Echte Männer…
sind rau
sind hart
sind aktiv
sind stark
sind mutig
weinen nicht
wollen Macht
schießen Tore
können immer
setzen sich durch
geben den Ton an
haben keine Angst
wollen Helden sein
denken immer an Sex
geben keine Fehler zu
kämpfen bis zum Sieg
verschaffen sich Raum
haben einen großen Penis
haben keine Depressionen
nehmen sich, was sie wollen
sprechen nicht über Gefühle
wollen nicht Händchenhalten
haben keinen Liebeskummer
müssen Feminismus abwehren
lassen sich von Frauen nichts sagen
berühren ihren Anus nur mit Klopapier
liegen nicht mit anderen Männern im Bett
demonstrieren anderen ihre Überlegenheit
gehen arbeiten, statt die Kinder zu erziehen
wollen nicht in den Arm genommen werden
müssen alles Feminine und Schwule bekämpfen
Ich bin ein echter Mann und mich nerven die Eigenschaften, die diese Gesellschaft für mein Geschlecht vorsieht. Ich will kein Macho sein. Ich will nicht hören, ich sei ein Weichei, wenn ich mich dafür entscheide mit den Kindern (die ich noch nicht habe) zuhause zu bleiben. Nie wieder will ich die Märchen hören von Jägern und Sammlern, von Frauen die schlecht einparken und Männern die nicht zuhören können. Nie wieder will ich den Bullshit lesen, dass Feministinnen Männern etwas wegnehmen und Gendermainstreaming schuld ist am Schulversagen von Jungs.
Ich möchte mehr lesen und hören von Menschen, die denken wie ich. Und deshalb freue ich mich darüber, dass die NRW-Grünen einen Text mit dem Titel “Nicht länger Machos sein müssen” (via da und dort) veröffentlicht haben. Ich wünsche jedem Mann, dass er versteht, dass das Aufbrechen von Rollenzwängen mehr Freiheit für alle bedeutet. Oder wollt Ihr etwa ein Leben lang so ein Abziehbild eines Menschen, so eine comicartige Karikatur sein, wie in den Statements oben beschrieben? Ich nicht.
Mehr zum Thema:
Da kann ich mich dir (und den Grünen in NRW) nur anschliessen. Was die Märchen aus dem Pleistozän angeht: die gehören weg. Aus der Populärwissenschaft genauso wie aus den Mündern von “Comedians”.
Also, mein Kommentar:
Ich weiß ja nicht so recht, was man dazu noch sagen soll. Es ist ja alles so wahr und gut, was du sagst.
Danke!
ich würde das gleiche gerne als Frauenversion machen. Sie würde Sex and the city, Keinohrhasen, Schuhgeschäfte und Puck-die-Stubenfliege-Sonnenbrillen beinhalten.
Ich bin sehr froh und angeheitert, schon über drei Männer zu kennen, die so denken :)
Interessant.
All diese Vorurteile habe ich das letzte mal ernst genommen, als ich 14 Jahre alt war.
Leider sind ja nicht alle Menschen intelligent -ich glaube viele brauchen einfach ihr Schubladendenken, um sich irgendwie auf dieser Welt zurecht zu finden.
Also, in welche Rolle man sich zwängt oder zwängen lässt liegt meiner Meinung nach ganz an einem selber. Ich denke, es können 1000000 Petitionen unterschrieben werden, der “Kevin” aus der Kfz-Lackiererei um die Ecke wird auch weiterhin lieber Fussball spielen als Schuhe kaufen, und n pinkes auto wird er vermutlich weiterhin “schwul” nennen.
@Mannfred
Das ist eindeutig Quatsch! Es dauert vielleicht noch ein Bisschen, aber ich glaube an unsere menschliche Vernunft und sehe mich auch in der jüngeren Geschichte darin bestätigt, dass Aufklärung über Vorurteile über kurz oder lang Früchte trägt — Solange man nicht resigniert und weiter fürs Ideal kämpft.
Und: Ich will mich gar nicht erst desillusionieren lassen. :)
@Mannfred: Kevin soll auch weiterhin Fußball spielen dürfen, wenn er das möchte. Niemandem soll traditionell männliches Verhalten aberzogen werden. Es soll ihm vielmehr die Möglichkeit eröffnet werden auch anderes Verhalten zu zeigen, wie z.B. gerne Schuhe zu kaufen, ohne dass Kevin fürchten muss, seine Männlichkeit einzubüßen.
Wenn Kevin einen liebevollen Vater hatte, der Windeln gewechselt hat und einkaufen ging, wenn Kevin engagierte Kindergärtner erlebte, tüchtige Grundschullehrer und glückliche Männer als Kassierer bei Schlecker, dann glaube ich, bestehen gute Chancen, dass er ein breiteres, moderneres Männerbild erwirbt. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es geht.
[...] Gefühlskonserve: “Ich bin ein echter Mann und mich nerven die Eigenschaften, die diese Gesellschaft für mein Geschlecht vorsieht.” [...]
Toller Text, sowohl von Deef, also auch von den Grünen. Ich schließe mich da an. Zu 100%. Vor allem merken es die “ganzen Kerle” oft selbst nicht, wie sehr diese Klischees ihr Handeln bestimmen.
Sich selbst reflektieren würde hier helfen. Ich für meinen Teil ertappe mich selbst dabei, dass ich manchmal die Klischees, die ich so hasse, erfüllen möchte oder mich schlecht fühle, weil ich eines davon nicht erfülle. Bei mir ist es das “Kerle zeigen keine Gefühle”-Ding.
@Manfred
Genau das habe ich mir auch gedacht, sehr lange. Nur um dann vor einiger Zeit festzustellen, dass mich meine Prägung total einhohlt und ich genau so handle, wie es das Klischee “vorgibt”, obwohl ich es nicht mag. Der Widerstand sich das als “aufgeklärter” Mann einzugestehen ist natürlich groß, das tut echt weh hinzustehen, in den Spiegel zu sehen und sich das klar zu machen.
Ich glaube ja auch, dass sehr viel gekaempft werden muss gegen diese Rollenbilder, die von der Kommerzwelt propagiert werden. Je mehr Menschen das Beduerfnis verspueren, sich durch ihren Konsum zu identifizieren (Schuhe, Auto, Schokolade, Sportausruestung,…), umso mehr unterwerfen sie sich dem einfachen Segmentierungsdenken irgendwelcher Marketingleute. Mann und Frau sind ja nunmal die einfachsten Segmente, in die – nach traditioneller Meinung – alle reinpassen. Deswegen werden alle Produkte (Fernsehen, Zeitungen, Kino, Mode, Essen) von den nicht superhellen Koepfen erst mal an diese Segmente angepasst werden.
Als naechstes kommt dazu, dass die Welt gefuehlt komplexer und komplizierter wird. Wahrscheinlich weil man mehr Freiheiten hat. Freiheit ist toll, aber nicht fuer alle. Viele haben Angst davor. Deswegen schraenkt man sich ja so gerne in seiner Freiheit ein, indem man zum Beispiel Diaeten macht, einer Religion folgt, sich eine strikte Alltagsroutine auferlegt oder sich vom Partner ganz, ganz festhalten laesst. Unfreiheit = Geborgenheit.
Und um den Bogen zum Vorherigen zu schlagen. Leute, die Angst haben vor dieser Komplexitaet wollen sich einschraenken und einsortieren lassen. Und gleichzeitig noch irgendwo dazugehoeren. Und die einfachste Kategorisierung ist – wie oben schon erwaehnt – Mann und Frau.
Man kann sich also freuen, zu einer Gruppe dazuzugehoeren und sich sicher zu fuehlen, weil man bestimmten “geschlechtsspezifischen” Verhaltensweisen folgt.
Mann: sh Pyramidengedicht oben
Frau: Sich schminken und sexy machen, suechtig nach Schuhen sein, suechtig nach Einkaufen sein, suechtig nach Schokolade sein, keinen Sex wollen, Technik nicht verstehen duerfen, Humorkonsumentin sein, eine Labertasche sein, “rumzicken”,… “Ach ja, so sind wir halt.”
Also: kaempft, kaempft, kaempft! Man muss dauernd diese Denkweisen ankreiden. Sexistisches Gelaber in Frage stellen. Nie wieder ueber Einparkhumor lachen.
Ich will diese Freiheit!
@all: ihr seid toll!
@manfred: was deef sagt! außerdem – nicht immer sind wir nur individuuen, wir sind in gesellschaftliche kontexte eingebunden, die auch unser handeln bestimmen.
Hi.
Ich finde auch, daß das Aufbrechen von Rollen wichtig ist, und das grüne Manifest spricht einige Dinge an, die wichtig sind. Aber das Kernproblem wird nicht angesprochen: Wir haben erkannt, daß das alte Männlichkeitsskript nicht mehr funktioniert, aber wir haben keine Ahnung, wie ein neues Aussehen soll. Ich sehe das Problem so – viele, vielleicht die meisten Männer, können sich nicht vorstellen, daß sie von Frauen *gewollt* werden, also kämpfen sie für eine Welt in der sie *gebraucht* werden. Und gerade in diesem Zusammenhang finde ich es immer absurd, zu behaupten, nach dem Feminismus seien *jetzt* die Männer gefordert, an sich zu arbeiten. Das würden sie tun, wenn nicht so viele Frauen klassische Maskulinität und Dominanz so sexy finden würden, wie sie die gesellschaftlichen Konsequenzenn dieses Verhaltens problematisch finden. Wie sollen *Männer* daran etwas ändern?
Das ist ein ziemlich komplexes Problem – eine wirkliche Annäherung an die Problematik, einen Diskurs, nicht nur ein Manifesto, gibt es auf dem (feministischen) Blog von Clarisse Thorn (US).
http://clarissethorn.wordpress.com/2009/12/09/manliness-and-feminism-the-followup
@Sam: Du schreibst: “Wir haben erkannt, daß das alte Männlichkeitsskript nicht mehr funktioniert, aber wir haben keine Ahnung, wie ein neues Aussehen soll.”
Ach, so kompliziert ist das doch nicht. Wenn wir einfach versuchen, weniger zu erwarten und weniger den alten Erwartungen zu entsprechen. Wenn wir mehr auf uns selbst hören, wenn wir mehr wir selbst sind, dann kann das ganz einfach sein.
Natürlich gibt es Frauen, die Machos wollen und da gibt es ja auch nichts dagegen zu sagen. Wer will schon Gleichmacherei? Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden. Ich halte auch nichts davon jetzt so eine Henne- und Ei-Diskussion aufzumachen, nach dem Motto, die Frauen müssen aufhören, Machos attraktiv zu finden, damit wir Männer uns ändern können. Es ist, wie du sagst komplex und jeder kann nur an sich arbeiten. Aber jeder kann für sich etwas tun. Und wenn das viele tun ist das eine ganze Menge.
@sam und @deef
Das ganze hat erst mal wenig mit Frauen zu tun. Und diesen Satz moechte ich aus Sexismusgruendenerstmal umaendern in “mit anderen Menschen zu tun”.
Es geht in unserer Diskussion doch darum, dass man sich befreit von diesen Rollenbildern, die einem von aussen aufgedrueckt werden. Deswegen ist das Argument, dass “so viele Frauen klassische Maskulinitaet” gut finden, ein Zirkelschluss. Frauen sind genau so Opfer von diesem Rollenbild wie Maenner. Und der ganze Sinn diesem Unterfangen hier ist doch, diese Rollenbilder ueber den Haufen zu werfen. Deswegen kann man sie nicht als Argument GEGEN das Zerstoeren derselben verwenden.
Wie SAM sagt, muss man auf sich selber hoeren: merken, wovon man gluecklich wird, ungluecklich wird, geil wird, unberuehrt bleibt, sich wohl fuehlt, unwohlt fuehlt. Und dann genau das weiterverfolgen, was sich gut anfuehlt.
Das widerspricht fast immer irgendwelchen vorgefertigten Bildern und Verhaltensweisen. Aber mutig und selbstbewusst das zu tun, was man fuer richtig haelt, ist wohl das Anziehendste ueberhaupt.
Und dadurch schreckt man Leute (inkl Frauen und Maenner) ab, die damit nicht klar kommen. Aber die warens dann auch nicht wirklich wert.
@lantzschi:
bezüglich diesem punkt stimme ich euch auch vollkommen zu: aufbrechen von überholten “konventionen” würde auf jeden fall freiheiten schaffen (und da habe ich bestimmt nichts gegen^^).
wie du allerdings selbst sagst, ist unser weltbild und verhalten stark in gesellschaftliche kontexte gebunden. meine kritik (wenn es überhaupt kritik ist) gilt daher weniger der idee, als der methode, diese idee unter die leute zu bringen. Eine Veröffentlichung eines solchen Textes im “grünen/linken” Kontext ist nett, aber wahrscheinlich werden dort nur eh schon offene türen eingerannt. der teil der Bevölkerung, den es eigentlich zu überzeugen gilt, wird es wahrscheinlich nicht einmal mitbekommen. Wirkungsvoller wäre meiner Meinung nach eher eine Veröffentlichung in “mens health”;)
@Mannfred: Irgendwo muss man anfangen. Die Umweltschutzbewegung war bis in die 80er Jahre hinein auch nur ein Randphänomen. Aber vom Rand aus rückte es nach und nach in die Mitte der Gesellschaft. So kann das auch mit neuen Rollenbildern geschehen. Ist klar, dass die erst von progressiveren Vertretern unterstützt werden und nicht von konservativen Parteien.