
Küssender Freezemob auf dem Karlsplatz – Foto von Deef
Marco Wanke küsst gerne. Der Eventmanager ist im vergangenen Jahr mit dem Ziel durch Deutschland getourt, innerhalb von zehn Tagen 1000 Frauen zu küssen (siehe seine Seite, rp-online, Westen). Heute eine neue Aktion: Punkt 12 Uhr mittags versammelte er auf dem Stachus in München einen küssenden Freezemob (Menschenauflauf, der in der Bewegung innehält).Das klingt nach einer hübschen Idee zum Valentinstag. Die praktische Umsetzung zeigte jedoch, dass es sich um die Art von Event handelt, die besser wirkt, wenn man die Berichte darüber liest, statt dabeigewesen zu sein.
Es waren nur gut zwei Dutzend Paare dabei, die bei -1 Grad und leichtem Schneefall artig ein paar Minuten küssend innehielten. Die Zahl der anwesenden Fotografen und Kamerateams war beinah genauso groß. “Was soll das?” dachte eine Passantin laut. Die Frage dürften sich viele vorbeieilenden Münchner gestellt haben, denn die Aktion hat sich vor Ort nicht erklärt. Marco Wanke filmte lieber mit seiner Videokamera die küssenden Paare, statt mit seinem Megafon die Passanten aufzuklären. Der Süddeutschen hatte er vorab gesagt “Deutschland sollte mehr Offenheit zeigen, was Gefühle angeht. Die Kussfreunde wollen, dass Pärchen sich nicht mehr nur zuhause auf der Couch küssen, sondern auch in der Öffentlichkeit.”

Die Zahl der Teilnehmer war überschaubar. – Foto von Deef
Wie bzw. welche Offenheit gemeint ist, zeigte sich, wenn man sich die Teilnehmer näher anschaute. “Das sind ja nur junge Leute”, urteilte ein vorbeigehender Rentner. Die küssenden Paare sahen größtenteils jung aus. Und deutsch und heterosexuell. Es waren keine Senioren, keine Menschen, denen man fremde Wurzeln ansieht und zum Beispiel auch keine Lesben und Schwulen dabei. Was will also die Aktion? Küssen in der Öffentlichkeit, aber bitte nur massentaugliche Werbegesichter ohne Minderheitenproblematik?
Auf der Homepage von Marco Wankes Kussverein heißt es: “Dass wir unsere erste Aktion für den Valentinstag geplant haben, ist kein Zufall. Nachdem die Blumen-, Parfüm- und Süßwarenindustrie den Tag vollkommen für sich besetzt haben, möchten wir ein Zeichen setzen für die wahren Motive des Tages, für Liebe und Zuneigung.“ Ein Zeichen wurde in der Tat gesetzt: es war ein erfolgreicher Promotion-Stunt für den Kussverein und die sponsernde Flirtcommunity. Süddeutsche, TZ, BILD berichteten vorab und die anwesenden Fotografen und Kamerateams interviewten eifrig.

Organisator Marko Wanke im Interview – Foto von Deef
Und sonst? Es war eine Veranstaltung so liebevoll wie ein Wangenbussi von einer Eskortdame. Wir wollen Wankes Kussverein wünschen, dass die nächste Aktion authentischer wirkt. Die Idee etwas für Offenheit und Kusskultur zu tun, ist grundsätzlich sehr begrüßenswert.
Video von der Veranstaltung hier.
Dann doch lieber wieder Protect Every Kiss, bestimmt auch dieses Jahr wieder.
Schön, dass Du da warst, ich konnte ja nicht. Weniger schön, dass es eher mau war.
Wieder schöner, dass es schöne Bilder sind.
Am schönsten gerade: Das bevorzugte Wlancafe ist direkt im Haus an der Ecke. Schneetreiben. Grüße aus Wien, Kapinski
Vienna Calling. Schöne Grüße.