktiv Paul Celan, …); und etwas anderes, einfach abzuschreiben.

    Hier geschah ja offenbar bloßes Abschreiben. Die Qualität der Intertextualität wurde freilich bislang in dem Fall leider kaum diskutiert — aber angesichts des einseitigen Ausweisens bloß bekannterer Texte und der Entschuldigung, die dann mit einem diffusen Authentizitätsbegriff daherkommt, bin ich skeptisch, ob man da viel erwarten dürfe.

    Oder?

  • nochmal im vergleich - unter dem vulkan/axolotl roadkill sagt:

    @jezebelle: zweifelsfrei erwiesen ist natürlich nichts, einzelne formulierungen prägen sich schonmal ein. andererseits würde es mich nicht wundern, wenn das ganze buch aus bewußt paraphrasierten sätzen besteht.

  • Kaplitz-Pittkowski sagt:

    Ironie der Sharing-Kultur: Schon am letzten Donnerstag (4.2.), fast gleichzeitig mit dem Beginn der Affäre, wurden in den Ebook-Foren boerse.bz und YourWire Download-Links für “Axolotl Roadkill” gepostet. Der Unterschied: Dort ist man ehrlicher und versucht nicht, sich selbst als Urheber auszugeben…

  • Sybille Nord sagt:

    Wisst ihr, welche Entschuldigung ich – von Seiten des Verlags – für adäquat und angebracht halten würde?
    Ullstein sollte die Rechte von Airens Roman aufkaufen und “Strobo” neu verlegen! Und ebenso die Werbetrommel rühren, wie man es bei der Inszenierung Hegemanns getan hat und tut.

  • nochmal im vergleich - unter dem vulkan/axolotl roadkill sagt:

    @Sybille Nord: genau – und gleich im doppelpack zum preis von einem verkaufen ;)

  • Esther sagt:

    Man sollte bei dieser Diskussion nicht außer acht lassen, dass es schnell zu sog. ungewollten Plagiaten kommen kann. Man liest etwas, vergisst es mehr oder weniger explizit und irgendwann kommt es aus den Tiefen des Unterbewußtseins hochgeschwappt.

    Ob das bei dieser Dame auch der Fall war, vermag ich nicht zu beurteilen. Doch sollte der Urheberrechtsschutz nicht dermaßen eingeengt werden, dass man sich ggf. auf “Hexenjagd” begibt nur weil ein paar Worte oder eine Idee weitergesponnen werden.

    Das Internet erlaubt eine sehr strenge Kontrolle, die früher nie in dieser Art möglich war. Ob das der Kreativität so gut tut – möge jeder für sich selbst entscheiden.

    BTW: Plagiate sind so alt wie die Menschheit. Doch haben früher weniger Hähne danach gekräht: einfach weil es nicht bzw. noch nicht um Vermarktung ging.

    Ein schwieriges Thema.

  • dolores sagt:

    an Esther und die anderen, die dem Unterbewußtsein zuviel Macht zuordnen:
    Es geht nicht um “ein paar Worte”, es geht auch nicht um Ideen, es geht darum, daß ganze Passagen, daß (mindestens ein) Liedtext etc. geklaut wurden! Es geht darum, daß Frau Hegemann behauptet, daß Airen-Buch gar nicht zu kennen, aber es von Papi bekommen hat.
    Das Thema ist gar nicht so schwierig – Fragt doch mal einen Anwalt dazu.

  • Leser sagt:

    @Spooky
    “Über die Verantwortung einer jungen, begabten Autorin, die mit der “sharing”-Kultur des Internets aufgewachsen ist, mag man streiten”
    schreibt z.B. die Verlegerin, Dr. Siv Bublitz .

    An welche Definition sie dabei gedacht hat, ist mir auch schleierhaft, genau das wollte ich mit meinem Post ausdrücken.
    Es gibt für die gemeinsame, bewusst nichtkommerzielle Benutzung bereitgestellte und explizit gekennzeichnete Inhalte, wie z.B. Opensource. Ich denke, das ist die Art von “Sharing”, die sich als Kultur verstehen kann.
    Diese Romantisierung wird hier meiner Meinung nach völlig zu unrecht als herangezogen, um das Vorgehen der “Autorin” zu verharmlosen.

  • schuehsch sagt:

    @Martin A. Hainz
    Intertextualität kann auch abschreiben sein, ganz eindeutig. Und Sie hat ja auch nicht immer 100%ig abgeschrieben, sondern etwas abgewandelt etc. Sie hat ja nun zugegeben, dass das bewusst war, rein theoretisch hätte es ja aber auch unbewusst passieren können. Insgesamt, glaube ich, ist ihr Buch intertextuell sehr spannend – was aber normal für AutorInnen unserer Zeit ist (siehe Stuckrad-Barre und Konsorten) – und so eigentlich nichts besonderes.

  • Digger sagt:

    In dieser bisher geführten Diskussion, scheinen einige Begrifflichkeiten zum jeweils eigenen Denken, Argumentieren und dem eigenen Weltbild entsprechend zerbröselt, angepasst und zu Kampfworten aufgebauscht zu werden.

    - Es wurde schon immer überall geklaut

    Irgendwer sagte hier, dass jeder Autor doch sowieso irgendwo bei irgendwem klaue und dass das eben schon immer so gewesen sei.
    Wer hat bitte geklaut?
    Was hat derjenige geklaut?
    Wo hat er es geklaut?
    Bitte nicht nur leere und lauwarme Worthülsen in den Raum blasen, auch Tatsachen benennen. Und bitte keine Klamotten von Annodazumal, sondern bitte mit Rang und Namen aus der Jetztzeit.
    Ideen bzw. Genres und deren jeweils etablierte Herangehensweisen sind nicht unbedingt (!) stehlbar, jedoch deren Umsetzung. Und Umsetzung bedeutet für mich die Transkription eines Bildes, eines Gedanken in den vollkommen subjektiv eingefärbten Code der Sprache.
    Der Code ist open Source und Allgemeingut, also nicht rechtlich schützbar, den sonst würden wir alle hier gerade voneinander Wort für Wort klauen. Aber das subjektive Element der Sprache, die Benutzung von alten Worten in neuem Zusammenhang und dem Schaffen neuer Worte und das entsprechende Zusammensetzen in kohärente Gedankengänge (Sätze, Absätze und am Schluss der Roman selber) ist nach meinem dafürhalten ein stehlbares Gut, da mit dessen Erschaffung ein langwieriger Prozess einhergeht, der an die Substanz und die Ressourcen eines Schaffenden geht.
    Wer also komplette Gedankengänge, Sätze, Absätze kopiert (Originalaussage Helene Hegemann) der begeht einen Diebstahl.
    Und der ist in diesem Falle nachweisbar.

    - Sharing und Internetkultur und Intertextualität

    Sharing bedeutet teilen bzw. gemeinsam im beiderseitigem Einverständnis nutzen. Wo war das Einverständnis des Autoren bzw. dessen Verlages bei der „Erschaffung“ von Axolotl? Ist ein Blog direkt ein Teil der „Kostenloskommune“, die sich parasitär nicht nur im Internet, aber dort besonders schlimm ausbreitet? Ich persönlich empfinde den Luxus frei verfügbaren Wissens, das jederzeit abrufbar ist als das eben das: Einen Luxus, ohne den ich nicht mehr leben möchte. Aber sobald ich dieses Wissen gewinnbringend einsetze erwähne ich auch ohne darüber nachzudenken, woher ich dieses Wissen bezogen habe. Das gilt im Alltag („Hab´ich bei Wiki letztens gefunden. Geil, wa?“) aber ganz besonders in einem Bereich, wo dieses Wissen der Gewinnerzielung und / oder der Gewinnmaximierung dient.
    Wie würden denn all die hier versammelten Gutmenschen reagieren, wären sie an Airens Stelle? Wären sie mit ein paar eingestreuten eigenen Worten des Kopierers einverstanden und würden sich schön still im Hintergrund halten???
    Wer einen Roman veröffentlicht will dafür Kohle sehen, schließlich hat er (Lebens)Zeit, Geld und Arbeit darin investiert. Jeder, der jetzt mit der linken Blümchenphilosophie eines freien Schaffers für freie Leser daherkommt ist ein Heuchler, weil gerade die Generation, welche diese Revolution angefacht hat, heute mit Nadelstreifen in den Vorstandsetagen der Konzerne sitzt, oder als altgedientes Parteimitglied an den Hebeln der Macht und nicht gerade am Hungertuch nagen muss.
    Und in diesem Punkt hat HH zudem selber zugegeben, zumindest eine komplette Seite des Romans ohne Änderungen (!) abgeschrieben zu haben, den Airens Blogspots sind nie und nimmer lang genug, um eine Seite zum Abtippen herzugeben.
    Außerdem sieht man den Einträgen des Blogs an, dass sie niemals einfach nur freie Gedanken sind, die sich Hinz und Kunz mal eben so zum Kohlescheffeln aneignen darf.
    (Anbei, ich habe den Blog selber schon vor mehr als einem Jahr gefunden und mehr oder weniger regelmäßig darin zu lesen. Auch ich wollte wegen einem geplanten Projekt ein Gefühl für diese Art Leben bekommen. Da es aber nicht zum Projekt gekommen ist, ist meine geplante Anfrage an Airen hinfällig :-/ Dennoch, wäre es dazu gekommen, hätte ich gerne intensive Gespräche mit ihm geführt um tiefer in die Materie einzudringen und ihn ohne weiter darüber nachdenken zu müssen (!) als Recherchequelle genannt. Das nennt man ganz salopp schriftstellerisches Handwerk und Respekt.)

    - Das Alter der Autorin und ihre schlimme Kindheit …

    … sind keine Entschuldigung für bewusstes Kopieren der Werke anderer. Ich konnte diese Jammerlappenphilosophie schon bei den ersten DSDS-Kandidaten nicht mehr hören, mag sie überhaupt nicht bei Straftätern, die damit ihre schlimmsten Vergehen zu erklären versuchen und bei jemandem, der schon soviel Erfahrung im Betrieb der „Kulturschaffenden“ hat erst Recht nicht.
    Selbst ich, der „bildungsfern“ groß geworden ist, wusste schon mit 12 Jahren, dass mein vierter Teil des Herrn der Ringe nicht unbedingt ein Griff in den goldenen Sahnetopf war und ich mir jede Menge Ärger einhandeln würde, sollte ich damit an die breitere Öffentlichkeit gehen. Dafür hatte ich ihn eigentlich auch nicht geschrieben, dennoch war mein Unrechtsbewusstsein schon entsprechend ausgeprägt. Zu dieser Zeit war es übrigens üblich, sich Filme aus der Videothek zu leihen (nie unter 10 Stück am Wochenende) und dann freitags, samstags und sonntags am Stück für Freunde, Verwandte, Bekannte, Nichten und Neffen zu kopieren.
    Der Vorläufer der heutigen „Sharingkultur“?
    Ein erster Auswuchs des Urheberrechtsexes?
    Anderswo (Montsegur-Autorenforum) erwähnt eine Autorin, die lange Zeit im Jugendstrafvollzug tätig war, dass sie bereits jüngere Kids gesehen hat, die für gleichartige Vergehen mit Geldstrafen, Arbeitsstunden- und / oder Jugendknast „bedient“ wurden.
    Gilt unser Recht also nicht für Kinder aus „gutem Hause“?
    Wie passt dass denn in die linke Gutmenschenblümchenphilosphie, welche die Sätze eines anderen durch das Hinzufügen einer handvoll eigener Worte direkt zu kulturellem Freiwild macht? Sind die jugendlichen Straftäter mit schlimmer Familie nicht auch auf einem Rebellionstrip ins coming-off-age, welches sich durch Kreditkartenbetrug, Diebstahl und ähnlichem äußert??

    - Das ist die neue Art der Kunst

    Dem Redakteur, der das geschrieben hat, möchte ich mal ins Blauauge schauen, wenn er innerhalb von 2 Jahren Nachtarbeit einen Roman schreibt, den nicht adäquat an den Mann (Verlag) bekommt und dann jemand total fremdes (am besten noch ein Hartz-IV Empfänger ohne Zähne im Gesicht und mit Sonderschulabschluss “Achtung! Das war eine bewusste überspitzung!”) seinen Roman plötzlich wie eine kulturelle A-Bombe in die jeweiligen Feuilletons pfeffert und mit Geld, Ruhm und Interviews überhäuft wird, während er, der Herr Redakteur, wie ein geprügelter und total vor den Kopf gestoßen in seinem Büro sitzt.
    Ist das dann auch ok?
    Frau Hegemann hat nämlich nicht nur im I-Net (dem Blog) abgekupfert, sondern offenbar auch im Buch selber.
    Aber derartige Rückruderundargumentezurechtlegaktionen sind von jemandem ja auch zu erwarten, der sich selber fleißig am Hype beteiligt hat, nicht wahr?

  • dolores sagt:

    Eine weitere Verharmlosung in der Presse:
    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/2287518_Plagiatsvorwuerfe-an-Hegemann-Mieter-im-eigenen-Kopf.html

    Soll sich doch jeder freuen, wenn eine junge talentierte Frau kommt, und die Sätze besser macht!
    Ich glaube, der Mann bei der FAZ hatte sowas in der Art abgesondert, daß bei Strobo ja keine Tiefe da war…

    Merkwürdig ist nur, daß viele Leser bei Amazon nicht so begeistert waren – und das sogar vor der Entlarvung.

  • Philipp sagt:

    Wenn man die Amazonzahlen (Platz 52) anguckt, hat Strobo indirekt von der Sache ja gut profitiert

  • schuehsch sagt:

    @Digger
    Für “immer überall klauen” will ich nur 4 Beispiele nennen. Mehr halte ich nicht für notwendig und verweise für Interessierte nur auf den Begriff “Intertextualität”, der in der Literaturwissenschaft häufig verwendet und erklärt wird.

    1. Günther Grass hat in “Katz und Maus” mehrere Sätze wortwörtlich aus “Wanderer kommst Du nach Spa…” von Heinrich Böll übernommen.
    2. Benjamin von Stuckrad-Barre sampelt in seinen Büchern gefühlt alles (sorry, dass ich da jetzt nicht ins Detail gehe, aber es geht um mehrere Filme, Lieder, Bücher…) und hat ja auch einies seiner Bücher “Remix” genannt, was sehr schön auf diese unendlichen Popkulturellenbezüge verweist.
    3. Nicht ganz so aktuell, aber sicher allen bekannt: Marl May hat nie einen Indianer gesehen. All sein Wissen über deren Aussehen, Kultur etc. hat er aus anderen Büchern (vor allem Reiseberichte) und Vorträgen.
    4. “Die neuen Leiden des jungen W.” vs “Die Leiden des jungen W.” nicht nur die Titel, auch viel vom Inhalt hat Plenzdorf bei Goethe abgekupfert.

    Natürlich kann man sich immer darüber streiten, ob es sich um Diebstahl oder Inspiration handelt und damit ist man bei der Frage, ob denn eine kreative Einflechtung bzw. Verarbeitung oder eben nicht vorliegt. Und ob das hier geschehen ist, weiß ich nicht, weil ich beide Bücher um die es hier geht, nicht gelesen habe.

  • Esther sagt:

    Das Unterbewusstsein ist gerade in Zeiten des Informationsüberflusses nicht zu unterschätzen.

    Ich kann mir über Frau Hegemann kein Urteil erlauben, weil ich nicht weiß, was von der derzeitigen Berichterstattung nun richtig ist und was nicht. Jedenfalls habe ich in den letzten Jahren den Medien zu misstrauen gelernt. Einfach aus meiner Erfahrung heraus bei Interviews oder Ereignissen dabei gewesen zu sein und dann die Berichte dazu gelesen zu haben.

    Somit kann eh alles was ich schreibe nur hypothetischer Natur sein. Sollte sie “abgeschrieben” haben – so hat sie abschreiben möglicherweise nicht besonders gut gelernt. Denn wer von uns hat nicht schon einmal abgeschrieben?

    Mit meinem Kommentar wollte ich nur auf die mögliche Gefahr hinweisen, die durch zu enge Maßstäbe (sowie deren Durchsetzung – die sich nicht jeder wird leisten können) von Copyright und Urheberrecht – entstehen können.

    Wann fängt Inspiration an? Wann hört sie auf und wandelt sich zu “Diebstahl”? Keine einfache Entscheidung – wie ich finde. Sollte sie diesen Blog in ihre Danksagungen aufnehmen fände ich das in Ordnung.

    BTW: Ich schreibe auch. Nur für mich. Bei manchen Kurzgeschichten habe ich erst Jahre später bemerkt, dass ich eine Idee oder eine Formulierung von einem anderen Autor aufgegriffen habe. Manchmal bewußt, viel öfter unbewusst. Vielleicht ist das bei Frau Hegemann anders. Vielleicht auch nicht.

    Wir waren nicht dabei.

  • Digger sagt:

    @schuehsch

    Hallo schuehsch,
    das sind sehr schöne Beispiele, jedoch (ich kann mich irren!) hat Grass mit Erlaubnis Bölls und / oder des Verlags gehandelt. Stuckrad-Barre verweist meist bereits im Kontext seiner Texte auf die spielerische Umsetzung dieser Bezüge und auch Karl May hat nicht Wort für Wort aus fremden Büchern abgeschrieben und diese Sätze dann mit ein paar eigenen Worten erweitert.
    Letzerer ist übrigens wegen Plagiats (damals noch als Betrug geahndet) mehrfach vor Gericht gewesen. Goethe ist inzwischen (leider) zum Allgemeingut verkommen und wird auch in ziemlich freier Interpretation auf freien Bühnen und reichlich modern (um nicht zu sagen abstrakt) wiedergegeben.
    Bei den meisten der von dir genannten kann man keine Leistungen in Form von Geld mehr anbringen, wenn man sie als Inspiration nutzt, es fließt jedoch i.d.R. Geld an Verwertungsgesellschaften, Hinterbliebene / Nachkommen oder die Bezüge sind eindeutig als solche zu erkennen.
    Ein gutes Beispiel ist Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ und Morricones Musik dazu.
    Oft kopiert, drangsaliert, parodiert … aber stets mit einem klar erkennbaren Bezug und immer, selbst bei den wüstesten Verballhornungen, mit einer augenzwinkernden Verbeugung vor der ursprünglichen Leistung des Originals!

    Bei Axolotl jedoch sind weder Einverständnisse, Absprachen, klare Bezüge, respektvolle Verneigungen oder Geld im Spiel gewesen. Im Gegenteil, da es sich bei dem Buch von Airen ja um einen Nobody aus einem „Wurstelverlag“ handelt, der keine große Rechtsabteilung sein eigen nennt und viele der Passagen die abgetippt wurden zudem vorab im Blog des Autoren erschienen sind, ist also das intertextuelle und remixte sampletexten von Helene Hegemann in Ordnung?

    Ich wünsche niemanden etwas böses und habe ja auch bereits explizit gesagt, dass ich hoffe, dass HH aus diesem Mist so unbeschadet wie möglich herauskommt. Aber die arrogante Unaufrichtigkeit in ihrer Entschuldigung und die pseudointellektuelle Dünnsülze, die sie zu ihrer Erklärung / Entschuldigung hinterher abgelassen hat, lässt in mir den Verdacht hochkommen, dass sie ganz bewusst das getan hat, was hier angeprangert wird.
    Zudem sind mir ihre Worte in den Interviews (vorher und nachher) irgendwie nicht so klangvoll, wie die in ihrem Buch (das ja eigentlich nicht so ganz von ihr ist)

    Es geht (mir) ja auch nicht um Ideenklau oder Hexenverfolgung gegen Fräulein Hegemann oder Häme. Letzere ist von meiner Seite aus ganz bewusst gegen das großspurige Feuilleton gemünzt, dass sich auf seinem Elfenbeinturm verkriecht und sich in Sachen Schadensbegrenzung auch noch seinem letzten Rest Glaubwürdigkeit beraubt.

    Was HH selber betrifft:
    Wer so offensichtlich (und bewusst!) neben der Spur des guten Benehmens und eines unausgesprochenen Gentlemans Agreement rennt und dass dann hinterher (wohlgemerkt zu dem Zeitpunkt, als das Kind bereits aus dem Brunnen rief!) auch noch mit einer Mischung aus kindlicher Unschuld und neuer Kunst halbwegs geraderücken will … *kopfschüttel*

    Ich bleibe dabei:
    Meine Worte(ich stelle sie mal als komplette Passagen dahin) hier im Blog sind auch keine Freeware. Die habe ich mir selber zurechtlegen müssen und ich hätte es schon gerne, wenn ich vorher wüsste wo sie 1:1 oder auch nur leicht verwässert wiederzufinden sind ;-)
    Meine Ansichten und Vergleiche (ich setze das jetzt mal als Genre und seine spezielle Herangehensweise / Umsetzung dahin, damit der Vergleich stimmt) hingegen kann sich jeder gerne nehmen der möchte.
    Jetzt möchte ich dich aber fragen, schuehsch, ob du es gerne sehen würdest, wenn deine Worte hier im Blog, garniert mit ein paar neuen Worten, plötzlich in einer Zeitung stehen und der entsprechende Redakteur dafür Zeilengeld bekommt?
    Würdest du nicht auch sagen:
    „Moment mal! Das habe ich so gesagt, aber ganz genau so!“
    ???
    Verstehst du was ich meine?
    „Die Arena“ von Stephen King ist nicht neu.
    Die Simpsons mussten schon mit so einem Phänomen fertig werden und vor ihnen auch noch einige andere Romanhelden (mir fallen gerade die Titel nicht ein) Aber nirgendwo in Kings Buch, auf keiner der 1278 Seiten findest du auch nur eine einzige Passage … ach was … auch nur einen Satz, der so auch schon mal anderswo, in der gleichen Form, im gleichen Kontext gestanden hat, damit er zusammen mit seinen Kollegen und Kolleginnen aus den Abteilungen Absatz und Kapitel einen Gewinn erwirtschaftet ;-)

    Das ist das Problem mit diesem Skandal.
    Helene Hegemann hat sogar selber zugegeben, eine komplette Seite von Airen abgeschrieben zu haben um “mit ihm in eine Art von Kommunikation zu treten”.
    Was ist das für eine Kommunikation?
    Eine Mail, ein Kommentar, eine Frage an den Autoren selber … DAS ist Kommunikation.

    Airens Blog habe ich nie als Kommunikationsmittel oder Wortquelle verstanden, sondern direkt gespürt, da kommt noch mehr. Selbst wenn nicht, hätte ich zum Start meines geplanten Projekts mit ihm Kontakt aufgenommen (nicht zum kopieren oder so, aber um mehr und tiefere Informationen zu erfahren) und ihn dann auch entsprechend erwähnt und gewürdigt.
    Sein Genre war das, was ich selber ins Auge gefasst hatte, was mir aber letztendlich zu sperrig für mich erschien.

    HH hat es sich nach meinem Gefühl zu leicht gemacht. Unbekannter Blogger, noch unbekannterer Autor in einem Kleinverlag … wer will da schon was merken?

    Und das klage ich an.
    Das hat nichts mit intertextualität zu tun, sondern mit Faulheit seine eigenen Worte zu finden.
    Ich glaube ganz fest daran, das HH ihren Weg machen wird (dafür ist sie schließlich clever genug), aber das hier war ein derartig arroganter faux pas, dafür hat sie Strafe 8und sei es Häme, auch wenn ich das viel zu hart finde) verdient.
    Adäquat wäre es, wenn Ullstein Strobo ins Programm aufnimmt und ihn zusammen mit Axolotl im Doppelpack verkauft. die Tantiemen dann 2/3 Airen, 1/3 HH, die ihren Teil einer wohltätigen Organisation spenden muss.
    Anschließend Schwamm drüber und zurück ans Schreibprogramm und was eigenes ausgedacht.

    Denn das kann sie bestimmt, auch ohne abtippen!

    Beste Grüße (auch an HH sollte sie das hier lesen)
    und ein nochmal ein hähmisches Lachen an die leiben Föllentonisten auf ihrem Elefenbeintürmchen *kicher*

    Digger ;-)

  • [...] besteht aber ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Remix und einem Plagiat. Deef : Schön, dass sich Hegemann entschuldigt hat. Was sie aber nicht versteht oder verstehen will ist, [...]

  • wtj sagt:

    @Esther
    Die Textübereinstimmungen sind doch deutlich, da kann die Berichterstattung recht wenig verfälschen. Schön, dass du auch schreibst, dann kannst du das noch besser nachvollziehen: Es geht nicht um die generelle Idee, auch nicht um einen speziellen Gedankengang, noch um besondere Wortschöpfungen oder Formulierungen, es geht um ganze Sätze. Ist es dir schon vorgekommen, dass ein halber Absatz in deinem Unterbewussten blieb, den du dann Wort für Wort wieder zu Papier gebracht hast ohne an die Herkunft zu denken?
    Das kann ich mir nicht vorstellen.

    Es geht hier nicht mehr um Inspiration, sondern um das Nicht-Zitieren, das (wahrscheinlich wissentliche) Ausgeben fremder Texte als die Eigenen. Selbst eine Danksagung tut es da nicht, es muss jedes Zitat als solches gekennzeichnet werden und das sind keine zu engen Maßstäbe. Millionen von Menschen halten sich daran, bzw. bekommen einen auf den Deckel wenn sie es nicht tun, und ich soll hier eine Ausnahme machen, weil ich vor über einem Jahrzehnt mal mit schlechtem Gewissen eine Hausaufgabe abgeschrieben habe und Frau Hegemann doch so unwissend ist?

    Natürlich mache ich keine Ausnahme, das wäre eine Beleidigung aller ehrlichen Autoren und Schüler und ungerecht.

  • Esther sagt:

    @wtj: Dank Dir für Deine Worte. Mir geht es gar nicht darum Frau Hegemann zu verteidigen noch darum zu bewerten/beurteilen, was in diesem Fall WIRKLICH gesehen ist und was nicht.

    Mir geht es vielmehr darum einige meiner Gedanken hier zu hinterlassen, die eben noch nicht geschrieben worden sind. Was ich als Autorin veröffentlichen würde und was nicht – das weiß ich genau. Was meine Definition von geistigem Diebstahl ist – auch.

    Allerdings hinterfrage ich meine Ansichten auch immer wieder unter den jeweils geltenden Kontext. Ich bin fast 40 Jahre alt. Noch zu einer Zeit aufgewachsen als Abschreiben nicht so einfach war, wie heute. Die Zeiten des Internets haben hier sehr viel verändert.

    Ich frage mich einfach – auch wenn mir das natürlich nur unzureichend gelingen mag – wie ich ggf. als heute 16 bzw. 17jährige über Dinge wie “Abschreiben aus dem Internet”, Download von Bildern, Texten, Videos und Musik, etc.pp. denken würde und könnte.

    Da erinnere ich mich an die entsetzten Blicke von Gleichaltrigen meiner Generation, die mich “verurteilten” weil ich noch CDs, DVDs und Bücher kaufte obwohl sie doch frei im Netz verfügbar seien. Selbst noch zu Zeiten als die Strafverfolgung diesbezüglich stärker einsetzte. Und diese Blicke erntete ich gerade von Menschen aus der Mittelschicht. Merkwürdig, oder?

    Texte zu klauen finde ich nicht o.k. Was in diesem Fall wirklich gelaufen ist, weiß ich nicht. Wie die Umstände und das Aufwachsen der Frau Hegemann verlaufen ist – weiß ich auch nicht. Ich weiß ja nicht mal, ob sie das Buch wirklich selbst geschrieben hat oder nicht. Oder wie wichtig das Schreiben für sie ist. Oder ob sie einfach ihrem Vater imponieren wollte. *schulterzuck*

    Eine wirklich Meinung kann ich mir ohne diese Informationen nicht bilden.

    Wenn aber jedes Zitat in einem Roman gekennzeichnet werden müsste, dann würde das Schreiben zu einer wissenschaftlichen Domäne. Für mich dient das Lesen und das Schreiben eher der Unterhaltung – ggf. auch als Denkanstoß – und weniger einem wie auch immer gearteten Erkenntnisgewinn (z.B. durch Zitate).

    Zu Deiner Frage: Ja mir ist ähnliches schon passiert, dass ich Sätze fast wortwörtlich generierte aus dem Unterbewusstsein. Nicht sehr oft – aber in überraschend unheimlicher Übereinstimmung.

  • wtj sagt:

    @Esther
    “Ja mir ist ähnliches schon passiert, dass ich Sätze fast wortwörtlich generierte aus dem Unterbewusstsein. Nicht sehr oft – aber in überraschend unheimlicher Übereinstimmung.”
    Gut, für Sätze glaube ich das. Das wird sich im Nachhinein auch mit einem “Ja, XYZ habe ich gelesen” erklären lassen und sich auf sehr wenige Sätze beschränken.

    Ich weiß zwar nur über einen Kumpel, wie sich für einen 16-18-jährigen die Situation heute darstellt, aber es ist noch so wie es Ende der 90er war, als das ganze WWW an Fahrt aufnahm: Kinofilme auf CD etc. und Kopien davon sind illegal. Wer Absätze aus der Wikipedia als Hausaufgabe abgibt, bekommt Ärger. Wer was Nettes im Netz gefunden hat und evtl. selbst verfremdet hat, verweigert nicht den Link zum Original. Ebenso ist das Verkaufen von Kopien immernoch eine völlig andere Qualität und ich glaube ich kenne niemanden, der das jemals gemacht hat.

    Downloaden/Tauschen hat sich wohl auf breiter Front etabliert (wird in meinem Umfeld durchaus kritisch betrachtet), aber Verkaufen niemals. Nichtmal auf den Tauschbörsen-Webseiten, die immer für das ungebremste Verteilen eintreten. Da ist Frau Hegemann einfach völlig über die Stränge geschlagen.

    “Wenn aber jedes Zitat in einem Roman gekennzeichnet werden müsste, dann würde das Schreiben zu einer wissenschaftlichen Domäne. Für mich dient das Lesen und das Schreiben eher der Unterhaltung – ggf. auch als Denkanstoß – und weniger einem wie auch immer gearteten Erkenntnisgewinn (z.B. durch Zitate).”
    Es geht doch um die Umsetzung von “Ehre, dem die Ehre gebührt”¹. Wenn mein Roman durch viele kleine Ziffern zerhackstückelt würde, dann kauften die Leser zu Recht lieber die Bücher, wo ich die Sachen herhätte. Wir reden auch nicht über einen Groschenroman mit Retorten-Story, sondern es soll was hochqualitatives sein.

    Schlimm finde ich die Zeichen für die Lesbarkeit nicht: Ich wurde bei Terry Pratchett, wo dutzende solcher Kennzeichnungen wegen Fußnoten auftauchen wunderbar unterhalten.

    ¹ in diesem Fall Paulus – Röm.13,7

  • [...] Axolotl Roadkill Part II – Autorin entschuldigt sich [...]

  • PS-Reporter-PS sagt:

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine junge Autorin,
    die (erfolgreiche) Bücher schreibt, (noch) nicht weiß, dass
    man nicht einfach von anderen Autoren abschreiben kann,
    Wort für Wort – und lange Passagen. Hier im Blog lese ich,
    dass die junge Frau gesagt haben soll, sie würde (auch) ihre
    Freunde beklauen. Mit dieser Einstellung ist es nicht sehr überzeugend, dass sie ***unwissend*** anderer Leute Texte übernommen (und gut damit verdient) hat.

  • Emilia Ragems sagt:

    Der Ullstein-Verlag ist schon irgendwie niedlich: »Über die Verantwortung einer jungen, begabten Autorin, die mit der “sharing”-Kultur des Internets aufgewachsen ist, mag man streiten.« Das hätte ich gerne umgekehrt gesehen. Was hätte der Ullstein-Verlag denn gesagt, wenn es im SuKuLTuR-Verlag einen entsprechenden Fall gäbe? Dann würde wieder Sodom und Gomorrha ausgerufen und “das Internet” herbeizitiert, in dem die Verwahrlosung und Ausbeutung der Kultur überhand nimmt und das an sich als Medium furchteinflößende Monstren wie Google gebiert, die die kleine, machtlose Verlagswelt zu verschlingen drohen.

    Ich stimme desweiteren Herrn Hainz vollinhaltlich zu: Hegemann ist sich bewusst, dass sie zitieren muss, tut dies aber offenbar nur bei Medien, wo sie meint, das tun zu müssen: Buch muss zitiert werden, Blog nicht. Gedicht muss zitiert werden, übersetzter Songtext nicht. Oder sie kennt einfach den Unterschied zwischen wörtlichem und vergleichendem Zitat nicht. Hätte sich Hegemann mit der “sharing-Kultur” auseinander gesetzt, dann wüsste sie, was es bedeutet, eine Bearbeitung zu machen und dass auch eine Übersetzung eine Bearbeitung bedeutet. Überhaupt fällt es mir persönlich mehr als schwer, das trotzige Gehabe einer 17-Jährigen derart ernst zu nehmen, wie das derzeit zum Teil getan wird.

    Hegemanns mangelnde Medienkompetenz hat aber dann bitte auch nichts mit “dem Internet” zu tun, sondern lediglich damit, wie selbst die Feuilletons mit diesem mehr als schwammigen Begriff umgehen: Es wird so dargestellt, als hätte nichts, das online steht auch nur irgendeine Form von Qualität. In diesem Sinne möchte ich abschließend noch verweisen auf Punkt Zwei in Thomas Ernsts Kulturrevolutionären Appell: »Für eine nüchterne und differenzierte Analyse der produktiven und problematischen Seiten des Internets. Gegen die pauschale Rede von ‚dem Internet’.« (Auch wenn die Aussage in sich etwas widersprüchlich ist.)

  • Martin A. Hainz sagt:

    Ohne Hegemann etwas unterstellen zu wollen: Es ist womöglich simpler; man könnte meinen, sie zitiere, wo die Wahrscheinlichkeit, ertappt zu werden, groß ist. Ein übersetzter Songtext, ein unbekannter Roman, das sind Quellen, wo die Wahrscheinlichkeit gering ist — außer, man hat das Glück (oder in diesem Fall: Unglück..?), daß die Leserschaft sehr groß wird und einer die plagiierten Passagen halt doch kennt.

    Sic transit gloria auctoris.

  • Steht die Qualität der Intertextualität wirklich zur Debatte? Mir ist nicht klar, inwiefern Intertextalität als bewusste inhaltliche Bezugnahme auf einen anderen Autor/eine andere Autorin überhaupt eine Rolle spielt. Mir scheint, gar nicht. Hegemann waren ihre Quellen wohl eher egal – bis auf ihr echtes Zitat? Aus demselben Grund halte ich auch Franzobels Klau (sowohl bei mir als auch bei den anderen) eher nicht für Intertexte. (Klar, ich suggeriere hier eine Bachtin-Intertextualität – aber alles andere ist doch langweilig hier zu vertreten, auch wenn ich selbst hinter radikaleren Theorien stehe – vielmehr ist es doch banal, auf welche Weise Hegemann mit dem Sharing-Begriff umgeht, das wäre es auch noch, wenn sie Foucault!, Barthes! Kristeva! schreien würde.)

  • Hoppla, in meinem Kommentar oben fehlt: @Kommentar von Martin A. Hainz.

    Es ist total peinlich, wie Verlag/Autorin/Feuilleton auf undifferenzierte und naive Weise von “sharing” reden. Sie haben offenbar noch nichts von Creative Commons gehört. Alle tun so, als muss Hegemanns Meinung “hip” bleiben, weil sie gestern noch hochgelobt wurde. Aber gegen die Google-Books-Maschine sind doch die meisten. Die Fälle sind durchaus vergleichbar. Der wirtschaftlich Schwächere wird ausgebeutet. Das ist doch kapitalistisch und kleingeistig.

    Wo geht es um die wirtschaftliche Schädigung von Airen (selbst wenn er mit einem Danke zufrieden ist – der Fall ist gesellschaftlich interessant, es ginge nicht um Airens Meinung zu Sharing)? Was sagt er zum kontextuellen Setting von Hegemanns Roman? Ist ihm das wichtig oder verstellt es? Was bedeutet ihm sein Roman? Klar, diese Fragen sind für Hegemanns LeserInnen nur interessant, geht es um Intertextualität. Mich interessiert nun Airen als Plagiierte und als Verfechterin der Sharing-Kultur (arbeitete wissenschaftlich über den Urheberrechtsbegriff/Intertextualität in Literatur und user generated content). Franzobel wurde von mir erfolgreich wg. Urheberrechtsverletzung verklagt – es war ein ähnliche Abschreibeverfahren wie Hegemanns. Schlimm war und ist, Sätze, Paraphrasen, lyrische Syntagmen bis hin zu ganzen Gedichten in einem völlig fremden und auch noch extrem befremdlichen inhaltlichen Kontext zu finden und bei einem Autor, den ich nicht leiden kann, weil ich meinen Plagiator für einen Todesarten-Vertreter (sexistisch) hielt, was dieser wusste, es war und ist mir bis heute widerwärtig, meine Sätze im fremden Satzphatasieuniversum zu sehen.
    Insofern hoffe ich, Airen kann wenigstens mit Hegemanns Text etwas anfangen.

  • Martin A. Hainz sagt:

    Die Qualität der Intertextualität könnte zur Debatte stehen, doch die mir bekannten Passagen und das, was dann von Hegemann als Erklärung abgegeben wurde, sprechen dagegen, daß der Text hier Relevanz gewönne…

    Übrigens dachte ich mir schon, daß M.B. Franzobel ins Gespräch bringen würde. Man kennt sich.

    ;-)

  • Ich finde es extrem naiv, die poststrukturalistischen IT-VertreterInnen herbeizuzitieren und ihre Theorie mit Sharing zu vermischen, ohne das kapitalismuskritische Argument (etwa Foucaults) heranzuziehen, ohne den eigentlichen Diskurs – ökonomischen – begriffen zu haben (nun gut, Hegemann ist noch jung und der Verlag – insofern relativiere ich meine obige Meinung – scheint sich intelligenter zu positionieren), der mit dem romantischen Subjektbegriff des Urheberrechts zusammenhängt.

    DIE OBERPEINLICHKEIT DES FEUILLETONS liegt darin, dass offenbar keineR der JournalistInnen kapiert, dass sie selbst genau das tun/sind, was sie den KritikerInnen von Hegemann anlasten. Sie sind geil auf ihren neuen Jungstar, wieder mal ein Fräuleinwunder muss her (Substitut des Geniebegriffs, der ja out ist, und deswegen muss ein neuer verkaufsförderlicher her), diesmal noch jünger als die anderen und dann setzen wir den Extremen doch gleich eines hinzu: vermeintlich übermäßig begabt, besser als der Rest (ich übertreibe ein klein wenig, bewusst). Hätten Sie Intertextualität begriffen, würden Sie die Konsquenz fordern: Sharing der Sprache, also angemessenes Sharing der Einkünfte und Tantiemen. Wenn Hegemann Größe hat, bildet sie sich ein bisschen weiter (z. B. Lawrence Lessig) und bietet Airen dann eine angemessene Abgeltung an. Dann hat sie gezeigt, dass sie die Sharing-Kultur verstanden hat.

  • britney sagt:

    ist das fräulein hegemann eigentlich schon prominentes mitglied in der piratenpartei? uff..

  • Kaplitz-Pittkowski sagt:

    Ein Beispiel für Hegemanns “da beraube ich total schonungslos … auch mich selbst” ist folgende Passage aus “Axolotl Roadkill”:

    “Hier ist gerade irgendeine SMS angekommen, von jemandem, der Stefan heißt und fragt, ob ich heute auch auf DER HOCHZEIT sein werde. Auf einer sich aus verdautem kapitalismuskritischen Material in eine Gruppe von durchgeknallten Lustspielgestalten entwickelnden Schwemmmasse. Was für eine motherfucking Hochzeit meint er denn? Ich hasse solche Nachrichten. Und was für eine Schwemmmasse?« »Scheiße.« »Was?« »Die Hochzeit.« »Sag doch mal kurz, welcher Stefan könnte sich im Besitz meiner Handynummer befinden?« »Ist das nicht dieser Nonsens-Schwank-Typ, in dessen Villa damals aus einem mir unerfindlichen Grund die Sprinkleranlage angesprungen ist, und später hat er sich dann auf dem Weg zum Schlachtensee aus dem Auto gelehnt und gesagt: >Entschuldigt dieses Scheißtestosteron, wir sind den ganzen Abend ohne Testosteron ausgekommen, und jetzt bricht es plötzlich so aus mir raus, sorry, echt?!« »Der könnte es natürlich sein.«”

    Diese findet sich (nur leicht verschieden, aber eingebettet in einen ganz anderen Dialog) hier: http://www.stylemag-online.net/2009/09/03/auf-entzug-klappe-helene-hegemann/

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