Am morgigen Sonntag tritt Sabine Christiansen ab, die nach ihr benannte Polittalkrunde im Ersten läuft zum letzten Mal. Sie hatte überaus gute Quoten. Sie hat sich gegen Männer (z.B. Erich Böhmes “Talk im Turm”) durchgesetzt. Letzteres hat Sabine Christiansen schon vor 20 Jahren tun müssen. 1987 moderierte sie als erste jüngste Frau die Tagesthemen. “Die Sendung mit der Maus” lästerten böse Zungen über die damals 29jährige Blondine, die dem fernsehjournalistischen Urgestein Hajo Friedrichs zur Seite gestellt wurde. Sie ging trotz der Anfeindungen ihren Weg. Hut ab dafür.
Mehr Positives kann man leider nicht sagen, denn ihre sonntägliche Politplauderrunde war ein Desaster. Jede Woche Untergangsstimmung mit den oft als Frage formulierten Themen wie “Wirtschaftsflaute, Streik – Bleibt Deutschland Schlußlicht?” oder “Wie krank ist Deutschland?” oder “Später in Rente! Rettet das Deutschland?”.
Auf dieser Bühne war Sabine Christiansen die “Stichwortgeberin eines neoliberanen Reformkurses” (aus einer Studie von Lobbycontrol) für ein festes Ensemble von Lobbyisten und Politikern, die man an ihren Gesichern, nicht aber an ihren Aussagen unterscheiden konnte. Denn sie führten allwöchentlich “entschlossen das Drama der Sachzwänge auf. Die große Koalition der Dauerreformer [gab] sich die Ehre” (Walter von Rossum). Jede Woche wurde der Untergang ausgerufen, die Uhr auf fünf vor Zwölf gestellt. Fast wie bei Douglas Adams’ Milliways, nur leider fehlte der schlussendliche Knall im All.
Der kommt morgen in ruhiger und vielleicht sogar etwas besinnlicher Form mit dem einzigen Gast Horst Köhler. Thema “Zeitenwende – ein Jahrzehnt Deutschland”. Was? Erst ein Jahrzehnt Deutschland? Hinter dem Blödsinn steckt der nur leicht verklausulierte Wunsch der Redaktion “ein Jahrzehnt Sabine Christiansen” Revue passieren zu lassen. Da ist der Bundespräsident aber der falsche Gast. Besser wäre Guido Westerwelle gewesen, denn der war mit 31 Auftritten der meisteingeladene Gast in den dann insgesamt 447 Sendungen. Übrigens, Guido vermisst sie jetzt schon.