Feb
18
2008

Ich bin der Mann mit 120 Stimmen

Stimmtzettel - Foto von Deef

Bei der Münchner Kommunalwahl am 2. März darf man den Oberbürgermeister, den Bezirksausschuß und den Stadtrat wählen. Eine Stimme für den OB, 39 für den Bezirksauschuß und 80 für den Stadtrat. Macht zusammen 120. Ich bin passionierter Briefwähler und vergebe schon heute meine Stimmen. Aus dem dicken DinA4-Umschlag fallen mir soviele Zettel entgegeben, wie sonst Werbeprospekte aus der Samstagsausgabe einer Reginalzeitung.

Der Wahlzettel für den Stadtrat hat die Größe des vollaufgefalteten Münchner Stadtplans und stellt mir elf Listen mit circa 800 Kandidaten zur Auswahl. Wäre in einer engen Wahlkabine schwierig zu handhaben, aber auf meinem Wohnzimmerboden gehts. Die einfache Variante ist, eine Liste zu wählen und Schluss. Da ich aber keine Stimmen an die Kandidaten auf den billigen Plätzen am Listenende verschwenden will (ja verschwenden, denn sie bekommen am Ende kein Mandat und meine Stimmen verpuffen wirkungslos) entscheide ich mich für die gezielte Einzelwahl. Das Problem: ich kenne nur eine handvoll der 880 Kandidaten namentlich.

120 Stimmen bis zum Ziel - Foto von Deef

Also wähle ich doch nach Parteienvorschlag und gebe den Kandidaten in den oberen Listendritteln von mir genehmen Parteien jeweils drei Stimmen. Die restlichen Stimmen bekommen Kandidaten mit außergewöhnlichen Berufen. Die Spitzenkandidatin der Rosa Liste ist zum Beispiel Selbstverteidigungstrainerin. Vielleicht hätte ich sie auch aus anderen Gründen gewählt, wenn ich die Parteiziele erfahren hätte. Dummerweise erklärt mir die Rosa-Liste-Homepage beim Klick auf “Rosa Ziele” lediglich, “Sie sind nicht berechtigt, diesen Bereich zu sehen”.

Ich werfe nochmal einen Blick auf die beigefügte Anleitung, um beim Eintüten in die verschiedenen Umschläge nichts falsch zu machen. Dann klebe ich den letzten, äußersten Umschlag zu und bring ihn zum Briefkasten. Genug Bürokratie Demokratie für heute.

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Geschrieben von Deef in: Akte Deef | Tags: , , , , |
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10 Kommentare

  • Chris sagt:

    Da fragt man sich in der Tat, wie tief wir zukünftig in die Politik einsteigen müssen, um “ordentlich” wählen zu können….

  • steffen sagt:

    “Da ich aber keine Stimmen an die Kandidaten auf den billigen Plätzen am Listenende verschwenden will (ja verschwenden, denn sie bekommen am Ende kein Mandat und meine Stimmen verpuffen wirkungslos)”

    Ich glaube, dass ist beim Listenwahlsystem ein bisschen anders. Da fallen alle Stimmen, auch von den hinteren Plätzen, erst einmal den ersten zu und was der nicht braucht zum Einzug (wohin auch immer) fällt dann dem zweiten auf der Liste zu und so weiter. Das führt im Zweifelsfalle zu der Kuriosität, dass der Listenletzte vielleicht die meisten Stimmen bekommt, aber nicht einzieht ins Parlament o.ä., wenn nicht die Stimmen insgesamt für alle reichen – und das müssten sie, denn er ist der Letzte.
    Ein Hesse sagte mir vor Jahren, er habe bei der Kommunalwahl 90 Stimmen gehabt. Dachte nicht, dass das noch zu schlagen ist.

  • Deef sagt:

    Wenn man per sogenanntem “Listenkreuz” wählt, also seine Stimmen der ganzen Liste gibt, dann erhält jeder Kandidat auf dieser Liste eine Stimme. Ausnahme: wenn die Partei möchte, dass bestimmte Kandidaten mehrere Stimmen bekommen, dann stehen diese mehrmals (in mehreren Zeilen untereinander) auf der Liste. Siehe auch beispielsweise hier.

  • steffen sagt:

    Ich hab auch noch mal nachgeschaut, dass von mir beschriebene Verfahren bezieht sich auf eine “starre Liste”, es gibt aber auch “freie Listen”, wo innerhalb der Liste von den Wahlberechtigten frei gewählt werden kann.
    Eine gut erklärende Stelle hab ich nicht gefunden, aber es ist ja gerade der Witz einer Wahlkommission (die in der Regel stark von Parteivorstand und weiteren hochrangigen Parteimitgliedern bestimmt wird), dass die dem Vorstand genehmen Kandidaten auf der Liste für die Wähler ganz oben stehen, weil alle Stimmen erst einmal den oberen Kandidaten zufallen… Ach verdammt, der unionista kann das aus dem Stehgreif bestimmt besser erklären.

  • Deef sagt:

    War PoWi nicht auch Dein Hauptfach? ;)

  • steffen sagt:

    Nein. Ich hatte als Hauptfächer Biertrinken und Ausschlafen und in den weiteren, freiwilligen Nebenfächern Philosophie und KMW.

  • Deef sagt:

    An das Trinken erinnere ich mich dunkel. Ich glaube wir hatten da ein paar Blockseminare zusammen.

  • steffen sagt:

    Nee, das war Whiskey oder vielleicht auch Whisky (aber eher Whiskey), wie mir hinterher erzählt wurde. Wo bleibtn der Unionista mit der Auflösung. Der Listenwahl, nicht des Seminars. Ach, hab ich dir mal vom Wodka-Seminar mit dem Unionista erzählt. Sehr pointenreich für die kurze Zeit, die wir durchgehalten haben.

  • unionista sagt:

    Blockseminar 1: Bier und Johnny Walker Red Label.

    Zum Rest äußere ich mich nicht :-)

  • Deef sagt:

    An dem Abend hattest Du sehr lecker gekocht, Unionista.

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