Jun
23
2010

Das kompakte Honorarfrei-Experiment

"Hilfe wir drucken das Internet" - S.26. der WELT KOMPAKT am 21.06.10 - Foto von Deef
Seite 26 der WELT KOMPAKT vom 21. Juni 2010

Am Samstag, dem 19. Juni 2010 erhielt ich eine Mail mit einer Frage und einem Angebot. Die Frage lautete:

Lieber Deef Pirmasens, wie würde es Ihnen gefallen, sich mit Gleichgesinnten einen Tag lang auf einem großen Abenteuerspielplatz frei auszutoben?

Zuerst dachte ich in den Mailverteiler der Micky Maus oder eines ähnlichen Kindermagazins geraten zu sein, aber das Angebot offenbarte den Absender und das wahre Anliegen:

…mit dieser Mail laden wir Sie ein, an einem Medien-Experiment teilzunehmen, das es bisher noch nicht gegeben hat. Für einen Tag [Anmerkung: den 30. Juni 2010] überlassen wir die WELT-KOMPAKT-Redaktion Schreibern, die ihre Texte sonst nur online veröffentlichen: Bloggern, Twitterern, Amazon-Rezensenten, Wikipedianern und Co. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie als einer der führenden deutschen Blogger bei diesem Experiment dabei wären.

Wow, dachte ich, sogar die Internet-Randgruppe der Amazon-Rezensenten fehlt nicht. Komisch allerdings, dass man welt.de- und Youtube-Kommentatoren nicht eingeladen hat. Ich verlor den Gedanken, weil ich vor Lachen meinen Monitor bespuckte, als ich las, dass mich die WELT KOMPAKT für einen der führenden deutschen Blogger hält. Im besten Fall kam das als Folge eines mangelhaft angepassten Serienbriefs zustande. Als “Gleichgesinnte” wurden mir u.a. Jeff Jarvis, Robert Basic, Sachar Kriwoj, Julia Stelzner und Hendrik Thoma angekündigt. Ob die wohl den gleichen Serienbrief bekommen haben? Immerhin, bei Robert Basic würde die Formulierung “führender deutscher Blogger” ja stimmen. Die letzten drei kenne ich nicht,  das muss aber nichts heißen und man möge mir verzeihen, ich bin mit der Wikipedia- und Amazonrezensenten-Szene nicht so firm.

All das zusammen und die geringe Vorlaufszeit von nur 11 Tagen verstärkten meinen Eindruck, dass es sich hier um eine nicht besonders durchdachte Aktion handelt. Also suchte ich Rat bei jemandem, der sich damit auskennt. Horst Müller, Medienprofessor an der Hochschule Mittweida und Blogger auf blogmedien.de hält das Medien-Experiment für eine reine PR-Aktion:

Ich kann da keinen Sinn erkennen. Einmal für die WELT KOMPAKT an sich: was wollen die da in Zukunft für Erkenntnisse draus gewinnen? Und auch für die beteiligten Blogger sehe ich keinen großen Zugewinn, außer vielleicht der etwas breiteren Öffentlichkeit bekannt zu werden.

Das klingt logisch, aber wer mag schon Blogger sein mit dem Gütesiegel “bekannt aus der WELT KOMPAKT”? Trotz allem möchte ich nicht, dass der Eindruck entsteht, ich fände die Aktion komplett schrecklich. Das stimmt nicht, denn ich hatte mich bis zu diesem Zeitpunkt köstlich amüsiert und hoffte schon, nächste Woche in der WELT-KOMPAKT-Redaktion z.B. neben einem Schüler zu sitzen, der vor kurzem noch eine Amazon-Rezension über Super Mario Galaxy 2 oder den Wikipedia-Artikel über den letzten Auftritt von Justin Bieber geschrieben hat, nun aber für das “einmalige Medienexperiment” einen Kommentar über die Bundespräsidentenwahl verfasst. Spannend!

Dann erfuhr ich auf Nachfrage, dass die WELT KOMPAKT zwar gerne meine Arbeitsleistung zur Befüllung ihrer Spezialausgabe hätte, dafür aber nichts bezahlen möchte. Ich als Freiberufler verlöre einen Tagessatz meines regulären Medienjobs – ein Minusgeschäft also. Komisch, dass mir die WELT KOMPAKT das zumuten möchte, dachte ich doch, man habe mich eingeladen, weil man mir eine gewisse Wertschätzung entgegenbringt.

Vielleicht ist meine Arbeit einfach nichts wert, zumindest nicht für Printmedien. Ist schließlich schon 16 Jahre her, dass ich für die Pirmasenser Zeitung über Gemeinderäte und Kleintierzüchter berichtete. Ich suchte eine Antwort beim Bundesverband Deutscher Zeitungsleger. BDZV-Chef Diemar Wolff schreibt hier:

In einem Wirtschaftsystem ist es üblich, dass Dienstleistungen einen Wert haben. Es kann nicht sein, dass diese Logik für Presseartikel nicht gelten soll.

Ich wollte das Zitat schon an die WELT KOMPAKT mailen, aber BDZV-Pressereferentin Anja Pasquay erklärte mir die Details: Der Verband vertrete grundsätzlich die Ansicht, dass redaktionelle Leistungen honoriert werden müssen, da es sich hier aber um ein Experiment handele, sei es etwas anderes. Frau Pasquay sagte:

Es ist ein Vertrag zwischen beiden Seiten und wenn die WELT KOMPAKT die zum Teil namhaften Autoren unentgeltlich für die Aktion gewinnt, ist das clever und geschickt.

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat nichts gegen so ein Experiment, solange es einmalig ist. Jan Jurczyk, einer der Sprecher von ver.di sagte mir:

Wenn die WELT KOMPAKT dies aber öfter oder gar regelmäßig tun sollte, dann müssen die Blogger ein Honorar nach den geltenden Vergütungssätzen bekommen. Sonst wäre es ein Honorardumping, was nicht zu tolerieren ist.

Dagegen findet Thomas Mrazek, Vorsitzender der Fachgruppe Online-Journalisten beim DJV und BJV, es auch in diesem Einzelfall unverschämt, dass den Bloggern kein Honorar angeboten wird:

Das muss bei so einer PR-Aktion auch einfach drin sein. Ich kann den Bloggern nur raten, das zu verlangen und wenn es kein Geld gibt, nicht mitzumachen und vielleicht darüber zu bloggen. Dann werden sich die Springer-Leute schon überlegen, ob das der richtige Weg ist, so eine Sache anzugehen.

Wie gehen es denn andere Verlage an? Die Süddeutsche zahlt Usern von jetzt.de, deren Texte in der SZ landen, Honorar. Der Freitag zahlt Usern von freitag.de, deren Texte in die Printausgabe des Wochenblattes kommen, Honorar. Die FAZ zahlt den angeheuerten Bloggern, wie z.B. mspro, der auf faz.net schreibt schrieb (mehr da), Honorar. Und ich gehe davon aus, dass die Rhein-Zeitung ihrem Chefredakteur für einen Tag, Sascha Lobo, ebenfalls eine angemessene Gage überwiesen hat.

Die WELT KOMPAKT steht mit ihrem Honorarfrei-Experiment also ganz alleine da. Ob das wirklich so clever und geschickt ist? Nö. Stinkt. Ich bin raus.

UPDATE 23.06.10, 12:20 Uhr:
Eben klingelte das Telefon, unbekannte Nummer. Es meldete sich eine Männerstimme: “Hallo, hier ist der Frank von der WELT KOMPAKT”. Frank Schmiechen, stellvertretender Chefredakteur, erklärte mir durchaus freundlich, dass er es journalistisch unsauber findet, dass ich vor der Veröffentlichung nicht persönlich Rücksprache mit ihm gehalten habe. Ich finde, seine Sicht ist im Mailverkehr, den ich mit der WELT KOMPAKT hatte (Schmiechen bestätigte übrigens, ja es war ein Serienbrief) und seinem Artikel (siehe Foto oben) hinreichend dargestellt. Sein Vorwurf hat mich so verwundert, dass ich vergaß zu fragen, WAS er denn meinem Artikel noch hinzuzufügen hätte. Ich schlug ihm vor, einen Blog-Kommentar zu schreiben. Hätte das nicht Chuzpe, wenn er das täte und per Twitter drauf hinwiese? Er würde zeigen, dass er sich auch mit abweichenden Blogger-Meinungen professionell auseinandersetzen kann. WELT KOMPAKT-mäßig ganz vorne mit dabei und so. Das lehnte er entschlossen, beinah entsetzt ab. Na gut.

UPDATE 23.06.10, 16 Uhr:
Zu Robert Basic sagte der stellvertretende Chefredakteur Frank Schmiechen nun, “dass die Blogger, die an diesem Tag mit uns [der WELT KOMPAKT] arbeiten, natürlich ein Honorar bekommen. Das wollten wir in der Kommunikation dieser Aktion aber nicht in den Mittelpunkt stellen, weil wir Leute gesucht haben, die in erster Linie am Experiment selber interessiert sind.” (der ganze Artikel hier)
Interessant. Vor kurzem bekam ich von einem seiner Mitarbeiter noch die Mail-Antwort “Leider können wir Ihnen kein Honorar anbieten”. Thomas Mrazek, siehe oben, hatte recht: Die WELT KOMPAKT hat es sich anders überlegt. Doch ein hübsches Medienexperiment irgendwie.

UPDATE 25.06.2010, 16 Uhr:
Nun steht auch die Höhe des Honorars für die Teilnehmer fest. Im Mittelhessenblog (siehe hier und dort) wird eine Verlagsmail zitiert, in der es heißt, “Die WELT-Gruppe zahlt jedem teilnehmenden Blogger für den Tag in der Redaktion den in der
WELT-Gruppe für freie Mitarbeiter geltenden Honorarsatz”. Andere Informationen seien falsch. Dabei hatte die WELT KOMPAKT vor wenigen Tagen in einer Mail an mich (siehe ein Update weiter oben) noch ein Honorar abgelehnt.

UPDATE 1.07.2010, 10 Uhr:
Und so sieht das Ergebnis aus: Klick.

Woanders:
- hübsche Satire: Tagebuch eines stellvertretenden Chefredakteurs
- Prof. Horst Müller: PR-Veranstaltung in honorfreier Zone
- WELT: Scroll Edition in aller Munde

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Geschrieben von Deef in: Der ganze Rest | Tags: , , , , , , , |

133 Kommentare

  • Frank sagt:

    finally @rose zu dirk: Siehste, genau darauf reite ich die ganze Zeit rum: Ein Übungsleiter ist qualifiziert und erbringt – zunächst mal gilt die Unschuldsvermutung – als solcher eine Leistung, die er für professionell erachtet. Aber er tut es für seinen Verein, ehrenamtlich, und deswegen nicht in der Erwartung (abgesehen von einer pauschalen, gesetzlich limitierten Aufwandsenschädigung), Geld dafür zu erhalten.

    Verlage sind aber keine Vereine, sondern Wirschaftsunternehmen, deren Tun auf Gewinnerzielung gerichtet ist. Und wer für die etwas Professionelles macht, ohne dafür selbstverständlich Entgelt zu erwarten, impliziert entweder Zweifel am professionellen Wert seiner Leistung (‘immer nur froh, wenn ein Text in die Zeitung kam’ – was ist das denn? Eitelkeitsbefriedigung statt Lohn? Dumm nur, dass man damit an der Supermarktkasse nix zahlen kann, gelle?), oder agiert schlicht unprofessionell und naiv.

    Keinen dieser Hintergründe vermag ich aber in der Diskussion um ein Thema wie dieses hier ernst zu nehmen. Und wenn Du die eingangs geäußerten Zweifel an der Realisierbarkeit von Tagessätzen im Bereich um die 400-500 Euro kundtust, habe ich nicht mal den Eindruck, dass Du in der PR mit professionellen Gepflogenheiten sonderlich vertraut bist, sorry.

  • Frank sagt:

    @doch rose, klar geht das! Nur, dass sich vernünftig oder halbwegs erwachsene Menschen, die darauf angesprochen werden, bei irgendwas mitzumachen, VORHER!!!! bei dem, der sie anspricht, darüber informieren rsp. mit ihm darauf verständigen, was, zu welchem Zweck und unter welchen Bedingungen sie tun. Statt sich hinterher zu wundern…

    Sorry, aber ich habe allmählich das Gefühl, das müsste nur noch weh tun….Aber das ist wohl das Schöne an der Naivität – wer hinreichend über sie verfügt, bleibt von dem unangenehmen Gefühl, naiv zu sein, unbehelligt.

  • rose sagt:

    @ frank. ich arbeite seit kurzem wieder für ein ordentliches festgehalt, weil mir das theater um die tagesätze zu blöde wurde. und was tagessätze in der pr angeht, das ist ja wohl mal ne ganz andere nummer. ob als einzelperson, oder als agentur. text kostet was anderes als konzepte etc. pp.

    was willst du mir eigentlich gerade erzählen?

    sollen wir hier jetzt ein faß aufmachen in sachen preisliste PR oder was? willst du eine chef beratung über eine agentur, fängste bei 120 euro an, geht aber schnell auch drüber, ja klar, weiß ich auch. eine stunde text geht nicht unter 80 euro über den tisch. ist mir auch klar. ich kann dir auch in über 120 stunden ein konzept ausarbeiten und für jede stunde 96 euro reinknallen. das weiß ich alles. aber da musst du auch eine verdammt gute agentur sein, für solche preise. als einzellämpfer bekommst du das heute nur noch selten, äusserst selten.

    du hast ja von allem die super ahnung. alles klar.

    ich halte 800 euro für total überzogen, wenn reisekosten etc. pp. übernommen werden. und das ist hier so. also warum noch 800 euro draufschlagen, wenn anreise, kost und logie bereits gezahlt werden?

    darum geht es doch.

    und es ist ja in diesem falle nicht so, das man da acht stunden lang sitzt und diese acht stunden durchtextet und dann acht stunden text in rechnung stellen kann.

    meine güte.

    ich würde – mal so ganz am rande – alles über 250 euro als absolut überzogene forderung hinstellen. in diesem falle.

    keiner der dort anwesenden wird mehr als zwei texte schreiben, weil 20 leute gar nicht soviel platz in diesem tabloid haben werden.

    und ich frage mich, warum du eignetlich den erhfarungswert dieses projekts so gnadenlos nieder machst.

    als letztes noch etwas: wenn man als autor fuß fassen will, ich spreche hier vom autoren dasein, nicht als journalist, dann ist man froh wenn am anfang veröffentlicht wird. das man ein publikum findet.

    in welcher phantasiewelt lebst du eigentlich? eine menge autoren veröffentlichen sich einen wolf in literaturzeitschrifen, damit der eine oder andere verlag aufmerksam wird. da gibbet NISCHTE für. in anbetracht der tatsache, das ich seit jahren eher an der autorennummer schraube, sind veröffentlichungen für mich der weg zum ziel. denn ohne diese veröffentlichungen kommt man kaum an verlage. und hätte die SZ mich nicht unterstützt, dann wären wohl nie verlage auf mich zu gekommen. ganz einfach.

    ich halte mich, im gegensatz zu dir, nicht für so prima toll, das ich alles sofort fett bezahlt bekommen muss. man kann auch mal pro bono arbeiten, oder für den eigenen benefit, oder wie hier bei der welt im sinne eines “barter deals”.

    es tut keinem weh.

    ach ja. dir und deinen preisen. die machen wir ja jetzt durch diese aktion total kaputt.

    die preise für freie journalisten waren schon lange vor diesem experiment im keller. das ist eine ganz andere baustelle. fällt dir ja echt früh auf, dass ihr zu wenig geld bekommt.

    und klar, mir muss alles weh tun, ich bin total dumm und naiv.

    und du lässt ja auch keine andere meinung gelten. ein “wir schauen uns das einfach mal an” gilt ja für dich nicht.

  • Frank sagt:

    Liebe Rose,

    ja, aber:

    1. Habe ich hier mit keinem Wort den Erfahrungswert des Experiments niedergemacht.
    2. hast Du Dich eher nicht auf eine Honorarforderung von 800 € bei zusätzlichen Reisekosten in Deinen Postings kapriziert, sondern überwiegend eingangs zunächst blankes Unverständnis für Deefs Haltung gezeigt und sie angegriffen, offenbar ohne sie überhaupt verstanden zu haben.
    3. habe ich in der Vergangenheit und werde es auch in Zukunft tun, selbstverständlich schon ‘pro bono’ gearbeitet – nachdem ich mich (nochmal zum Mitdenken) VORHER darüber/darauf verständigt habe.
    4. hast Du Deef mit Unterstellungen bezüglich seiner Motive persönlich ziemlich diskreditierend angegangen, und alle, die seine Position geteilt haben oder ergänzten, der Lächerlichkeit bezichtigt.
    5. musst Du Dich deswegen bitte nicht wundern, wenn dann weitere, sich an der Diskussion Beteiligende, entsprechende Antworten an Dich finden.
    und 6. Wenn Du tatsächlich für erst mal anschauen, dann urteilen bist, ehe Du – an mich, oder die Runde gerichtet – etwas postest, dann mach es doch auch so! Schau Dir einfach mal die gegenwärtige LSR-Diskussion an, die Rolle Springers darin, deren (gerichtlich gestoppte) Versuche, Freie noch weiter vertraglich zu entrechten, etc. pp.

    Wie, haste alles schon? Sorry, dann biste wirklich gnadenlos naiv! Oder hasset einfach nich verstanden…

  • rose sagt:

    wie oft soll ich mir jetzt eigentlich noch anhören, dass ich nix verstehe und total naiv bin?

    wir haben einfach verschiedene meinungen.

    die tatsache, das springer versucht, freie zu entrechten ist das eine. das ich persönlich, aus bestimmen gründen, dies sache da mit mache das andere.

    soll ich jetzt etwa aus solidarität mit den freien journalisten da nicht mitmachen?

    vielleicht ist das ja am ende eine totale katastrophe, dann kann ich da ja gar nicht drüber schreiben. das wäre wirklich schade für nachwelt.

    daher will ich mir das angucken. ich will wissen, wie die das umsetzen. das kann gut gehen, oder schlecht gehen. aber noch ist der tag nicht gewesen.

    im vorfeld diese debatte, wegen eines honoras, finde ich halt etwas überzogen. natürlich wäre es ganz toll gewesen, wenn sofort eines angeboten worden wäre. ich hingegen, ja, so einfach bin ich ja dann wohl in deinen augen, habe mir gedacht: die zahlen die reise, ich habe keine unkosten, mach ich mal mit. so simpel habe ich mir das gedacht. einfach mal rausbekommen, wie ernst die das meinen. mehr nicht.

    über preise kaputt machen und ausbeutung habe ich bis gestern nie nachgedacht. weil es eine nette gelegenheit ist, leute zu treffen, eine erfahrung zu machen und fertig.

    geld verdiene ich woanders. und so lange ich weiß, dass ich trotz so einer “aktion” am ende rumkomme, ist das doch okay. du findest das sehr egoistisch und wirfst mir vor, ich denke nicht an die anderen.

    denkst du an die anderen, wenn es um deinen kühlschrank und dein konto geht?

    mir geht es – ich betone es ein letztes mal – um die erfahrung mit dem springer verlag und der welt redaktion. ich will wissen, wie die in echt ticken. das ist für mich quasi der inhalt der geschichte. daraus mache ich meine story. und da habe ich meinen ganz einfachen mehrwert.

    eine geschichte für mich und den blog.

    mehr wollte ich gar nicht.

  • Deef sagt:

    @Rose: Du schreibst “mehr wollte ich gar nicht”. Wenn das so ist, dann lies dir nochmal deine Postings durch. Vor allem die, in dem du Leute, die nicht deine Meinung teilen “blöd”, “verpupst” oder ihre Debatte “lächerlich” nennst. Wenn du nur auf deine Sicht der Dinge hinweisen willst, dann geh die Diskussion einfach mal weniger aggressiv an, sonst musst du dich nicht wundern, wenn du anmaßend rüberkommst.

  • Christoph sagt:

    @frank
    Danke für deine Antwort. Du wirst es nicht glauben, aber ich bin selbständig mit einem eigenen Laden und betreibe meinen Blog nur nebenbei. Insofern kenne ich Kostenstrukturen.
    Wäre ich als freiberuflicher Blogger noch nicht so bekannt, dass ich von meinem Blog leben könnte, wäre so ein Tag bei Springer doch eine prima Werbung für meine Seite, die nahezu unbezahlbar ist, abgesehen von der Erweiterung meines Horizontes.
    Ich mache für meine Firma manchmal auch Dinge kostenlos, für die Andere Geld verlangen um so über gute Mund-zu-Mund-Propaganda neue Kunden und somit ein höheres Einkommen zu erhalten.
    Es wird ständig gemutmaßt, dass für Springer diese Aktion so furchtbar billig wäre, wenn sie die Blogger nicht bezahlen sondern nur Spesen erstatten. Hmmmm, 10 Blogger mit je 500 Euro Spesen sind auch mal 5.000 Euro.

  • Deef sagt:

    @Christoph – Du schreibst: “Es wird ständig gemutmaßt, dass für Springer diese Aktion so furchbar billig wäre”. – Du bist der erste von dem ich eine solche Mutmaßung lese. Und: 5000 Euro wäre bzw. ist doch geschenkt für eine PR-Aktion.

  • @Frank, also wirklich, dass du nichtmal die polysemante deutbarkeit meines nicks erkennst, zeigt, wie wenig es dir um dialog und verständigung geht – man könnte meinen du bekämst zeilengeld, möchte dir die texte des blumfeld-sängers distelmeyer ans ohr legen, dich für deine verstiegenheit in den arm nehmen .. was du hier für einen projizierten, zeichenmanischen selbstbefriedigungssermon ablässt, das geht auf keine kuhhaut.
    gönn dir doch mal eine pause, trete eine reise nach innen an, lern dich selber kennen. über andere mutmaßen und urteilen und sich durch schablonenwissen hervortun, das bringt gar nichts ;-)

  • Christoph sagt:

    “Vielleicht ist meine Arbeit einfach nichts wert…” So steht´s schon in dem Artikel. Gleicher Tenor kommt bei einigen Beiträgen rüber.
    Für wen ist es denn eine PR-Aktion? Die WELT oder die Blogger? Und wenn die WELT für diese Aktion extra die Werbetrommel rührt (um als DIE moderne Zeitung dazustehen, soll´s den Bloggern doch recht sein. Soviel Aufmerksamkeit wird ihnen sonst nie zu teil und sie können bei einem guten Beitrag vielleicht auf viele neue Stammleser hoffen.
    Die WELT hätte die Aktion den Bloggern etwas klarer rüberbringen können, gerade was die Entlohnung/Spesen angeht. Grundsätzlich schlecht finde ich sie nicht und schließlich war es ja nur eine Anfrage, wie sie viele Künstler, Politiker, Sportler, etc. sicher täglich erhalten (Gastkommentar).
    Ich finde es einfach zu dramatisiert, ein solches Brimborium um die Mail der WELT zu machen. Es ist eine prima Eigenwerbung für diesen Blogger – er hätte aber einfach auch nur absagen können. Wie man an dieser Diskussion sieht, sehen Andere (wie ich) das alles wesentlich pragmatischer.

  • Deef sagt:

    @Christoph – Du schreibst: “Soviel Aufmerksamkeit wird ihnen sonst nie zu teil und sie können bei einem guten Beitrag vielleicht auf viele neue Stammleser hoffen.” – Vielleicht haben Aufmerksamkeit und neue Stammleser durch die WELT KOMPAKT einen besonderen Wert für Dich. Für mich nicht, beziehungsweise keinen, der meinen Einnahmeverlust an einem freien Tag ausgleicht. Ganz einfache Sache. Und ganz pragmatisch.

  • [...] erst hat Die Welt kompakt mit dem Ansinnen Aufmerksamkeit erregt, sich von Bloggern und anderen Onlinern kostenlos eine Ausgabe zimmern zu lassen. Die Geringschätzung gegenüber den Autoren ist allerdings mitnichten eine Sache der alten Medien. [...]

  • [...] Welt Kompakt mit ihrer Einladung an dutzende von Bloggern, einen Tag lang ihre Zeitung zu machen, wenigstens mit einer Backe in die Nesseln gesetzt hat, ist umso trauriger. In meinen Augen waren die FAZ-Blogs so etwas wie ein Vertrauensbeweis von [...]

  • [...] Pirmasens Das kompakte Honorarfrei-Experiment Über Sinn und Gehalt dieses Experiments läßt sich trefflich streiten. Oder sollte es Chris [...]

  • [...] schielen. Denn Bloggern übernehmen für einen Tag die „Herrschaft“ und werden dafür nicht entlohnt. Meine Prognose: Einmaliges PR-Experiment ohne Lernerfolg für diejenigen, die die [...]

  • [...] und Ansich­ten dabei ziem­lich aus­ein­an­der­drif­ten, war unter ande­rem auf der Gefühls­kon­serve zu beob­ach­ten, die von Deef Pir­ma­sens betrie­ben wird. Pirm­an­sens hatte sel­ber seine [...]

  • Yoghurt sagt:

    Aus der Mail geht hervor, dass Leute, die sonst nur online veröffentlichen, dort schreiben sollen.
    Dies sei das “Experiment”.
    Wenn man sich ansieht, wer alles gefragt wurde, müsste man es doch schon anhand der Auswahl als gescheitert ansehen.
    Ist mir schon länger aufgefallen – die meisten etwas bekannteren Blogs scheinen von zumindest semi-professionellen Schreibern zu stammen, was sich ja hier im Kommentarbereich auch andeutet.
    Bei den Wikipedusen, Zwitscherianern und Amazonindern mag es dann natürlich schon wieder anders aussehen.
    Meiner Meinung nach wurde auch die bedeutendste Gruppe vergessen – die der Kommentierioten. ;)

    Das gibt dieser Blog vs Print Debatte einen gewissen humoristischen Touch, zumal ich sie bisher eigentlich ausser als Bericht darüber, das es sie angeblich gäbe, nie bemerkt habe.
    Vielleicht lese ich auch nur in den falschen Blogs und Zeitungen.

    Grüße von einem verwunde(r)ten Gefühlsliberalen ;)

  • [...] hängt der Fall PaperBlog nicht wirklich mit dem Fall Welt Kompakt zusammen. Aber muss man sich denn noch wundern, wenn professionelle Webangebote mittlerweile mit [...]

  • Ich verfolge die Diskussion jetzt schon ein wenig länger und sie kommt mir ehrlich gesagt ein wenig kleinkariert vor. Ist euch je in den Sinn gekommen, dass manche einfach etwas tun, weil sie es gern tun? Oder dass sie ein höheres Ziel verfolgen, als Geld, PR, Ruhm und Ehre?

    Die Weltkompakt fragt höflich an, ob man Lust auf ein Experiment hat, ob man gemeinsam eine Ausgabe gestalten möchte, warum kann man da nicht einfach genauso höflich ablehnen, wenn man das nicht will?

    Wir vom Czyslansky-Blog haben Lust und freuen uns auf diesen Tag und über die Möglichkeit durch unsere Arbeit die Ideen und Ideale Czyslanskys auch der Leserschaft der Weltkompakt nahezubringen. Ob wir dafür eine Gage bekommen? Keine Ahnung wir habe gar nicht nachgefragt …

  • Deef sagt:

    Hallo Alexander,

    da liegt offenkundig ein Missverständnis vor. Wenn du meinen Artikel liest, wirst du feststellen, dass ich Leute, die bei der Aktion der WELT KOMPAKT mitmachen, nicht richte. Ich persönlich fand (u.a.) das Anschreiben hanebüchen und habe abgesagt. Ich wollte wissen, ob andere das auch so sehen, deshalb habe ich ein paar andere Stimmen dazu eingeholt und öffentlich darüber geschrieben.

    Und das ist also kleinkariert, bloß weil Du glaubst, Dich für Deine Zusage rechtfertigen zu müssen? Ich finde nicht, dass Du dich rechtfertigen musst. Hab einen schönen Tag in Berlin. Im Ernst. Aber gestatte mir doch bitte die Freiheit zu entscheiden, unter welchen Umständen ich bei welcher Aktion mitmache und die Freiheit mich öffentlich dazu zu erklären.

  • Lieber Deef,

    bitte nicht falsch verstehen: Ich finde nicht dein Posting kleinkariert, sondern beziehe mich auf die gesamte Diskussion. Wer jetzt und wie viel bekommt oder bekommen müsste und ob er damit einem Journalisten den Job wegnimmt, oder die Preise für diese Arbeit “dumpt”, dann wieder Bezug nehmen auf die Gesamtsituation des Journalismus und das Blogger vs. Journalisten Problem, Springers Rolle in den 60ern, die Arbeitslosigkeit den Weltfrieden ….

    Ich muss mich nicht rechtfertigen, ich möchte es nur einfach erklären, genau wie du erklärt hast, warum du nicht mit machst …

    Eigentlich Schade, dann hätten wir auf Springer Kosten ein Pils zischen können ;-)

  • Deef sagt:

    @Alexander: Das Zischen bekommen wir auch alleine hin. .-)

  • [...] die Aktion regen würde, war klar, vor allem nachdem Deef Pirmasens herausgefunden hatte, dass ursprünglich kein Honorar an die beteiligten Autoren aus dem Netz fließen sollte. Eine nachhaltigere Lösung als eine einzelne Ausgabe (etwa regelmäßig Kolumnen von Bloggern) [...]

  • uli sagt:

    q.e.d. Zum Kotzen.

  • [...] und formen, was sie bewegt, ein einmaliges Medienexperiment nannte man das. Hier sei zuerst auf die Vorgeschichte hingewiesen, ein großer [...]

  • Rudi sagt:

    Wer zum Geier ist Robert Basic?

  • [...] politische Ausrichtung – oder das war ihnen alles schnurzpiep. Der hübsche PR-Gag wurde als „Experiment“ verkauft.  Kann man machen – nur: Keiner soll bitteschön sagen, das hätte irgendwas mit [...]

  • [...] Honorarfrei-Experiment. Aus Blogtexten wird eine Zeitung – aber ohne Entgeld. Gedanken dazu. [...]

  • [...] gab es ja in der Blogosphäre heftige Kritik gegenüber dieser Aktion (zum Beispiel hier). Im Tenor hieß es, die Blogger würden WELT Kompakt kostenlosen Inhalt liefern, sich also [...]

  • [...] Vorfeld der Entstehung der Scroll-Edition gab es große Diskussionen, die hauptsächlich um das Thema “Honorar”, aber auch um die Kommunikation seitens [...]

  • [...] Themen: Welt kompakt und die Blogger Deefs Artikel dazu Trend: Der Vodka-Tampon “ellen – der Tampon, der mehr kann” 3D-Pornos sind da [...]

  • [...] der Gefühlskonserve sammelt Deef seltsame Friseursalonnamen, erteilt etablierten Printmedien gerne Abfuhren und löst von Zeit zu Zeit einen handfesten Literaturskandal [...]

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