Vor einem halben Jahr habe ich hier die 50-Jahre-Saarland-Hymne “Das Wasser der Saar” erwähnt:
Das Wasser der Saar mit dem Wind aus Südwest
macht Tränen zu Gold und das Leben zum Fest.
Das Herz und die Seele und das Wasser der Saar -
heut und in tausend Jahrn.
(kompletter Text und Stream hier)
Bei allem guten Willen konnte ich nicht anders, als die Saarländer zu bedauern. Haben sie einen 1000-jährigen Herz- und Tränensong verdient? Nun hat sich dieser Tage Frank Felicetti, einer der beiden Schöpfer des Liedes per Kommentar gemeldet, was mich sehr freut. Er erzählt interessante Details über die Entstehung von “Das Wasser der Saar”, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte.
Oh doch – sie haben es verdient!
Wenn so eine “Hymne” von der Politik in Auftrag gegeben wird, und ein ursprünglich witziger und geistreicher (und singbarer – aber dieses und ein paar anderer Kriterien verschließen sich ja selbsternannten Besserwissern ja eher – meistens aus Unwissenheit, Ignoranz und Selbstüberschätzung) Text dann von Agenturen und Politikern in die Mangel genommen wird und z. B. die Textzeile “dein Eau de Cologne heißt Dillinger Stahl” wochenlange Diskussionen auf höchster Ebene über die Geruchsfreiheit der Stahlproduktion auslöst, wenn die Zeile “stecken Merziger Füße in Schuhn aus Paris” abgeschmettert wird, weil ein Minister aus Merzig kommt, wenn ein Minister entzückt darüber ist, dass Saarländische Idiome wie “Freck” und “Flemm” im Text auftauchen, ein anderer Minister es aber “doof findet” und eine Agentur dahinter eine Verunglimpfung der Saarländer erahnt und doch lieber die Firma “Hara” erwähnt haben möchte, und es noch mehr absolut idiotische Argumentationen, Einmischungen und Änderungsvorgaben von hochdekorierten Dilletanten gegeben hat, die die Saarländer selbst in ihre Positionen gesetzt haben und von denen ich nicht noch mehr erzählen will, um mir nicht noch eine Diffamierungsklage einzufangen….
Oh doch – dann muss ich sagen: Sie HABEN es verdient. Schönen Gruß aus Hamburg.
Frank Felicetti
Angesichts dieses Hintergrundberichts zur Entstehungsgeschichte wundert es nicht, dass das Saarland im Wettbewerb der Bundesländer so weit hinten steht; die Franzosen würden dieses Fleckchen Erde samt neuer Hymne sicher geschenkt haben wollen. Andererseits: ich bezweifle, dass andere Einrichtungen nach Beauftragung einer eigenen Hymne ruhmreicher agierten. So eine Komposition ist sicher keine besonders dankbare Aufgabe; interessant wäre es, wenn das Saarländer Kabinett einen eigenen Textentwurf vorgelegt hätte. Falls zum 51jährigen Bestehen ein neues Liedchen her muss, können die Landesmütter und -väter ja immer noch einen neuen Text in Auftrag geben – Geld aus dem Länderfinanzausgleich müsste ja noch reichlich vorhanden sein (zur Not kann man die Bergbausubventionen umleiten).
Nun ja, Dilettantismus von Bedenkenträger-Apparatschiks gibt’s nicht exklusiv im Saarland (leider).
So dick ist es nicht mehr mit Länderfinanzausgleich und Bergbausubventionen.
Im Länderfinanzausgleich bekam das Saarland 2006 laut Wikipedia 115 Millionen Euro. Zum Vergleich: Berlin, das nicht mal halb so groß ist, bekam über 23 Mal soviel, nämlich 2,7 Milliarden Euro.
Zum Thema Kohlesubventionen kann man Wikipedia entnehmen, dass saarländische Bergbauarbeitsplätze 2003 mit insgesamt 222 Millionen Euro bezuschusst wurden. Viel Geld, aber nur ein Bruchteil der bundesweit 2,3 Milliarden Euro, die vor allem nach NRW gingen.
Bei der ganzen Wikirecherche hab ich dann auch noch festgestellt, dass es eine offizielle Saarlandhymne aus der Zeit gibt, da der kleine Flecken zwischen Pfalz und Frankreich mal ein autonomes Land war. Mehr hier.
Ich bin nicht wirklich überrascht. Echt nicht.
Ähnliche Erfahrung gemacht in Saabrigge?