Man stelle sich vor, Francis Ford Coppola hätte vor dem Drehbeginn von “Der Pate” (Reklamelink zu Amazon) Drohungen der Mafia erhalten. Was hätte er getan? Vielleicht außerhalb der USA gedreht? Unwahrscheinlich, aber möglich. Könnte der Ausweichdrehort möglicherweise in Finnland liegen? Absolut unglaubwürdig. Dennoch ist genau das der Rahmen der Handlung, die Kari Hotakainen in “Lieblingsszenen
” (Reklamelink zu Amazon) erzählt. Und überraschender Weise wirkt der Roman abgesehen von der abstrusen Prämisse absolut realistisch.
Der arbeitslose Schlosser Raimo aus Helsinki vertreibt sich die Zeit damit, beim Zuschauertelefon der Fernsehanstalt anzurufen und seine Lieblingsfilme zu wünschen. Solche, in denen die Waffen sprechen und die Frauen schweigen. Als er in der Zeitung liest, “Der Pate” werde in seiner Nähe gedreht, erkennt er die Chance seines Lebens. Als Kenner des Genres und selbsternannter Vertreter der finnischen Filmliebhaber macht er sich auf zum Hotel der Crew, um Francis Ford Coppola “zu beraten”.
Seine berufstätige Frau Ilona bleibt mit den beiden kleinen Kindern zurück und fragt sich, wie sie Raimo wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen kann. Sie liebt ihn trotz seiner Dummheiten, droht aber am Arbeits-, Einkaufs- und Kinderbetreuungsstreß und der Nichtbeachtung durch Raimo zu verzweifeln.
“Im Leben kann man nicht mehr als ein paar Entscheidungen treffen, und wenn die fehlerhaft sind, geht der Rest des Lebens dafür drauf, sie zu flicken”, schreibt Kari Hotakainen und zieht seinen Figuren den Boden unter den Füßen weg. “Lieblingsszenen”: Präzise erzählt, scharf formuliert und sehr unterhaltsam.
Reklame:

*pst* …Ihre Werbelinks funktionieren nicht… ;-)
Und wieder was gelernt. Danke für den Hinweis.