
Foto (cc) Audreyjm529
Der See ist schwarz wie Tusche und in ihm spiegelt sich der bewaldete Hügel dahinter. Mein Blick gleitet von der Wasserfläche auf das gegenüberliegende Ufer, den Wald und in den Nachmittagshimmel. Ein kleines Flugzeug nähert sich. Es fliegt S-Kurven auf seltsam unbeholfene, fast schon gefährlich anmutende Weise. Dann schwebt es dicht an den See heran und – ich muss zweimal hinsehen – wassert. Es sah zuvor gar nicht wie ein Wasserflugzeug aus, sondern wie eine lächerliche Miniaturversion einer Concorde. Eine Luke öffnet sich und aus dem Inneren winkt mein Cousin Phil.
Das Universum ist kompliziert und da gibt es Dinge, die man nicht für möglich hält. Sie passieren einfach und man freut sich, sofern man sie nicht durch zuviel Nachdenken ruiniert. Ich denke nicht nach und springe ins schwarze, bodenlose Wasser. Schnell bin ich rübergeschwommen, hab mich auf einen Landeschwimmer der Machine gezogen und nehme im Cockpit Platz. Phil und ich umarmen uns. “Absolut schräge Steuerung”, meint er und überläßt mir den Start.
Ich bin zwar schon lange nicht mehr geflogen, aber es ist wie Radfahren, man verlernt es nie ganz. Mit Vollgas jage ich die kleine Maschine über den See, ziehe, als wir Höchstgeschwindigkeit erreicht haben, sanft am Knüppel und genieße die Aussicht, während wir Abheben und uns schnell und schneller vom See, dem Hügel, von Allem entfernen. Phils Haare wehen im Wind, wir lächeln uns zu. Währenddessen ist die Dämmerung hereingebrochen und bald wird es dunkel sein.
Phil weist mir die Richtung zu einem kleinen Sportflugplatz, auf dem er gestartet ist. Mich fröstelt, deswegen schließe ich die Fenster. Als wir ankommen, ist es Nacht. Der kleine Flugplatz hat keine Beleuchtung und ist geschlossen. Ich sehe die Landebahn kaum, der Tower antwortet nicht auf meine Funksprüche. An Landen ist nicht zu denken. Ich klopfe gegen den Kraftstoffanzeiger. Der Tank ist so gut wie leer.
“Wie konntest Du mir das antun?” fahre ich Phil an. Mein T-Shirt ist klatschnass geschwitzt und eiskalt. Ich ziehe es über den Kopf, werfe es auf den Boden und greife mir ein frisches, trockenes, das am Fuß des Bettes bereit liegt. Am Abend hatte ich 39,4 Grad Fieber und deswegen hatte ich vorgesorgt. Jetzt schüttelt’s mich, so kalt ist mir. Ich kauere mich in der Embryo-Stellung unter die Decke und stopfe sie rundrum fest. Dann warte ich, die Fäuste vors Kinn gepresst, die Finger in die Decke gekrallt, auf Schlaf.
Wie ein Partygast, der Sonntags erwacht und nicht weiß, wo er ist, sehe mich in meiner Wohnung um, die nicht wie meine Wohnung aussieht. Eins der wenigen Fenster ist in Stirnhöhe. Auf den Zehenspitzen stehend erhasche ich einen Blick auf eine Schnellstraße. Plötzlich und ohne Ankündigung oder sonstige Begleiterscheinungen habe ich mehr Hintergrundwissen: Meine Vermieterin hat mir wegen Eigenbedarf meine wunderbare Bleibe im Glockenbachviertel gekündigt und ich bin daraufhin in eine Kellerwohnung im Westend gezogen. Unklar ist, warum ich mir einbilde, dass ich hier schon vorher mal gewohnt hätte. Ich beschließe den Makler-Vampir, dessen gierige Reißzähne ich für mein Glockenbach-Domizil an meinen Hals ließ, mit geweihtem Holz zu pfählen. Vorher muss ich aber aus dieser schweren, kalten Kutte raus, denke ich und zerre mir das erneut schweißnasse T-Shirt vom Leib.
Mit einem Schrei, der in einem schmerzhaften Husten endet, werfe ich das Hemd in die Zimmerecke. 5 Uhr 24 zeigt der Radiowecker. Ich bin müde, mir ist kalt, mein Kopf, meine Lunge und mein Hals tun weh. Schnell greife ich mir ein frisches Shirt, streife es über und drücke mein Gesicht ins Kissen und presse die Decke fest an meine Brust. Fieberheiße Tränen sickern in den Stoff. Ich wünsche mir tiefen, erholsamen, unterbrechungsfreien Schlaf vom Universum. Ich wünsche mir aufzuwachen, ohne mich an irgendwas vom nächtlichen Synapsenspiel erinnern zu müssen.
Und während ich noch wünschte, schlief ich ein. Immerhin. Aber wie man sieht, konnte ich mich an einiges erinnern. Das Universum ist kompliziert.
***
Diese Geschichte als Hörbuch vertont, findest du hier.

Schreib weiter, nutz das Fieber aus!
(Stark, der Text. Trotzdem: gute Besserung.)
This piece of writing was ill-conceived. Literally.
man nimmt das m. man nimmt das d. man das m. man nimmt das a. haha haha. alte schamanenweisheit aus dem heimischen waldlabor. die fünfte pille am wagen sagt:”GebrunnGebrunn und biete deine b-tipps am besten mal bei vox oder rtl2 an. “Puff-Pillen und Party- Die Panoramaerben Helmut Schmidts.” Hust!
Das ist ziemlich gut.