
Ich kann’s immer noch kaum fassen, dass das tatsächlich passiert. Rainald Goetz und ich auf einer Bühne. Im Cocoon. Ein Traum bei dem Ihr dabei sein könnt. Mehr zur Lesung bei Facebook und unten.
LITERATEN VOR DEN DECKS – Von harten Beats zu Textfragmenten und zurück
Zwei Schreiber die ihre Sprache, ihre Worte, ihre Bilder und Szenen immer wieder in nicht enden wollenden Nächten finden, kehren zurück an eine Quelle ihrer Inspiration: im Cocoon Club liest der Autor Rainald Goetz aus seinem aktuellen Werk „loslabern“, der Blogger Deef Pirmasens präsentiert die Multimedia Lesung „STROBO“. Danach beginnen die Decks sich zu drehen und ein Resident des Berliner Berghain Clubs bittet zum Tanz.
Über Rainald Goetz erzählt man, dass er den Notizblock auch dann nicht aus der Hand legt, wenn die Nacht eskaliert und die Konturen verschwimmen. Dabei verlieren seine Erzählungen nie an Schärfe. Sein aktuelles Werk „loslabern“ (Suhrkamp Verlag 2009) wurde von der Zeit als “lebendige Kulturkritik, wie es sie lange nicht gegeben hat“ bezeichnet. In „loslabern“ holt Goetz zum Rundumschlag aus, seziert spöttisch den Beginn des 21. Jahrhunderts mit Themen aus Boulevard, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Wie wenig andere schafft er mit seinen Texten den Spagat vom bedeutungsschweren Feuilleton ernstgenommen und gleichzeitig von der Clubszene umarmt zu werden. So lobt ihn Harald Schmidt superlativ in der FAZ; der international seit fast drei Jahrzehnten gefeierte DJ Sven Väth gehört zu seinen langjährigen Freunden.
Während Rainald Goetz sich schon längst im Literaturbetrieb fest etabliert hat, haben die Textpassagen von „STROBO“ einen weiten Weg hinter sich. Auf dem mal fruchtbaren mal furchtbaren Boden der Berliner Clubszene gewachsen, handeln sie von wahllosem Konsum von Drogen und Sex – schonungslos, offen und direkt erzählt, wie es nur ein Tagebuch kann. Die schockierenden, faszinierenden und manchmal auch abstoßenden autobiografischen Schilderungen des Bloggers Airen hätten es trotz Zeitgeist und Wortgewallt niemals ins
Feuilleton geschafft, wäre da nicht der große Skandal eines kleinen Literaturwunders gewesen: Die hochgelobte Autorin Helene Hegemann hat von Airen und anderen abgeschrieben und plötzlich interessierte sich die versammelte Literaturszene für den Blogger mit einer bis dahin kleinen, eingeschworenen Fangemeinde. Das ist jetzt anders. Und damit Airen dennoch anonym bleiben darf, hat er Deef Pirmasens gebeten für ihn aufzutreten.
Trailer (cc) VJ gently.radical – Musik (cc) loozabeats.net – Foto (cc) Fabio Venni
Warum gerade Deef Pirmasens? Weil gerade dieser die Abschreiberei aufdeckte, als er in seinem Blog www.gefuehlskonserve.de einige frappierend ähnliche Textpassagen gegenüberstellt und Hegemann in der Folge zugegeben hatte, in ihrem vielbeachteten Debütroman “Axolotl Roadkill” ohne Angabe von Quellen bei anderen abgeschrieben zu haben. So hatte sie u.a. zahlreiche Wörter, Formulierungen und Motive aus Airens “STROBO” (SuKuLTuR Verlag 2009) verwendet. Eine bundesweite Debatte über Schreib-Kultur und Ideendiebstahl begann.
Deef Pirmasens ist selbst ein leidenschaftlicher Blogger, arbeitet als Autor und Sprecher und wird „STROBO“ begleitet von Instrumentalmusik von Festplatte und Videofragmenten von VJ gently.radical präsentieren.
Da Airen in „STROBO“ hauptsächlich im Berliner Club Berghain bis zur Erschöpfung feiert liegt es Nahe, im großen Club Cocoon in der Nacht den Berghain-Resident DJ Adam Beyer an die Decks zu lassen. Der Schwede zählt seit Mitte der Neunziger zur Speerspitze der internationalen Techno-Szene und betreibt seitdem durchweg erfolgreich sein Label Drumcode sowie das dazugehörige Sublabel Mad Eye, auf dem etwas experimentellere Veröffentlichungen erscheinen. Zur Drumcode-Night wird der Chef auf dem Mainfloor zusammen mit den Label-Artists Paul Ritch (live), Alan Fitzpatrick und Joseph Capriati das Publikum auf Optimaltemperatur bringen, während in der Lounge die Elektronik-Spezialisten Subsonic Park ihr anspruchsvolles Set mit den frischesten Releases im Bereich Deep Tech, Dub Tech und Tech House spielen. Und sollten die Nachtschwärmer unter den Gästen Rainald Goetz entdecken, wird dieser sicher wieder sein Notizbuch dabei haben.
Freitag, 08.10.2010 – Cocoon Club, FFM
LITERATEN VOR DEN DECKS
Rainald Goetz liest aus “loslabern”
Deef Pirmasens’ Multimediale Lesung von Airens STROBO
Lesung plus After-Party – Vorverkauf 12 € zzgl Vvkg., Abendkasse 15€
Einlass 20h, Lesung ab 21h, After-Party ab 23.30h.
main floor:
“Drumcode Night” – Adam Beyer, Alan Fitzpatrick, Patrik Ritch (Live), Joseph Capriati
lounge:
“Passion Play” – Subsonic Park, Alex Azary und Gabriel Le Mar