Aug
06
2010

Goodbye Berghain! Hello Berghain!

Der Musikexpress im August 2010  - Foto von Deef

In der August-Ausgabe vom Musikexpress verabschiedet sich Airen (Partnerlink zu Amazon) vom Berghain. Er schreibt, die Anarchie sei vorbei und übrig bliebe nur schale Selbstinszenierung. Der Artikel steht leider nicht online, aber ist so lesenswert, dass ich Euch den Kauf des Hefts ans Herz lege.

Kurz zusammengefasst, ist das Berghain Airens Ansicht nach noch immer Berlins bester Technoclub, aber nicht mehr der beste der Welt. Schuld daran sei der Erfolg des Ladens und die damit einhergehende gestiegene Bekanntheit, die mehrere negative Folgen verursache:

  1. Unterschiedliche Besuchergruppen (Stammgäste, Touristen, Darkroom-Schwule) feierten verstärkt räumlich neben- und zeitlich nacheinander statt miteinander. Kein direktes Aufeinandertreffen, keine Durchmischung mehr wie früher.
  2. Das Bar- und Türpersonal sei arroganter geworden. Der Gast fühle sich als Bittsteller. (Siehe auch: “So kommst man durch die härteste Tür Berlins“)
  3. Ein enormes Drogenproblem: “Denn es gibt keine”, was ein Ausweichen auf Jägermeister und Wodka Bull zur Folge habe.

Soweit ich das beurteilen kann, stimmt Airens Einschätzung größtenteils. Es ist der übliche Lebenszyklus eines ehemaligen Szeneclubs, der beim Mainstreampublikum erfolgreich wird. Nur mit dem Unterschied, dass das Berghain davon nicht untergehen wird. Denn es ist weiterhin für alle Berlintouristen, für diejenigen, die noch nie schweißgebadete Männer mit nacktem Oberkörper knutschen sahen und all jene, die auf architektonische und beschallungstechnische Superlative stehen, sehr empfehlenswert.

So erfüllt das Berghain eine wichtige Funktion im Berliner Nachtleben: es saugt die neuen, szenefremden Clubgänger auf wie ein Schwamm. Die Kenner haben dadurch in den unbekannteren, anarchischeren Läden ihre Ruhe vor den Ahnungslosen und der  Tourimeute, die allwöchentlich in Berlin einfällt. Win-Win on the Dancefloor.

Das könnte Dir auch gefallen:

Geschrieben von Deef in: Der ganze Rest | Tags: , , , , |
Reklame:

18 Kommentare

  • glamorama sagt:

    Ich werde mir den Artikel gleich besorgen, denn in allen drei Punkten trifft Airen den Nagel ziemlich gut auf den Kopf:

    1) Tatsächlich trifft man in den früheren Nachtstunden kaum noch bekannte Gesichter. Die Einheimischen kreuzen fast alle erst nach Sonnenaufgang im Berghain auf – und verpassen damit leider so manchen nächtlichen Höhepunkt. Das Problem daran ist wirklich die fehlende Heterogenität: gerade in den ersten Stunden der samstäglichen Klubnacht (01:00 bis 05:00) ist ein Publikum zum Standard geworden, dem so manches ungeschriebene Berghain-Gesetz unbekannt zu sein scheint. Jeder Winkel wird mit touristischer Neugierde und ohne Rücksicht erkundet, es wird geschoben, geschubst und fotografiert, und selbst in den Darkrooms sind bisweilen mehr Schaulustige als Pärchen unterwegs.

    2) Das Türpersonal wirkt in letzter Zeit oft sehr gestresst. Das hängt primär damit zusammen, dass sich das Berghain-Team schon vor einer Weile entschieden hat, langjährige Stammgäste ohne die lästige Wartezeit an der immer länger werdenden Schlange vorbeizuwinken. “Normale” Gäste müssen also anstehen, Stammgäste nicht. Die alte Devise, dass niemand bevorzugt wird, ist abgeschafft. Das sorgt für Unmut bei denen, die anstehen müssen. Und für die Türcrew bedeutet es, dass sie zu Spitzenzeiten praktisch zwei Schlangen von Wartenden bedienen muss.

    Dass die Barleute arrogant wären, habe ich bisher allerdings nicht festgestellt. Ich werde seit meinem ersten Berghain-Besuch immer mit einem freundlichen Lächeln bedient – egal wie spät es ist und wie viele Leute sich an der Bar drängen.

    3) Zum Drogenproblem fällt mir nix ein – vermutlich, weil ich mich mit entweder mit Beck’s oder dem ausgezeichneten Kaffee aus der Eisbar berausche und auf chemische Helferlein ebenso verzichte wie auf Jägermeister und Wodka Red Bull. Im Vergleich zu meinen Cluberlebnissen in den frühen 90ern laufen im Berghain tatsächlich auffällig wenig “Verpeilte” herum – für mich einer der Gründe, die mir den Laden so sympathisch machen :)

    Na, ich werde mal zum Kiosk und mir den kompletten Artikel holen.
    Man sieht sich – spätestens Samstagnacht im Berghain ;)

  • elpablo sagt:

    airen hat scheinbar einen wichtigen punkt vergessen – musik. und die ist mit sicherheit nicht minderwertiger geworden… im übrigen schön zu wissen, dass auch der mir noch unbekannte oder zumindest anonyme stammgast glamorama zur “kaffee-und-becks-fraktion” gehört. ;)

  • Clark Nova sagt:

    heißt das man kann jetzt wieder in den Tresor gehen? *g bzw. wo sollte der elektro-tourist hingehen, wenn ihm der berghain-hype auf die nerven geht, er aber trotzdem seinen hedonismus pflegen möchte?
    grüße aus leipzig.

  • Deef sagt:

    @Clark Nova: Versuch z.B. mal Suicide Circus an der Warschauer.

  • grinsekatze sagt:

    Mir geht dieses ganze “undergroundiger ist besser”-Gelabbere ziemlich auf n Sack.

    Bei aller Liebe zu Airens Texten, auch er war irgendwann zum ersten Mal da. Auch ich war vor zwei Jahren n Scheiss Touri, der sich das Ganze aus der Nähe ansehn wollte.

    Ne Nacht, n Club und die Mit- oder Nichtmitfeiernden sind das was man draus macht.

  • glamorama sagt:

    Ich hab’ mir mittlerweile den Musikexpress besorgt (und dummerweise bei einem Kurztrip in Rotterdam liegen gelassen) und kann mich mit Airens Kritik doch nicht so richtig anfreunden. Irgendwie scheint mir alles auf zwei Punkte hinauszulaufen:

    Erstens hat sich das Zeitfenster mit der besten Feierstimmung innerhalb des letzten Jahres deutlich verschoben. Das Miteinander von internationalen Clubgängern, schwuler Glatzenszene und Berliner Techno-Volk findet durchaus noch statt – allerdings nicht zu jeder Uhrzeit und auch nicht überall ;)

    Der zweite Punkt ist, dass bei Airens letzten Berghain-Besuchen offenbar weniger Drogen am Start waren als man das aus “Strobo” kennt. Das ist nun aber wirklich sein Problem und kein Minuspunkt fürs Berghain, oder?

  • Deef sagt:

    @Glamorama: 1.) Das Zeitfenster hat sich nach Sonntag früh bis tagsüber verschoben und das ist aus meiner Sicht eine Verschlechterung, weil mir das Berghain, sofern ich es ohne Schlangezustehen und mit gutem Publikum besuchen möchte, eine Feierzeit diktiert, die für mich akzeptabel, aber nicht optimal ist. Da du als Stammgast die Schlange umgehst, betrifft dich das weniger.
    2.) Die Abwesenheit von Drogen ist praktisch gesehen selbstverständlich nur für die ein Problem, die sie nehmen möchten. Und die Abwesenheit von Darkrooms wäre praktisch gesehen selbstverständlich nur für die Freunde von Darkroomsex ein Problem. Und die Abwesenheit von Leuten in Fetish-Gear wäre nur für Fetischisten ein Problem. Aber wäre das Berghain ohne Darkrooms, ohne Männer und Frauen in Sex-Klamotten und ohne den Ruf, dass es da Drogen gibt, noch das gleiche? Nein. Es wäre auch für Abstinenzler und Blümchensexler nur noch ein Technoschuppen mit imposantem Gebäude und gepierctem Türsteher und nicht mehr der verruchte Höllenclub, der sich weltweit einen Namen machte.

  • glamorama sagt:

    @Deef: Wow – die Argumentationskette bei Punkt 2 hat mich überzeugt!

    Man sieht sich — nächsten Samstag?

  • Deef sagt:

    @Glamorama: Das kann ich noch nicht sagen. Es gibt so viele interessante Clubs in Berlin. Falls ja melde ich mich.

  • grinsekatze sagt:

    Ich finde gerade dieses Spiel um die Gewissheit, dass es dies und jenes an einem Ort gibt sehr unangenehm. Es bauscht sowohl die Erwartungen, als auch den Druck auf.

    Als ehemalige Bewohnerin der Stadt wollte ich mir das Kit Kat, einige Homoschuppen und das Berghain ansehen. Es war amüsant,aufschlussreich aber auch bedrückend. Einmal wurde ich von mehreren Freunden begleitet, die sich sonst nicht in solchen Clubs rumtreiben.Lustig wird’s ab dem Moment wo ne absolut straighte Freundin rummotzt, weil sie auf der Lesbenparty nicht einmal angebaggert wird, wo der Besuch aus der Heimat enttäuscht ist, weil Marquardt nett war und auch im Berghain Leute am Tresen einpennen.

    Der “Ruf” als solches, hat was Praktisches, zusammengetüfftelt aus Fantasien jeglicher Art betten wir uns alle gemeinsam darin ein

    Auch das Berghain ist “nur”"ein Technoschuppen mit imposantem Gebäude und gepierctem Türsteher”.

    Ich kann damit leben.

  • Deef sagt:

    @Grinsekatze: Was möchtest du sagen? :)
    Du warst im Berghain, weil du einen Homoschuppen sehen wolltest und fandest dann, dass es doch nichts besonderes ist, weil auch dort Leute am Tresen einpennen? Und was genau war bedrückend?

    Es kommt im Berghain übrigens durchaus vor, dass Türsteher rumgehen und Schlafende, die es sich außerhalb der Chillingzonen und dem Garten bequem gemacht haben, wecken und vor die Wahl stellen, wach zu bleiben oder zu gehen, weil “dit is hier kein Hotel, fahstehste?”

  • glamorama sagt:

    … und ich dachte immer, das Berghain wäre das lauteste Hotel der Welt. Wenn bloß die Zimmer nicht so dunkel wären … :-D

  • grinsekatze sagt:

    Ich glaub dies ist der richtige Moment um nicht weiter zu kommentieren, hatte gedacht hier könnte ne interessante Diskussion stattfinden…

    …aber wenn’s nur um “diktierte Feierzeiten” oder nen “verruchten Höllenclub” den es nie gegeben hat geht, dann will ich euch nicht weiter stören.

    Ich find den Schwanzlängenvergleich aber recht lustig. Wer die meisten Hausregeln kennt und nicht Schlange stehn muss gewinnt.

    In deinem Post “So kommst man durch die härteste Tür Berlins”( das “kommst” stammt von dir) schreibst du “Das bestätigt meine Beobachtungen”… Darf ich es mir erlauben zu fragen, ob du vor dem erwähnten Post schon mal da warst? Darf ich dich fragen, wie man auf die Idee kommt überhaupt solch einen Post zu schreiben?

    Es ist immer wieder beeindruckend wie Zugezogene es noch immer fertig bringen, sich gegenüber den Touris überlegen zu fühlen…

  • Deef sagt:

    @Grinsekatze: Ich hab versucht, eine Diskussion mit dir zu führen, aber du äußerst dich missverständlich und beantwortest meine Nachfragen nicht. Den Artikel schrieb ich, um Wissen, welches ich durch zahlreiche Berghainbesuche und ein persönliches Gespräch mit Sven Marquardt erwarb, zu teilen. Eine Hilfestellung auch für Touris. Wäre ich auf Überlegenheit aus, hätte ich mein Wissen für mich behalten. Ich bin übrigens gebürtiger Berliner.

  • grinsekatze sagt:

    Nichts für ungut Deef.

    Ich les mich momentan durch die Blogosphere und ich muss ehrlich zugeben, dass ich bei Posts und Diskussionen wie diesen einfach enttäuscht bin (ich will dich nicht beleidigen,ich schreib nur wie’s bei mir ankommt) Mich macht dieses Party-Gehabe regelrecht traurig.

    Und genau von diesem Gehabe leben Clubs wie das Berghain.

    Ich für meinen Teil, hatte geile aber auch schlechte Stunden in diesem Club, das hat beides aber nichts mit dem Club sondern mit mir zu tun.Und das gilt auch für die anderen fetentauglichen Butzen.

    Berlin ist Berlin und n Club ist n Club. Die Stadt ist das was man draus macht, genau wie bei allen anderen Städten auch. Und tanzen kann man zu der richtigen Musik auch bei Oma im Garten.

    Ich habe in keinem einzigen Post gelesen, dass du einfach nur da abgetanzt hast, denn darum geht’s doch eigentlich…oder?

  • Deef sagt:

    @Grinsekatze: Diskussion heißt, aufeinander einzugehen. Diskussion heißt nicht, Vorwürfe zu machen, zu ignorieren, dass diese (weil haltlos) sofort widerlegt werden und neue Vorwürfe zu machen. Ich bin zweimal höflich auf dich eingegangen und habe zweimal patzige, abschweifende Antworten bekommen. Ich denke, das genügt.

  • glamorama sagt:

    Vielleicht sind das einfach nur die Tücken der virtuellen Kommunikation. Ich glaube, bei einem realen Gespräch an der Klobar wären wir alle lieb zueinander. Falls Ihr Lust habt: die erste Runde geht auf mich :)

    Man sieht sich!

  • grinsekatze sagt:

    ich versuch’s jetzt zum zweiten Mal

    falls doppelt, sorry

    http://www.grinsekatzeonline.net/?p=1493

RSS feed für Kommentare. TrackBack URL


Kommentar schreiben

 

Konserviert mit einem WP-Theme von TheBuckmaker | Hintergrundbild © Deef
Die Gefühlskonserve © Deef Pirmasens 2005-2012 | Impressum und Datenschutz