Aug
26
2009

Inglourious Basterds

Ich mag Filme von Quentin Tarantino. Den letzten, Deathproof, habe ich dreimal im Kino und dreimal auf DVD gesehen. Man kann also sagen, mir gefällt der Film. Glaube ich deswegen, dass Deathproof hohe Filmkunst ist? Nein. Deathproof ist Trash mit sympathisch-irren Charakteren, unterhaltsamen Dialogen, schönen Filmgenre-Zitaten und satirisch zur Schau gestellter Gewalt. Gleiches gilt grob gesagt auch für Pulp Fiction, Jacky Brown und Kill Bill. Und jetzt also Inglourious Basterds.

Den halte ich auch nicht für hohe Filmkunst. Unterschied zu den vorgenannten: Inglorious Basterds gefällt mir nicht. Er hat einige phantastische Szenen, wie z.B. die allererste, aber auch viele schwache. Dass Tarantino nicht auf Perfektion setzt (falsche Uniformen, falsche militärische Ränge, Hitler sagt am Telefon “Danke, dass Sie mich erinnert haben” zu einem Sekretär, miese Qualität der Babelsberger Kulisse), will ich ihm gar nicht ankreiden. Wohl aber die Hölzernheit des Drehbuchs und die widerlich detailliert gezeigte Gewalt (Baseballschläger gegen Köpfe, Messer in Stirnen, Maschinengewehrfeuer in die Menge), die nicht durch satirische Überzeichnung (wie beispielsweise bei Kill Bill) psychologisch entschärft wird.

Christoph Waltz spielt den “Gentleman-Nazi” Hans Landa grandios und rettet so den Film vor der Bedeutungslosigkeit. Auch August Diehl beeindruckt. Daniel Brühl bleibt trotz vieler Dialogszenen blass. Till Schweiger darf tun, was er am Besten kann: grimmig schauen und die Klappe halten. Brad Pitt, den ich sehr schätze, ist für die Rolle des Nazijägers grob fehlbesetzt. Da er zu jung und gut aussieht, schneidet er ständig eine Grimmasse. Und verstellt die Stimme. Wenn das ein revolutionäres Stilmittel sein soll, dann gute Nacht Schauspielkunst. Für Pitts Rolle hätte ein Vierschröter vom Schlage eines Kurt Russel oder gar einer wie Samuel L. Jackson (ein Schwarzer, der im besetzten Frankreich Nazis jagt, das wäre doch mal revolutionärer Trash gewesen, was Quentin?) gepasst.

Als Tarantino-Fan sollte man Inglourious Basterds natürlich trotzdem anschauen und vielleicht ist man mehr erfreut als ich. Ich empfehle dringend ihn mit Originalton zu sehen. In etwa einem Drittel des Films wird ohnehin Deutsch gesprochen.

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Geschrieben von Deef in: Filme und Serien | Tags: , , , |
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13 Kommentare

  • Blabbermouth sagt:

    Du triffst es haargenau – das waren exakt meine Gedanken nach dem Film! Christoph Waltz hat hier eine Glanzleistung abgegeben, die ihn sowieso zum Hauptdarsteller macht, neben ihm gehen die anderen völlig unter…

  • Attention, here be Spoilers.

    Den Punkt mit der Gewalt hatte man ja schon im Vorfeld gehört. Hier bin ich etwas irritiert: Ich fand die Gewalt zu keiner Sekunde übertrieben. Man rufe sich mal die Ohr-Szene aus Reservoir Dogs in Erinnerung.

    Ich weiss auch nicht wie in Kill Bill die Gewalt psychologisch mehr entschäft sein soll. Beim Kampf von Kiddo gegen die Crazy 88 fliegen eine Viertelstunde lang Körperteile durchs Bild. Und das soll weniger brutal sein? Psychologisch entschärft? Die Einführung von Hugo Stiglitz ist da mMn Entschärfung genug.

    Ich habe etwas viel brutaleres erwartet, Größenordnung Planet Terror. War sogar drauf eingestellt das Kino zu verlassen. Ich hatte eher Angst dass Tarantino hier über die Strenge schlägt – Eli Roth im Cast zu haben will ja auch was verheissen. Meiner Meinung nach hat er das aber grandios gelöst: Gewalt und Humor halten sich so punktgenau die Waage, dass man (ich) nie das Gefühl hat(te) es werde zu viel.

  • Jana sagt:

    Haahaa! Netter Standpunkt. Danke dafür. :)

  • Deef sagt:

    @UsuallyUseless: Eben weil in Kill Bill geradezu lächerlich gemetzelt wird, eben weil das Blut wie aus einem Duschkopf spritzt und zwar als kontinuierlicher Strahl und nicht im Herzschlag-Puls ist es für mich so überzeichnet und unrealistisch, dass ich es als Splattersatire und nicht als unangenehme Gewaltdarstellung wahrnehme. Inglourious Basterds fehlt diese Überzeichnung, dort werden Brutalitäten detailliert und realistisch gezeigt.

  • @Deef Meiner Meinung nach ist Basterds durch die Bank so absurd, dass so eine pure, gewalttätige Stimmung nie so recht aufkommen will. Einzig die Eingangsszene wirkt erschreckend (hat mich irgendwie an “Die Wohlgesinnten” denken lassen). Danach hatte ich das Gefühl, dass Tarantino allen gezeigt hat wie er glaubwürdig er die Nazi-Zeit rüberbringen kann um danach auf lächerlich/absurd/komisch umzuschalten. Diese Stimmung hat mich dann auch nicht mehr losgelassen und dementsprechend war ich ausreichend “detached” um von den Gewaltdarstellungen nicht sonderlich berührt zu werden.

  • Gn sagt:

    ufff und ich dachte schon ich bin der einzige der so denkt.
    Kommt mir irgendwie so vor als würde sich keiner trauen was schlechtes zu sagen weil es ja ein Tarantino Film ist. uhuhu

  • Stefan sagt:

    Deef, Du bist nicht allein!!!

    Mir hat der Film auch nicht gefallen, und ich würde folgendes noch ergänzen:
    - Brad Pitt spielt völlig hölzern.
    - Die “Basterds” sind eigentlich fast schon Nebenfiguren, obwohl der Film ihren Namen im Titel trägt
    - Der Mix aus “US-Stars” und bekannten deutschen TV- und Filmschauspielern war für mich eher befremdlich.
    - Die Geschichte ist zu lange und zu langweilig, ohne Kniff und Esprit.

    Kein Wunder, dass der “Stoff” fast 8 Jahre gebraucht hat, bis ihn Tarantino dann doch verfilmt hat. Besonders inspiriert wirkte das Drehbuch nicht auf mich.

    Wir waren übrigens zu sechst im Kino, und ich war der einzige der mit einem schlechten Gefühl rausgegangen ist … oder einzige, der es zumindest zugegeben hat. Hab mir dann am Wochenende aber auch Deathproof angeschaut, und ich bin mit Tarantino wieder versöhnt. So kann’s gehen.

  • Deef sagt:

    Deathproof rockt. Wenn wir uns das nächste Mal sehen, möchte ich übrigens Shipsmast spielen.

  • Sascha sagt:

    Zum neuen Film kann ich (leider) noch nix sagen, gucke ich mir aber auf jedenfall an. Deathproof ist sicherlich keine hohe Filmkunst, da stimme ich Dir zu. Aber Jackie Brown und Kill Bill?? Ich finde die Filme grandios. Klar sind sie trashig, aber eben auch perfekt besetzt, grandios gespielt und künstlerisch wertvoll. Das wollte ich nur schnell loswerden :-)

  • Sebastian sagt:

    Mir geht es dabei ähnlich. Die Mischung aus Kriegsfilm und Spaghetti-Western ist eigentlich ganz gut gelungen (“Once upon a time in Nazi occupied France…”, gleich der erste Satz macht das deutlich), die Dialoge typisch Tarantinoesk. Andererseits war es mir persönlich stellenweise zu viel splatter. Killing Nazi-Fucks ist ja okay, aber bei Leichenfledderei wirds heikel.

    Und was ich mich nach wie vor noch frage: Warum richten sie ihre Walther auf meine Hoden?

  • [...] Film fängt auch mit einer der besten Szenen überhaupt an: ein unheimlich überzeugend spielender Christoph Waltz alias. “Hans Landa, der Judenjäger” – man kann es wohl nicht oft genug betonen, [...]

  • [...] von “Inglorious Basterds” fällt jedoch nicht so gut aus – das sieht die “Gefühlskonserve” so ähnlich wie die Zeitschrift “Konkret” (siehe Heft [...]

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