Ein Historienepos im Lebenslauf ist der in den letzten Jahren oft erfüllte Weihnachtswunsch großer Regisseure. Luc Besson musste unbedingt „Jeanne d’Arc“ verfilmen, Scorsese die „Gangs of New York“, Wolfgang Petersen „Troja“ und Oliver Stone „Alexander“ den Großen.
Ridley Scott gab sich mit zwei Historiendramen („1492 – Die Eroberung des Paradieses“ und „Gladiator“) nicht zufrieden und vollendete nun das im 12. Jahrhundert angesiedelte „Königreich der Himmel“. Und das obwohl die oben aufgezählten Filme plus „Braveheart“ inhaltlich alles erzählt und drei Herr-der-Ringe-Teile technisch alles gezeigt haben, was geht.
Damit’s doch noch ein klitzekleines bisschen interessant bleibt, vollführt Hauptdarsteller Orlando Bloom einen Rollen-Crossover. Wir lernten ihn als sanften Blond-Elb in „Herr der Ringe“ und verliebten Schmied in „Fluch der Karibik“ kennen. Jetzt gibt die süße Softieschnute den neuen Hau-Drauf in Jerusalem. Würde der Film nicht irreführender Weise „Königreich der Himmel“, sondern „Conan der Kreuzritter“ heißen, Du würdest gleich wissen, was Dich erwartet. Es gibt folgende Gründe, den neuen Ridley Scott-Film zu sehen.
1.) Du hast „Troja“ gesehen und fandest ihn zu gut.
2.) Du hast „Gladiator“ gesehen und Dich gefragt, wann endlich Teil 2 rauskommt.
3.) Du hast die „Ritter der Kokosnuss“ gesehen, der war dir aber zu lustig.
Natürlich liefert Ridley Scott wieder wunderschöne Bilder. Natürlich sind Kulissen, Komparsen und Körper perfekt. Dummerweise kommen Charaktere und Handlungsbögen zu kurz.
Alte Scott-Filme waren so angelegt, dass die großen Fragen des Lebens in düsteren Science-Fiction-Plots erörtert wurden. 1979 schuf er mit „Alien – das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ eine Geschichte, die auf mehreren Interpretationsebenen das Böse in uns, das Böse in Form einer Gesellschaft und das Böse in einer Gruppe zeigte. Verpackt wurde all das in einen Film, der zum Meilenstein des Science-Fiction-Horrors wurde. 1982 stellt Ridley Scott in „Blade Runner“ die Frage nach dem Sinn des Lebens und verklausulierte sie in eine marode Zukunftsvision, in der die Protagonisten nicht wissen, ob sie geboren oder konstruiert wurden. Filme wie „Matrix“, „A.I. – Künstliche Intelligenz“, „I, Robot“ und natürlich „Minority Report“ zitieren in Handlung oder Ästhetik „Blade Runner“.
Was stellt nun „Königreich der Himmel“ in diesem Zusammenhang dar? Ich glaube nichts. Nicht, weil er ein anderes Genre bedient, sondern weil sich niemand an diesem Film erinnern wird. Wenn ich jetzt schon einen Weihnachtswunsch abgeben darf, dann den, dass ich „Königreich der Himmel“ hoffentlich als Gipfelpunkt der Historien-Schinken-Schwemme in Erinnerung behalten darf und nun eine lange erholsame Trockenzeit folgt.
PS: Starwars III und der möglicherweise größte Knall im All, “Per Anhalter durch die Galaxis”, stehen in den nächsten Wochen in den Startlöchern, um das Ruder rumzureißen. In diesem Sinne: Zurück in die Zukunft!