
Darf’s ein bisschen Trash sein? Kein Problem mit dem aktuellen Kinoprogramm: HOUSE OF WAX, KUNG FU HUSTLE und KRIEG DER WELTEN.
HOUSE OF WAX:
Ja Jungs, das ist der Horror-Film mit Paris Hilton. Viel ansehnlicher als sie ist allerdings Elisha Cuthbert aus „24“, die auch mit von der Partie ist. Wie bei Teenie-Slasher-Filmen üblich, wird eine Gruppe junger Leute von fiesen Unholden nach dem Prinzip „Zehn kleine Negerlein“ gemeuchelt. Im Mittelpunkt steht ein Wachsfigurenkabinett in einem abgelegenen amerikanischen Kaff. Der Ort des Grauens ist das einzige, was dieses Remake mit dem Vorbild „Das Kabinett des Professor Bondi“ gemein hat. 1953 hat Hauptdarsteller Vincent Price (kennst Du als Grusel-Lache aus Michael Jacksons „Thriller“) Kinobesucher in Angst und Schrecken versetzt. HOUSE OF WAX hat dagegen sehr unterhaltsame Momente. Das liegt vor allem daran, dass Paris sich selbst spielt und eine augenzwinkernde Anspielung auf ihren öffentlichen Privatporno nicht fehlt. Wenn Du das Genre (gemeint sind Schlitzerfilme) magst, dann wirst Du in HOUSE OF WAX bestens bedient. Schöne Girls, ein passabler Metal- und Rocksoundtrack und ein Schuß Ironie garantieren kurzweilige Unterhaltung.
KUNG FU HUSTLE:
Wenn man Jackie Chans MAD MISSION-Movies mit DIE NACKTE KANONE, MATRIX, und KILL BILL zu einem neuen Film zusammenrührt, dann kommt KUNG FU HUSTLE dabei raus. Der Film spielt im Shanghai der 40er Jahre. Die Mieter eines Armenviertels werden von einer Straßengang bedroht. Das ist die schlichte Handlung. Sie stellt nur die Bühne dar, auf der sich die aberwitzigsten Kung-Fu-Stunts abspielen. Die Akrobatik bekommt mit Zeitraffer-, Bullettime- und Motion-Blur-Effekten einen noch nie gesehenem Pep. Das und die ironischen Dialoge machen den Film zu einer Genre-Parodie, die klamottig, aber überraschend und ulkig ist. Schamlos werden Anleihen genommen bei Filmen anderer Genres wie SHINING (Blutflut im Flur) und DER HERR DER RINGE (Angriff der Skelettarmee). Wenn Du fernöstlicher Hau-Drauf-Action nicht abgeneigt bist, dann ist KUNG FU HUSTLE eine gute Wahl. Er lässt Dich stauen und lachen. Kritik gibt es für die Länge. Gegen Ende hat man alles gesehen und langweilt sich.
KRIEG DER WELTEN:
Die TAZ feiert Spielbergs neuem Blockbuster, als „Märchen“, „schwarze Fabel“ und „unruhigen Traum“. Die SÜDDEUTSCHE schwärmt: „Es gibt Momente und Sequenzen in diesem Film, die sind von eindringlicher Schönheit, sind ein Crashkurs ursprünglicher – manchmal zarter, manchmal grausamer – Kinoerfahrung, den man nicht zerreden sollte.“ SPIEGEL-Online frohlockt über die Metaphorik: „Noch nie hat das Kino eine derartige Todesikonografie gewagt: Die brennenden Büros der Zwillingstürme sind in ihr ebenso enthalten wie die Transportzüge in die KZ.“
Uff! Bloß raus aus dem verkopften Assoziativspeicher des Elfenbeinturms und zurück in die gefühlte Wirklichkeit des Kinosessels. Ich mag Spielberg-Filme und ich mag Tom Cruise. Um so mehr empfinde ich das, was die Herren mit KRIEG DER WELTEN abgeliefert haben, als Beleidigung. Das Machwerk ist ein handlungsarmes, mit den Namen Spielberg und Cruise PR-mäßig aufgebonztes NICHTS voll schlaffer Dialoge und grenzenlosem Langeweilefaktor. Eine treffende Einschätzung von SWR3-Moderator Jo Müller: „Es war Spielberg sehr wichtig, den Bezug zum 11. September herzustellen. Ich finde allerdings, dass das misslungen ist – denn solche Trickeffekte ist man eigentlich von Herrn Spielberg nicht gewöhnt: Sie wirken, als wären sie aus einem Computer-Spiel. Vor allem: Die ganze Geschichte ist absolut ideenlos.“
Wenn Du noch einen Verriss brauchst, um den so genannten „Blockbuster des Sommers“ als gehypte Scheiße abzutun, dann ließ CINEMA. Zitat: „Nee, das war nichts, Steven!“