• Airens STROBO gelesen von Deef - alle Lesungstermine hier
Feb
24
2010

Charles Stross: “Die Kinder des Saturn”

Ich mag Science Fiction, vor allem wenn es sich um Dystopien, also düstere Zukunftsvisionen handelt. “Die Kinder des Saturn” (Partnerlink zu Amazon – und ja, der Heyne-Verlag vergaß ein Genitiv-”s” im Titel) von Charles Stross ist so ein Roman, der in einer unheilvollen Zukunft spielt. Das Sonnensystem ist inzwischen komplett besiedelt. Überall Raumstationen, künstlichen Biosphären und Außenposten. Weltraumaufzüge fahren von Planetenoberflächen ins All, Raumschiffe fliegen in den entferntesten Winkel unseres Sonnensystems. Jegliche Arbeit wird von hochentwickelten Robotern in Menschen-, Zwergen- und Tiergestalt erledigt. Der Haken an der Sache: die Menschheit, die diese intelligenten Maschinen baute, ist ausgestorben. Doch einmal programmiert, funktionieren die künstlichen Arbeiter, Sekretäre, Diener, Unterhalter usw. in einem streng hierarchischen System weiter, als sei nichts geschehen.

Die Protagonistin Freya ist eine Unterhalterin und Sexgespielin in Menschengestalt. Bildschön und so programmiert, alle Bedürfnisse ihrer Schöpfer zu erfüllen. Sie ist depressiv, denn ihre einzig wahre Liebe, den Menschen, gibt es nicht mehr und so schlägt sie sich als freie Tänzerin und Musikantin durch.

Ihr Leben ändert sich schlagartig, als sie in ein bedrohliches Komplott hineingezogen wird. Reiche Aristo-Roboter mit einem ganzen Hofstaat von Sklaven und Soldaten wollen den Status Quo von Abhängigkeiten unter den Roboter-Klassen zementieren. Absolute Macht wollen sie durch einen perfiden Trick erreichen. Es muss ihnen nur gelingen, einen neuen, ihnen hörigen, Menschen zu erschaffen. Denn dem müssen sich alle Maschinen gemäß Asimovs Robotergesetzen bedingungslos unterwerfen. Gegen diese Bestrebungen arbeitet die Replikationspolizei, die biologisches Zellmaterial zerstört, wo immer sie es findet.

“Die Kinder des Saturn” wirft ähnlich wie Geschichten von Philip K. Dick ethische und psychologische Fragen auf. En details beschreibt Stross, wie Freya sich einen Menschen herbeisehnt und mit welchen intensiven Gefühlen sie schon reagiert, wenn sie auf einen sehr menschenähnlichen Roboter trifft.  Der Leser fragt sich, kann eine Maschine lieben? Wie definiert man Emotionen? Sind auch wir Menschen alleine wegen der positiven Reaktion auf bestimmte Bilder die wir sehen und Pheromone die wir riechen, verliebt?

Knallhart ist die Hierarchie in Charles Stross Welt. Es gibt zwar freie Roboter wie Freya, die tun und lassen können, was sie wollen, aber das ist die Ausnahme. In den meisten Robotern steckt ein sogenannter Versklavungschip eines reichen Aristos. Der Chip macht seinen Träger gefügig, willenlos und glücklich zu dienen. Außer ihrem Tod fürchtet Freya deshalb nichts mehr, als überwältigt und versklavt zu werden.

“Die Kinder des Saturn” ist ein Science-Fiction-Roman, der interessante Denkanstöße über gesellschaftliches Zusammenleben und zwischenmenschliche Beziehungen gibt. Für meinen Geschmack übersexualisiert Stross dabei etwas, denn einige Szenen gleiten in banale Altherrenphantasien ab. Prickelnd bis gruselig sind dagegen die Aspekte des Herrschens und Unterwerfens, die an BDSM-Rollenspiele erinnern. Empfehlenswert für Science-Fiction-Freunde und eine Leseempfehlung für alle, die Bladerunner und iRobot mochten.

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Geschrieben von Deef in: Der ganze Rest | Tags: , |
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4 Kommentare

  • glamorama sagt:

    Kleine Besserwisserei: Bei Eigennamen (z.B. Saturn) wird das Genitiv-S gemäß Duden mittlerweile weggelassen:

    “die Kulturen des östlichen Europa”
    “die Kinder des Saturn”

    Das tut der Buchkritik aber keinen Abbruch :)

  • Deef sagt:

    “Die Kinder des Mond”. Super Sache bei Eigennamen.

  • bern sagt:

    Es heisst ja auch

    “Die Büchse der Pondora”, “Der Schrecken der Medusa”, “Die Kinder des Olymp”, ” Die Atmosphäre des Neptun” etc. (ohne s), jedoch “Pondoras Büchse”, “Medusas Schrecken”, “Olymps Kinder”, Neptuns Atmosphäre” (mit s).

    Heyne kennt sich eben aus ;-)

  • Deef sagt:

    “Pondoras Büchse”? Äh… ja. Genau. .-)

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