Flyer (cc) Design: gentlyradical.de – Foto: calvato.net – Model: zebramaedchen.de.
Schließen sich Literatur und Youtube-Clipculture aus? Ich glaube nicht und versuche es mit meiner Reihe von Multimedialen Lesungen zu beweisen. Junge Autoren lesen live, dazu laufen auf einer Leinwand passende Visuals und aus den Boxen kommen stimmungsverstärkende Sounds und Beats.
“Helden, Huren, Bastarde” ist das Motto der Lesung, die am Donnerstag, dem 1. Oktober 2009 in München stattfindet. Das Team umfasst außer mir folgende Komplizen:
dani L.: Der Druckgrafiker pendelt zwischen Kneipen, Clubs und Kunstkakademien (bis vor kurzem München, jetzt Basel, glaube ich) hin und her und lässt sich dabei zu Kurzgeschichten inspirieren. In seinem Blog dieser mann isst pop mystifiziert er seinen urbanen Alltag. Mehr über ihn im Interview bei Zeitjung.
Markus “Kapinski” Michalek wird von Sueddeutsche.de zu den “heimlichen Münchner Literaten” gezählt. Zusammen mit Elias Kreuzmair hat er die Lesereihe “Vom Boden unserer Kammern” auf die Beine gestellt. Seine Kurzgeschichte “Drei Städte” wurde in der Anthologie “Fünf von zwölf” im Lutz Garnies Verlag veröffentlicht.
Flo Heiner kam 2004 vom Chiemsee nach München, um Politikwissenschaft zu studieren. Er ist für die Magazine Curt und Der Greif tätig, moderiert bei Radio Feierwerk und arbeitet in der Musikredaktion von m945. Eigene Musik macht er mit seinen Bands Angela Aux, Futurehausen, L’egojazz.
Katrin Baumer veröffentlichte in der Anthologie “Fünf von Zwölf” (s.o.) die Geschichte “Sekunden in der Warteschleife”. Abgesehen davon hat sie natürlich ein Leben abseits der Literatur und eine Vergangenheit, die aus mehr als 24 Buchstaben besteht, hält aber alles außerhalb des Manuskripts für belanglos. Denn was zählt, ist auf dem Platz.
VJ gently.radical ist der Mann mit dem Plan in Sachen Design, Visuals und Videotrailer. Er gibt Phantasien Bilder. Reales Video- und Fotomaterial ergänzt der Kommunikationsdesigner um Symbole und Spielereien mit Typo. Jede Story erhält einen eigenen visuellen Stil. Der Lesungstrailer gibt schon einen Vorgeschmack.
Hinter der Theke vom Bar-Restaurant Niederlassung erwartet Euch Alex Schwarz mit seinem Gastro-Team. Alex hat die Niederlassung im letzten Herbst im ehemaligen Ododo eröffnet und komplett neu eingerichtet. Bei ihm gibt es neben den üblichen Getränke-Klassikern auch Fritz-Cola, Clubmate und das Bier unseres Sponsors Pilsner Urquell.
Also Freunde, wir freuen uns auf Euer kommen. Wer das verpasst, ist entweder tot oder im Knast. Wenn Ihr im Knast seid, brecht aus!*
NIEDERLASSUNG präsentiert:
HELDEN, HUREN, BASTARDE
Multimediale Lesung mit Musik und Visuals von Deef Pirmasens and Friends
Donnerstag, 1. Oktober 2009, 20 Uhr, Eintritt 4 €
im Bar-Restaurant NIEDERLASSUNG, Buttermelcherstr. 6, München.
Bei Facebook vormerken hier. Videotrailer anschauen dort.
unterstützt von:
*: Na wer hat das Simpsons-Zitat erkannt? Episode Bart the Daredevil.
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Schade, dass München so Scheisse weit weg ist.
Ernsthaft.
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Karla und Guido Corleone erwähnt. Guido Corleone sagte: München! Am Donnerstag veranstaltet mein Kumpel Deef wieder eine multimediale Lesung: http://bit.ly/2aP9pF [...]
Zunächst ein großes Lob an Euch: die Idee, eine Lesung mit audiovisuellen Elementen zu unterstützten, gefällt mir sehr gut und ich bin immer begeistert von Leuten, die ihr eigenes Projekt auf die Beine stellen. In diesem Sinne: Hut ab!
Leider muss ich aber auch ganz ehrlich sagen, dass ich mir vom gestrigen Abend mehr erwartet hätte. Aus diesem Grund möchte ich Euch meine hoffentlich konstruktiven Gedanken mitteilen. Ich hoffe, ihr versteht diese nicht als zynische Gürtelschläge.
1) Es ist klar: einen Text vor einem Publikum vorzutragen ist schwierig und natürlich kann das Lampenfieber einem einen Strich durch die Rechnung machen. Mir ist nur aufgefallen, dass Deef Pirmasens – trotz einer ziemlich souveränen und gelungenen Moderation – Probleme beim Vorlesen hatte und dadurch sein Text sehr an Überzeugungskraft verloren hat. Auch das Vorlesen des Klappentext von “Deutsch für den Ausländer” verlief ziemlich schief und unglücklich. Wenn ihr den Anspruch erhebt, eine professionelle Lesung zu veranstalten, dann müsst ihr viel mehr in Eure Texte hineingehen. Selbstverständlich kann und darf man sich mal verlesen, aber wenn ein Dialog in einem “coolen” Diktus geschrieben ist, dann muss er auch “cool” vorgetragen werden. Mein Tipp an alle, die gestern vorgetragen haben, versucht ein paar Stunden Schauspielunterricht zu nehmen. Ihr könnt dadurch irrsinnig an Selbstsicherheit gewinnen und lernt vor allem richtig zu Atmen. Eigentlich sollte jeder einmal so einen Kurs besuchen.
2) Zum Thema Dialoge: ich kenne einen Autor, der zu Beginn seiner Karriere täglich zehn Stunden (!) nichts als Dialoge geschrieben hat. An ihnen entscheidet sich einfach, ob ein Text der Text aus einer professionellen Feder stammt oder nicht. Das Problem ist ganz einfach: es reicht ein falsch gesetzter Dialog (ob nun sprachlich unpassend formuliert oder falsch in die Gesprächsatmosphäre integriert) und der gesamte Text wandert in die Tonne.
3) Warum kopiert ihr bereits Existierendes? Hiermit möchte ich vor allem den Text von Markus „Kapinski“ Michalek ansprechen. Was sollte diese vollkommen unpassende Einbindung der Todsünden? Hat mich viel zu sehr an Tannöd erinnert oder all die anderen Sachen, die sich an den Todsünden aufhängen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich der Text dadurch nur an einen Schüleraufsatz aus der 12ten Klasse erinnert hat. Auch der Aufbau der Geschichte, das ungeschickte Ende – einfache keine Raffinesse, kein Charme, keine Kreativität. Da muss ich echt sagen, dass ich froh war, als die halbe Stunde um war. Die Person „Hermann“ / „Harry“ war mir einfach viel zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Wenn ihr über die „Schizophrenie“ einer Person schreibt, dann gibt es doch so viele bessere Ansätze. Schaut Euch doch um, wer alles ein Doppelleben führt. Da muss nicht schon wieder ein Boulevardjournalist als Typus dienen.
So, das sollen vorerst meine Anmerkungen gewesen sein. Vielleicht noch eine allerletzte Sache: ich fand es extrem nervig, permanent fotografiert zu werden. Fünf Minuten wären ja in Ordnung gewesen, aber diese Dauerablichten hat wirklich gestört.
Ich hoffe, ihr habt meine Kritik nicht in den falschen Hals bekommen, sondern nehmt sie als Ansporn noch ein kleines bisschen mehr zu geben.
Beste Grüße,
Max
Hallo Max, danke für deine Kritik. Wenn es dir gefallen hat, komm wieder.
Lieber Max,
erstmal herzlichen Dank für Deine Kritik. Dazu möchte ich mich meinem Vorkommentator “Deef” anschließen.
Jetzt aber was Anderes, da Du mich ja persönlich kritisierst, allerdings nicht die Eier hast, mir das nach der Lesung auch persönlich zu sagen. Etwas, was ich immer sehr opportun finde.
Erstens: Ich habe Tannöd nicht gelesen, weil mich dieses Buch nicht die Bohne interessiert. Von daher kann von einer Kopie nicht die Rede sein, was ich allerdings verfolgt habe, war der Prozess gegen die Tannöd-Autorin.
Zweitens: Die Bibel, sowie die griechische Mythologie sind zwei von vielen Basen der Literatur. Völlig normal, dass man sich da als Autor “bedient”, oder erwartest Du, dass ich 2000 Jahre Kulturgeschichte neu erfinde?
Drittens: Es ging in diesem Text nicht die Bohne um Schizophrenie, sondern um die Verführbarkeit der Menschen. Da Du zwar die sieben Todsünden herausgefiltert hast (Kompliment, immerhin scheinst Du etwas von Literatur zu verstehen), ist Dir aber anscheinend die Bedeutung der eingestreuten Liturgieelemente entgangen. Darüber würde ich an Deiner Stelle noch einmal nachdenken. Auch über den Drang des Menschen, sich immer über sich zu erheben, ggf. “über Leichen”, bzw. Freundschaften zu gehen. Machtdiskurse und Co. hier als Stichwort.
Viertens: Das Prädikat “Schüleraufsatz” empfinde ich nicht wirklich als Beleidigung, ich bin hingegen durchaus bereit, mir von Dir Nachhilfe geben zu lassen!
Fünftens: Ich danke Dir ausführlich für Deine kritischen Worte … immerhin ist Kritik etwas, was man sich oft mehr verdienen muss, als Lob. Wenn Du mit mir persönlich noch weiterdiskutieren möchtest, dann weißt Du sicherlich, wie und wo Du mich erreichen kannst.
Sechstens: Über Geschmack lässt sich immer streiten. Deswegen kann ich Deine Bemerkungen wie “fehlende Raffinesse, Kreativität”, usw. nicht ernst nehmen. Der eine mag dicke Frauen, der andere lieber Blonde, ach was weiß ich. Ich würde mich aber freuen, von Dir Beispiele eines gelungenen Textes zu lesen, der aus DEINER Feder stammt. Was mir nämlich ernsthaft auf den Geist geht, sind jene kritischen Köpfe, die selber nichts erschaffen, aber immer der Meinung sind, sie wüssten es besser. Leider Gottes gibt es von dieser Sorte Menschen sehr viele. Ich hoffe, Du gehörst, trotz Deines Kommentars, nicht dazu!
Man sieht sich auf der nächsten Lesung, im November dann !!!!
In diesem Sinne ;-)
Ein schönes Wochenende
Kapinski
Lieber Deef,
liebe Mitleser,
ich finde die Idee der multimedialen Lesung an sich unglaublich erfrischend und auch sehr gut umgesetzt. Natürlich gibt es noch minimale Schwächen aber das Projekt exisitert ja auch noch nicht solange und mit der Erfahrung kommt dann wahrscheinlich auch das Selbstbewusstsein und schwindet die Aufregung.
Die ist mir gestern an Deef auch sehr aufgefallen, ich finde es aber eigentlich sehr sympathisch. Schliesslich hält er keinen Vortrag vor tausend Marketingmenschen im Anzug und bekommt einen Haufen Geld dafür – er ist mit Herz und Leidenschaft bei einem neuen Projekt und selbstverständlich dann auch nicht immer ganz sicher im Text bzw. in der ganzen Handhabung. Sollte das in 1-2 Jahren immer noch der Fall sein, dann würde ich es auch kritisieren.
Die Umsetzung der Literatur gefällt mir sehr gut. Ich war gestern schon sehr früh da und habe so mitbekommen, dass auch noch viel daran gefeilt wird. Den Text kann man tatsächlich mit “Tannöd” vergleichen, mir ist der Gedanke allerdings nicht gekommen – obwohl ich das Buch gelesen und verrissen habe.
Allerdings hat mir ein bisschen der Unterschied zur letzten Lesung gefehlt, natürlich vom Text mal abgesehen. Wieder ähnlich vertont, wieder ähnlich auf die Leinwand gebracht, gleiche Aufstellung etc. – da könnte bei wiederholten Besuchen leicht Langeweile aufkommen. Der Flyer von “Deutsch für den Ausländer” lässt aber auf Abwechslung hoffen, ich werde also wahrscheinlich doch wiederkommen :-)
Und allein schon wegen dem tollen Ambiente in der Niederlassung, der netten Bedienung und dem leckeren Essen (die Quiche – ein Traum!) würde ich wiederkommen, ich gebe es ja zu!
Ich bin im Jahr auf circa 30-50 professionell organisierten Lesungen (ohne Buchmessenicht mitgezählt) und sie mögen zwar meist ohne Fehler ablaufen, dafür fehlt ihnen aber die Leidenschaft und das persönliche Engagement, das hier von Deef, seinen Kollegen und Alex mitgebracht wird.
Macht ruhig weiter so, obwohl Ihr Euch natürlich jederzeit auch noch steigern dürft ;-)
Viele Grüße aus dem Münchner Westen,
Karla
Die Multimediale Lesung als Spielplatz für junge Nachwuchsautoren ist super spannend, wenn man sich dafür interessiert, was denn die 20-somethings so denken und beschäftigt. Ein Tummelplatz für Mutige, eine Spielwiese zum Experimentieren, eine Bühne für (fast) Unbekannte. Die Mischung gestern hat -wie schon zuvor- voll zum Konzept gepasst: von allem und für alle was dabei, vom Schenkelklopfer bis zum Exzess.
Zugegeben, nicht immer läuft alles rund, aber wo wäre man, wenn es nicht noch immer auch Raum nach oben gäbe, in den man hineinwachsen kann. Die eine oder andere Vortragsschwäche (die Max kritisiert) wird locker doch die sympathischen Persönlichkeiten wettgemacht, die sich der Gunst (oder auch manchmal Ungunst) des Publikums stellen; das findet man schnell raus, wenn man mit den Leuten auch nach dem Programm noch ein paar Worte wechselt.
Ich fand, es war ein sehr abwechslunsgreicher “Lese-Abend”, und die Vorankündigung auf das nächste Mal macht mich schon mal sehr neugierig.
@Max: Interessant, dass Dir gerade der Herr Kapinski so ins Auge sprang … schließlich haben die besten Schreiber mit den härtesten Kritikern zu kämpfen.
Gruß & viel Spaß beim nächsten Tannöd-Schmöckern. Du weißt ja anscheinend recht genau, was gut ist …
Erst einmal sei gesagt, dass dieser Donnerstag wieder einmal ein toller Abend war. Diesmal hatte ich noch ein paar Freunde mehr eingeladen und selbige waren genauso begeistert wie ich es bin.
Der Abend hat mir eigentlich durchweg gefallen und ich fand es auch nicht sonderlich schlimm, als Deef sich ein, zwei Mal verlesen hatte. Mal ganz ehrlich, bei solch einem Projekt, nehme ich es dem Autor nicht übel, wenn er mal an seinem Text stolpert und um ehrlich zu sein, dachte ich mir (auch wenn ich nicht weiß wieso) schon die letzten Male, er würde sich gleich verlesen oder kurz stottern. Glücklicherweise wurde ich jedes Mal enttäuscht. Das so etwas also einmal passiert, empfinde ich weder als Hals-, noch Beinbruch.
Auch die restliche Lesung fanden wir durchweg gelungen, Allen voran war ich von Katrin Baumer überrascht, da mir ihre Stimme zu Beginn ihres Auftritts absolut nicht zusagte, mich ihr Text aber dann zu begeistern wusste und ich das Gesamtbild bestehend aus Vortragweise und Vortragsinhalt von Minute zu Minute passender und besser fand.
Ich habe sicherlich noch einiges an Literatur nachzuholen, um überhaupt großartig konstruktive Kritik üben bzw. um an dieser ‘Tannöd’-Diskussion teilhaben zu können, aber wir fanden Kapinskis Text eigentlich alle sehr gut und lauschten ihm auch teils gebannt, teils fasziniert vom Inhalt.
Mir persönlich kam die Einbindung der Todsünden auch ein wenig merkwürdig vor, oder sagen wir besser ein klein wenig unpassend. Es tat der Sache aber keinen Abbruch, dass die Geschichte um Harry interessant war.
Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die nächste Lesung im November.
Flo
[...] von „Helden, Huren, Bastarde“ (eine multimediale [...]
Ich erkläre die Lesung hiermit für offiziell gelungen!
Sie war interessant, unterhaltsam, ansprechend und – um einen Lehrer von mir zu zitieren – so wie Kunst sein soll ”Auch mal ein klein bischen langweilig” ;-)
Und dabei wurde sogar mein Niveau nach dem Konsum von drei Bieren bedient – diesen Spagat schaffen die wenigsten!
Aber ernsthaft: Die Auswahl der Autoren und Texte war gut ausgesucht und das Konzept war gut durchdacht. Wenn sich jemand nicht unterhalten fühlte, soll er doch im stillen Kämmerlein Tannöd lesen.
Die Visuals waren klasse und wirkten immer gekonnt und unterstützend.
Natürlich hat man nicht immer alles phonetisch verstanden, aber es sei ihnen verziehen. Das waren ja auch keine Schauspieler, die gelesen haben, sondern Schriftsteller. Es ging um die Begegnung mit jungen Autoren und deren Publikumskontakt. Wer jetzt von denen verlangt, sich einen Korken in den Mund zu stecken und aus falschem Ehrgeiz jeden Tag zwölf Stunden brav das Lesen zu üben, der vergleicht Äpfel mit Birnen.
Ich für meinen Teil werde im November wieder kommen und zwar doppelt und dreifach und die Lesungen von Deef weiterempfehlen. Derart professioneller und experimenteller Ansatz wird in der freien Szene immer seltener.
Bestimmt wird es dann auch pseudo-intellektuelle Kommentare von neidischen Schattenkünstlern regnen, aber das heißt ja nur, das sich die Leute damit beschäftigen, und das ist ja nur gut.
Schlechte Kritik ist wie wenn eine Katze einen toten Vogel anschleppt. Es ist lästig und ekelhaft aber im Grunde ein Zeichen von Liebe.
In dem Sinne!
LG Micha