Ein Monster macht New York platt. Das ist der Plot von Cloverfield, zu deutsch “Kleefeld” (mehr hier und hier). Ich hatte mich darauf gefreut, den Film zu sehen, denn J.J. Abrams, der die bahnbrechende Serie LOST erfand, hat Cloverfield produziert. Und ja durchaus, er hat einen ganz sehenswerten Katastrophenfilm abgeliefert.
Verglichen mit LOST, selbst mit nur einer einzigen Folge LOST, ist Cloverfield aber leider ein recht farbloser Monstermovie, den man schnell wieder vergessen hat. Zwar ist die “Wenig-Schnitte-viel-Gewackel”-Handkameratechnik durchaus innovativ. Sieht aus, als würde die Blair-Witch-Kameracrew Godzilla dabei filmen, wie es in New York 9/11-mäßigen Rabatz macht. Das ist eindringlicher als zum Beispiel die stroboskopischen Schnell-Schnitt-Orgien “28 Days later” und “28 Weeks later”. Das macht aber den Missstand nicht wett, dass den Charakteren fast jeglicher Tiefgang fehlt.
Alleine das Telefonat, in der ein Hauptdarsteller seiner Mutter den Tod seines Bruders mitteilt, gibt dem Protagonisten die Möglichkeit etwas mehr zu zeigen als “AAAAAHHH!!! OOOOOHHHH!!!! SCHNNEELLLLL!!! RENNNN!!!”.
Die FAZ urteilt:
“Tatsache ist, dass der Film nicht halb so smart ist, wie er daherkommt, aber andererseits dann doch interessanter, als der Hype befürchten lässt. Bemerkenswert, geradezu einzigartig in der Filmgeschichte ist der Umstand, dass der Titel ‘Cloverfield’ nichts, aber auch gar nichts mit dem Film zu tun hat. (…) Verdammt smart also. Mit anderen Worten: der reinste Bullshit. Aber ganz offenbar funktioniert es.”
J.J. Abrams kann es mit der nächsten LOST-Staffel wieder gut machen. Und wenn man drauf steht, dann vielleicht auch mit dem im Dezember 2008 anlaufenden neuen Star Trek-Film, bei dem er Regie führt. Die Star Trek-Movies sind im Allgemeinen so mies, dass Abrams das Niveau nur heben kann.
Zu wissen, dass die Autoren und Abrams selbst bei Lost keinen Schimmer hatten, worauf das ganze denn schlußendlich hinauslaufen soll, hat mich stets gestört und ich habe schnell die Lust verloren (und Abrams bekam die Erlaubnis für die vierte Staffel bloß unter der Kondition, dass er die Serie zu Ende führen kann). Da mag ich lieber das Genie von JMS, der im Voraus weiss wie sich eine Serie über Jahre hinweg entwickeln und enden wird. :)
Dass Abrams irgendwann unterwegs die Inspiration flöten geht hat er ja schon sehr eindrucksvoll bei Alias bewiesen. Der Mann ist so versessen darauf, ständig neue Wendungen einzuführen, dass er sich selbst nicht mehr in all dem Chaos zurecht findet. Ich zweifle sehr daran, dass Abrams einen guten ST Film abliefern wird. Prequel hat schon bei Enterprise nicht funktioniert. Und Leonard Nimoy und dieser Kerl von Heroes reichen garantiert nicht, um Nicht-Fans ins Kino zu kriegen.