Alles fing ganz harmlos und kontrolliert an. Nur das Nötigste mitgenommen: Geld, Digicam, Handy, Schlüssel. Kreditkarten und Tasche bleiben zuhause.
Im Freisitz vorm Schottenhamel bekommen wir Plätze. Der Kellner gibt sich sein Trinkgeld selbst. Egal. Das Bier läuft, die Friseur sitzt. Schnell drückt die Blase. Eigentlich bin ich kein Kabinenpinkler und habe keine Probleme es in öffentlichen Klos laufen zu lassen. Heute schon. Denn die Herrentoiletten vom Schottenhamel sind worst Nightmare:
Kabinen sind nicht vorhanden, statt dessen ein Klozimmerchen in Gestalt einer 12-Qudratmeter-Buchte mit niedriger Decke. Rundrum geht die Pissrinne und eng gezwängt stehen 30 unter Hochdruck Wasser lassenden Kerle. Ich muss noch zweimal wiederkommen, bis es Klick macht und ich die Schleuse öffnen kann. Mein Unterbauch fühlt sich zu diesem Zeitpunkt an, wie beim Eintreten der finalen Presswehen. Allerdings schön, wenn der Schmerz nachlässt, denk ich und trinke kurz darauf die vierte Maß aus.
Links von mir schreibt mir eine üppige Österreicherin ihre Mailadresse auf einen Fetzen Papier. Rechts von mir drückt mir ein sympathischer Kanadier ein Gespräch. Der Bereich meines Hirns, der für englischen Smalltalk zuständig ist, will nicht mehr richtig anspringen. Immerhin schaffe ich es zwischen seinen Sätzen gelegentlich ein “Really?”, “Great!” oder “That’s nice” einzuwerfen.
Was dann passierte, lässt sich nur noch aus Zeugenaussagen rekonstruieren. Soviel ist sicher: es bringt überhaupt nichts, wenn man seinen Saufbrüdern im nüchternen Zustand einschärft, dass man betrunken auf keinen Fall auf den Freefalltower gehen sollte. Außerdem sollte man seine Digitalkamera nicht lose in der Jackentasche haben, wenn man Topspinn fährt. Und wenn sie einem aus der Tasche fällt und im Wasserbecken landet, dann muss man Prioritäten setzen. Natürlich könnte man dem grenzdebilen Bedienpersonal Folge leisten, das einen davon abhalten will, die Kamera aus der Brühe zu fischen. Aber wenn man schon besoffen ist, dann gilt Todestrieb und nach einem beherzten Sprung über die Absperrung, Sturz in die Warteschlange und schnellem Griff ins Becken, hat man einen nassen Arm, eine kaputte Kamera und wenigstens ein bisschen Genugtuung.
Mehr zum Thema:
Aha, da hatte jemand Spaß. :-) War es denn eine teure Digicam?
Übrigens schien meine englische Small Talk Fähigkeit mit jeder Maß besser zu werden. Dafür brauchte ich allerdings auch derer drei, um endlich pinkeln zu können. Ich pinkle nicht gern an solchen Rinnen, wenn links und rechts andere Kerle ihre Dinger auspacken. Ich ertrage einfach ihre neidischen Blicke nicht mehr, die sie mir zu werfen. ;-)
Neidische Blicke? Trägst du sooo schöne Leopard-Tangas?
*lol* Na das nenne ich mal einen gelungen Abend! Warum bist du nicht gleich noch ne Runde in der Brühe geschwommen? Das Pipi Problem kann man(n) dabei auch gleich lösen. ;-)
Ich vermute, hätte ich mich länger in diesem “Sperrbereich” aufgehalten, wäre das Bedienpersonal (ja, die ehemals jungen, jetzt schon viel zu lange mitgereisten, Männer) handgreiflich geworden.
Pipi in der öffentlichkeit? Na danke. Außer Thommy und Annika sind anwesend.
Stell Dir mal vor, die Kamera wäre bereits im Klozimmerchen aus der Tasche gerutscht und direkt .. upsalla …
- Denken wir lieber gar nicht erst dran.
Netter versuch mich aufzuheitern, aber das Ding war neu und ist jetzt tot. Die Todesursache ist egal.
Du bist doch bestimmt versichert.
Gegen was? Dummheit?
Wieder drängt sich mir Gedanke zur Zweit- und Drittkamera auf, den ich unlängst schon hatte. Zunächst die gute, teure Spiegelreflex für richtige Fototouren, dann die gute kleine Digicam, die man auf Geburtstage oder so mitnehmen kann. Und letztlich die billige Drecksau-Kamera, die zumindest bessere Bilder als ein Handy macht, aber auch nicht so weh tut, wenn sie bei solchen Veranstaltungen verloren oder kaputt geht. Ich glaube, die Kamera, bei der man in allen Lebenslagen glücklich ist, wird es nie geben.
Ach, und was die Leopard Tangas angeht: die trage ich zwar, aber sooo weit muß ich meine Hose nun doch nicht öffnen, dass diese jemand sehen könnte.
später Nachtrag!
Du hattest ne Menge Spaß im Free Fall Tower … dieses Jahr schon wieder :)
“dieses Jahr schon wieder”?
Irrtum. Das war mein erstes Mal.
Ist das zu fassen? 6 Millionen Menschen gehen aufs Oktoberfest, aber wenn man “Wiesn Absturz” sucht, dann bin ich auf Platz fünf fucking worldwide.
http://www.google.com/search?q=wiesn+absturz
Ja, und du hast die ddp-Meldung von web.de geschlagen! Respekt!