Okt
12
2009

District 9

Ein riesiges Alien-Raumschiff taucht über Johannesburg auf und schwebt bewegungslos über der Stadt. Den neugierigen Menschen wird es irgendwann zu blöd, sie entern es und finden darin Millionen halbverhungerte Außerirdische. Die zweibeinigen Insekten von der Größe eines Menschen sperren Sie in ein umzäuntes Auffanglager.

20 Jahre später ist aus dem Lager ein Slum geworden. Die “Schrimps”, wie die Aliens abfällig genannt werden, ernähren sich von Müll, greifen teilweise Menschen an, handeln mit Waffen und werden von der Bevölkerung gehasst. Die Sicherheitsorganisation MNU soll die Aliens in ein neues Lager 200km außerhalb von Johannesburg deportieren. Damit die Aktion legal ist, werden MNU-Sekretäre begleitet von bewaffneten Truppen ins Lager geschickt. Sie sollen an jede Hüttentür klopfen und sich von jedem Alien per Unterschrift die Zustimmung zur sogenannten Evakuierung holen. Dabei macht ein hochrangiger MNU-Mitarbeiter einen vollgenschweren Fund.

Heutzutage ist mit CGI alles möglich, deshalb nimmt man ausgezeichnete Animationen und Tricks nicht mehr als etwas so besonderes wahr. Aber das sollte man, denn District 9 ist exzellent getrickst. Die Aliens, der Slum, das Raumschiff, die Waffen, alles sieht echt aus.

Die Ghetto-Problematik, der inhumane Umgang mit den Aliens und die als Evakuierung getarnte Deportation sind ein interessantes gesellschaftskritisches Setting für einen Science-Fiction-Film. Hier zeigt Disctrict 9 seine Stärken. Der Film könnte theoretisch ein großes Werk sein, leistet sich aber zuviele Schnitzer.

So ist der Film zu lang, die Handlung vorhersehbar und mit unnötigen Dialogen überfrachtet. District 9 lässt den Zuschauer viele Aspekte der Handlung nicht selbst begreifen, sondern drückt sie ihm durch Textpassagen und Einblendungen aufs Auge. Er kehrt “Show! Don’t tell!” um zu “Lass eine Figur nochmal wiederholen, was gerade passiert ist, damit es auch jeder Trottel im Kinosaal verstanden hat”.

Ungünstig wirkt sich auch aus, dass die insektengleichen Aliens so designt sind, dass ihre Gesichter kaum Emotionen zeigen können. Das ist für das Filmziel, den Aliens menschliche Züge zu geben und ihre Gefühle zu zeigen, kontraproduktiv. Als i-Tüpfelchen kann man nicht übersehen, dass der Film hochgradig rassistisch gegenüber Schwarzen im allgemeinen und Nigerianern im Speziellen ist. Entscheidungsträger und Wissenschaftler sind weiß, Ghetto-Gangster und Waffenhändler schwarz.

Das alles sorgt dafür, dass man District 9 eine Qualitätsnote von 10 geben kann. Und zwar auf einer Skala auf der z.B. große Werke von Ridley Scott wie Black Hawk Down 100, Alien 1000 und Bladerunner 10.000 Punkte bekommen.

Das könnte Dir auch gefallen:

Geschrieben von Deef in: Filme und Serien | Tags: , , |
Reklame:

11 Kommentare

  • [...] Frau Klein shared District 9. [...]

  • [...] auch: Die Gefühlkonserve, Die fünf [...]

  • ElClowno sagt:

    Sorry, ich kann deine Meinung, vor allem über die Qualität, nicht teilen. Die Geschichte selbst ist alles andere als Standardkost. Keine bösen, mordhungrigen Aliens und irgendwelche Helden die im Alleingang die Sache regeln. Dazu kommen noch ausgezeichnete weil akzentuiert eingesetze Effekte. Alles wirkt sehr echt aber nichts überladen klicki-bunti-bumm Transformers-Stil. In punkto Rassismus magst du vielleicht ein wenig recht haben, aber ich würde es eher als ein Abbild der Wirklichkeit sehen. District 9 schönt weder die Slums noch den vorherrschenden Rassismus.
    Ja, er hat manchmal seine Schwächen, die nicht sehr stark ausgeprägte Alien-Gestik ist eine davon, aber er hat auch Unmengen von unglaublich coolen Effekten und Wendungen. Zu meiner Schande muss ich gestehen Bladerunner nicht gesehen zu haben, aber Alien 100 mal bessere Qualität zuzuschreiben, oder dem durchaus guten aber vor Ami-Patriotismus nervig tropfenden Black Hawk Down eine 10 mal bessere Qualität zu geben ist extrem übertrieben.

    Vor allem Alien, ich mein da passiert ja mal stundenlang garnix. Außerdem musste ich ziemlich lachen als dieses Alienkostüm zum Schluss von den Triebwerken gebraten wird. Der Film ist zwar alt, aber etwas mehr Mühe ein nicht völlig peinlich aussehendes Alien hinzustellen hätte es sein dürfen.

  • Deef sagt:

    Da sind wir uns doch einig: Geschichte und Effekte von District 9 sind sehr gut.

    Als Alien 1979 anlief, entwickelte er sich zur Mutprobe unter Kinogängern. In der Szene, in der das Alien aus dem Bauch von John Hurt kommt, haben Kinozuschauer vor blankem Entsetzen geschrieen. Dass die Triebwerkszene am Schluss tricktechnisch eher mau war, fiel nicht ins Gewicht.

    Alien = immerwährender Meilenstein des Science-Fiction-Horror-Genres
    District 9 = ein hübsch getrickster, ganz interessanter Science-Fiction-Actionfilm, den man – wie Cloverfield aus dem letzten Jahr – bald schon wieder vergessen haben wird.

    Aber denk doch nochmal bitte über diesen Satz nach: “aber ich würde es eher als ein Abbild der Wirklichkeit sehen.” – So bleiben Klischees, Stereotype und Rassimus für immer bestehen. Genau so.

  • unionista sagt:

    Der Film ist nicht rassistisch. Er ist allegorisch. Südafrika war Apartheid. Weiß reich, Schwarz arm (Slum, Ghettos).

  • ElClowno sagt:

    Ich finde, dass das Zeigen von Verhältnissen diese nicht verherrlicht. Sonst müsstest du fast jeder Dokumentation eine Form von Rassismus unterstellen. Und nur durch Aufklärung ändern sich Dinge, nicht durch schön färben.

    Alien war sicher ein Meilenstein. District 9 ist aber anders genug um nicht direkt wieder vergessen zu werden. Cloverfield ist ja nur so banal weil es ein Art Godzilla in Blair Witch Project ist, und damit eine Kopie. Ich hab ihn gesehen und fand ihn nicht doll. Wäre die Werbung nicht so interessant gewesen (viral und so) hätte sich niemand um den Film geschert.

  • manfred sagt:

    ich fand den Film blöd und ziemlich langweilig.
    Hatte von der Machart was von Jacksons Braindead, konnte sich aber nicht entscheiden ernst oder witzig zu sein und ist dann bei langweilig geblieben :-(

  • Deef sagt:

    @unionista: Er ist allegorisch. Aber auch allegorien können das verfestigen, was sie zu kritisieren suchen, wenn sie schlecht umgesetzt sind.

    @ElClownno: Von verherrlichen hab ich nicht gesprochen. Der Film stellt Schwarze vornehmlich als abergläubisch, tumb, diebisch, gewalttätig dar und macht nicht klar, ob das als Kritik zu verstehen ist oder die Realtät sein soll. Das ist ein Manko.

  • ElClowno sagt:

    Na gut, das ist vielleicht Ansichtssache. Ich fand der Film stellt diese Schwarzen als abergläubisch usw. dar, ich sehe das aber nicht als Verallgemeinerung auf alle Schwarzen. Und was die Gewalt betrifft, leider geht es in den Townships so zu wie im Film gezeigt … sagt zumindest Wikipedia, ich war nicht da und hab auch nicht vor das nachzuholen.

  • AmorFati sagt:

    Ich finde, dass die Schwarzen in dem Film sogar schlechter wegkommen als die Aliens, bei denen noch eine gewisse Menschlichkeit dargestellt wird. Die Schwarzen werden wie Wilde dargestellt, eine Darstellung wie man sie aus europäischen Menschenzoos schon vom Ende des vorletzten Jahrhunderts kennt. Des weiteren wird die westliche Welt (nicht den Eingang des Films vergessen, wo Süd Afrika als im Interesse der gesamten “zivilisierten” Welt handelnd dargestellt wird) hier derart gutmütig und unschuldig dargestellt, das man in der Analogie Aliens-Weisse(oder zivilisierte oder wie auch immer) und Schwarze-Weisse die selbe Schuldlosigkeit der Weissen vermutet. Das wird natürlich durch die Darstellung der Schwarzen als verschlagen, selbstsüchtig, nicht diskussionsfähig, gewalttätig, primitiv, um nur einige Aspekte zu nennen, unterstrichen.

    Geschichtlich gesehen ist Süd Afrika aber eines der Länder, in denen faktisch noch immer eine Kolonialmacht regiert. Man lese hierzu “Die Shock Strategie” von Naomi Klein

    Letztlich besteht zwar offiziell die Apartheid nichtmehr, dennoch wachsen die südafrikanischen Ghettos. Ähnlich sieht es im übrigen in den USA aus. Also entweder sind die Schwarzen tatsächlich wie in dem Film dargestellt, oder es hat sich vielleicht doch nicht so viel geändert?!
    Abgesehen davon herrscht in den Townships zwar sehr hohe Kriminalität, dass diese aber den Alltag vollkommen dominiert stimmt nicht. War zwar selber nie da, habe aber von Bekannten die dort waren gehört. Jedenfalls habe ich nichts von auf der Strasse ausgetragenen Hundekämpfen gehört!!!

    Überdenk einfach das mit dem Abbild der Wirklichkeit nochmal, bis Du ein authentisches zum Vergleich hast.

  • [...] allerdings leider komplett an mir vorbei. Da mir die Neuverfilmung dieses Kurzfilms im Gegensatz zu Deef richtig gut gefiel, möchte ich den Mini-Streifen auch hier einmal zeigen. Der Film ist als Open [...]

RSS feed für Kommentare. TrackBack URL


Kommentar schreiben

 

Konserviert mit einem WP-Theme von TheBuckmaker | Hintergrundbild © Deef
Die Gefühlskonserve © Deef Pirmasens 2005-2012 | Impressum und Datenschutz