• Airens STROBO gelesen von Deef - alle Lesungstermine hier
Feb
23
2009

Der Knochenmann

Rechts Josef Hader - Foto (c) Marc
Brillenpartnerlook. Rechts Josef Hader, der den Brenner spielt – Foto (c) Marc.

Simon Brenner ist Privatdetektiv. Oder war. Oder ist? 19 Jahre hat er als Polizist gearbeitet, hingeschmissen, privat geschnüffelt, Rettungswagen gefahren, dann Kaufhausdetektiv und jetzt Inkasso-Agent mit Anfang 50. Sein Chef ist der kleine Berti, den er ein paar Jahre zuvor als Zivildienstleistenden auf der Rettungswache kennenlernte. Als der ihm anbietet, raus aus Wien zu fahren, um einen Schuldner zu suchen, willigt er ein.

Der Künstler Horvath hat die Leasingrate für seinen Beetle nicht bezahlt. Der Brenner findet den Wagen vor einem Backhendl-Wirtshaus in der österreichischen Provinz, doch der Künstler ist verschwunden. Im Wirtshaus kennt ihn keiner. Brenner bleibt und hat bald einen Auftrag. Den verliert er zwar tags darauf wieder, aber solange der Horvath verschwunden ist, werden die Landeier den Brenner nicht wieder los.

“Der Knochenmann” ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Wolf Haas, dem herausragendsten deutschsprachigen Krimiautor der letzten Jahre. Markenzeichen seiner Brenner-Storys ist ein nicht-allwissender, wertender, abschweifender Erzähler. Haas führt den Leser gerne an der Nase herum und so hat man am Ende eines Buches oft die Lösung des Falls nicht begriffen, wurde aber durchweg bestens unterhalten.

Bei den Verfilmungen der Brenner-Romane “Komm, Süßer Tod”, “Silentium” und jetzt eben “Der Knochenmann” zeigt sich: so verschwurbelt wie Haas es schreibt, so trocken wie es sich liest, lassen sich die Geschichten nicht auf die Leinwand bringen. In den Drehbüchern ließ Wolf Haas den stilprägenden Erzähler abgesehen von einem Einleitungssatz weg, strich Details und Nebenhandlungen und bog Zynismus in eine Mischung aus schwarzen Humor und Klamauk um.

Das Ergebnis ist verglichen mit den Romanen und Hörbüchern nur zweite Liga. Aber zweite Liga kann auch sehenswert sein. Vor allem, wenn Josef Hader mitspielt. “Der Knochenmann” ist deshalb allen empfohlen, die beim Kinobesuch gerne Experimentierfreude an den Tag legen und natürlich jenen, die Haas’ Krimis bzw. die früheren Verfilmungen bereits mochten.

Reklame:

Mehr zum Thema:
Geschrieben von Deef in: Filme und Serien | Tags: , , , |
Reklame:

5 Kommentare

  • bosch sagt:

    Da hast Du aber Glück gehabt. In Hamburg war der Hader angekündigt, ist aber leider nicht gekommen.

    Im Vergleich zum Buch wurde der Film angenehm entschlackt – sehr gelungen.

  • Deef sagt:

    Entschlackt wurden unter anderem: Der Jugo-Ösi-Konflikt, die im Klo lebende Klofrau, der Borderline-Puff in Wien, die Metzgerschneidetisch-”Kunst” vom Horvath, Löschenkohls Prostituierte, die für ihn Geldscheine ißt, die Szene mit Peter Nidetzky und “Aktenzeichen XY ungelöst” …

    Das waren die Höhepunkte des Buches, die da entfernt wurden. Prima.

  • bosch sagt:

    Dieses Buch hätte man unmöglich 1:1 verfilmen können.

  • Deef sagt:

    Du liest meine Lippen.

    Als Serie wär’s vielleicht gegangen. Dexter-Style. Jedes Buch = eine Staffel.

  • Stefan sagt:

    Komme auch grad aus dem Film, und muss sagen: “grauslig”; einige gelungene Jokes, aber im großen und ganzen war mir der Plot zu langweilig, stellenweise vorhersehbar und mit zuviel Zufall konstruiert; Martin Bierbichler als liebesverzweifelter Metzgermeister rettet den Film; und Hader spielt den Brenner diesmal wie “Hader”; schade um die Freikarte heute abend ;)

RSS feed für Kommentare. TrackBack URL


Kommentar schreiben

Konserviert mit einem WP-Theme von TheBuckmaker | Hintergrundbild © Deef
Die Gefühlskonserve © Deef Pirmasens 2005-2010 | Impressum und Datenschutz