Jun
13
2008

Kinski Paganini

Nach meinem Umzug ins Glockenbachviertel erforsche ich meinen neuen Kiez. Um die Ecke, in der Fraunhoferstraße befindet sich das Werkstattkino. Ein Hinterhofkeller mit schwarz getünchten Ziegelwänden, wo man Pogorausch trinken und alte Filme sehen kann. Diese Woche: “Kinski Paganini“.

Ende der 80er brannte Klaus Kinski darauf, einen Film über den Geigenvirtuosen Paganini zu drehen. Er schrieb selbst ein Drehbuch und suchte einen Regisseur. Werner Herzog, der fünf Filme mit (und später eine erstaunliche Dokumentation über) Kinski gedreht hatte, war nicht zur Mitarbeit zu bewegen. Herzog hielt das Skript laut Wikipedia für unverfilmbar. Kinski führte kurzerhand selbst Regie und besetzte auch noch seinen kleinen Sohn Nikolai als Achille Paganini.

Nikolai spielt überraschend gut, Klaus Kinski gewohnt irre. Ich frage mich, ob Kinski sich der Rolle anpasste oder ob er das aus Paganini machte, was er irgendwie immer verkörperte: einen Getriebenen – maßlos und wahnsinnig. Gewisse Übereinstimmungen scheint es zwischen Paganini und Kinski gegeben zu haben, zumindest waren beide jungen Frauen (bei Kinski immerhin volljährig) sehr zugetan. Das belastet auch “Kinski Paganini”, der unkritisch zeigt, wie der Geigenvirtuose junge Maiden im Dutzend defloriert.

Ein maßlos delierendes Porträt, sagt der Kinoflyer und meint damit wohl den hektischen Schnitt zwischen bunten Bildern, die fast die kompletten 80 Filmminuten lang mit anstrengendem Stakkatogefidel unterlegt sind. Ob das Kunst ist? Auf alle Fälle ist es 100 Prozent Kinski. Der Paganini-Film war sein einziger als Regisseur und sein letzter überhaupt.

Heute abend seh ich mir im Monopol-Kino an der Münchner Freiheit “Jesus Christus Erlöser” an. Update: Review hier.

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Geschrieben von Deef in: Filme und Serien | Tags: , , |
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5 Kommentare

  • Martin sagt:

    Danke für den Film-Tipp “Jesus Christus Erlöser”. Ich hab jetzt ne Viertelstunde googeliert und mich in das Thema reingefuchst, und jetzt auch große Lust mir den Film anzuschauen.

  • Deef sagt:

    Gerne. Man sieht sich.

  • unionista sagt:

    Ich habe den Film vor einiger Zeit in der Schaubühne Leipzig gesehen.

    Es war eine Qual. Ganz ehrlich. Bis zum Ende habe ich ihn mir nur angesehen, weil er laut Kinoprogramm – wenn ich mich erinnere – so gut wie nie gezeigt wird. Vollkommen zurecht übrigens. Ein Film für Kinskifans und seine Biografen.

    Der Film besteht zu gefühlten 40 % aus Kutschfahrten, was wohl Geschwindigkeit und Dynamik suggerieren soll. Der Rest ist Klaus Kinsi: irrer Blick, irre Monologe, Geige spielend und junge Mädchen in allen Stellungen nehmend. Die schreien dann “MORE, MORE, MORE” und Klaus Paganini/Niccolo Kinski gibts ihnen dann richtig.

    Handlung: Wenn uns Kinski eine Geschichte erzählen will, dann die, dass er eigentlich Paganini ist, teuflich gut Geige spielt und ihm alle junge Mädchen sexuell verfallen sind.

    Ein unglaublich peinlicher, langatmiger, von Buch, Regie, Kamera und Darstellung absolut misslungener Film (Kinski als Regisseur für Kinski taugt nicht).
    Das Werk eines besessenen aber höchst dilletantischen Möchtegern-Regisseurs und -Autors. Als am End das Licht anging, atmete ich erstmal auf.

  • Deef sagt:

    Du hast das Wesentliche sehr gut zusammengefasst.

  • Hermann K,J. sagt:

    Ein ausserordentlicher Musikfilm nicht nur für Freunde klassischer Musik. Kinski enthüllt auf subtile Art und Weise Erotik und Faszinosum der Violine und der Musik Paganini’s im besonderen. Einzige kleine Irritation: Kinski spielt die Violine rechts!

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