Natürlich lobe auch ich Call of Duty: Modern Warfare 2 (Reklamelink zu Amazon). Ich habe es auf der Xbox 360 durchgespielt und bin begeistert. Aber es gibt auch Grund für Kritik.
Modern Warfare 2 ist ein exzellenter Kriegs-Egoshooter und für Konsolen der Referenztitel in diesem Genre. Die Steuerung ist gewohnt intuitiv, Grafik und Atmosphäre grandios. Die Single-Player-Kampagne ist mit sechs Stunden wie beim Vorgänger recht kurz. Mit dem umfangreichen und wegweisenden Multiplayermodus kann man aber über Monate oder gar Jahre Spaß haben.
Die Solokampagne ist nicht im Koopmodus spielbar, aber tolle Extramissionen im Splitscreen oder online. Besonders interessant sind die, bei denen ein Spieler am Boden kämpft, während ihn der andere als Bordschütze in einem Flugzeug oder Hubschrauber aus der Luft unterstützt.
Nach meinem Geschmack könnte Modern Warfare 2 etwas mehr Wert auf Story und Erzählstil legen. Die Geschichte wird schlicht und knapp in unaufwändigen Zwischensequenzen vorangetrieben, in denen meist Telefonate oder Funksprüche mitgehört und Satellitenkarten und Gebäudepläne gezeigt werden. Das passt zum nüchternen, militärischen Stil des Spiels, ist aber billig. Die Entwickler eines Millionensellers können es sich leisten, jede Zwischensequenz als Hollywoodfilmszene mit motion-gecaptureten Schauspielern abzuliefern. Nötig fürs Gameplay ist das nicht, aber die Story würde mehr Eindruck hinterlassen, die Charaktere wären weniger oberflächlich und austauschbar. Das ist die fehlende Sahne auf dem Kuchen.
Das Level, in dem Terroristen Zivilisten erschießen, wurde unter moralischen Aspekten breit diskutiert. Ich finde das Level unangenehm, aber zulässig. Viel mehr stört mich die Haltung, die das Spiel und der Vorgänger Call of Duty 4: Modern Warfare (Reklamelink zu Amazon) hinsichtlich Folter vermitteln. In ein, zwei Zwischensequenzen wird angedeutet bzw. gezeigt wie Kriegsgefangene gefoltert bzw. erschossen werden. Das ist unnötig und dumm und lässt sich auch nicht mit US-Amerikanischen Patriotimus schönreden.
Fazit: Kaufempfehlung für alle Egoshooterfans. Vor allem für Multiplayerfreunde.

Hi Deef,
wundert mich etwas, dass du doch recht unkritisch an das genannte Level gehst. Finde es ehrlich gesagt ziemlich geschmacklos (soweit ich weiß, wird null hinterfragt, oder reflektiert) und unnoetig. Unnoetig vor allem auch deshalb, da es nur wieder genuegend Stoff liefert, um diese – mir langsam zum Hals raushaengende – “Killerspiel-Diskussion” neu anzukurbeln.
Zum weiteren Spiel oder dessen Verlauf kann ich leider nichts sagen (außer dass die Grafik grandios ist), da mein Rechner zZt kaputt ist.
Danke trotzdem fuer die kurze Rezension!
Liebe Grueße,
Moe
Ok. Dann also doch ein paar Worte zu dem diskutierten Level. In dem Spielabschnitt spielt man einen Kämpfer, der als Spitzel in eine Terroristengruppe eingeschleust wurde. Man spielt also einen “der Bösen”. Die Gruppe stürmt einen Flughafen und richtet ein Massaker an, dem Zivilisten und Sicherheitspersonal zum Opfer fallen.
Auf mich wirkte es sehr unangenehm, schreiende, wegrennende, unbewaffnete Menschen ermorden zu können. Das ist etwas, was ich nicht tun will. Jeder geistig gesunde Mensch wird sich beim Spielen unwohl fühlen.
Gefühlsmäßig ist es unangenehmer dieses Level zu spielen, als in GTA 4 zu morden oder z.B. einem Actionfilm-Bösewicht dabei zuzusehen, wie er Unschuldige tötet. Ich sage gefühlsmäßig ist es schlimmer – ethisch macht es aber keinen Unterschied. Bösewichter und Terroristen ermorden Menschen und das darf Teil der Handlung von Büchern, Filmen und Spielen sein. Die Taten dürfen aber nicht verherrlicht oder belohnt werden oder nötig für den Fortgang des Spieles sein.
Natürlich ist es, gerade vor dem Hintergrund der Killerspieldebatte, dumm so ein Level in ein tolles Spiel einzubauen. Es ist ein geschmackloses Level. Aber es ist – und das ist auch gut so – nicht verboten geschmacklose Dinge zu tun.
Hey Deef,
danke fuer das Statement.
Dann darf ich dich vll mal _in etwa_ sinngemaeß aus einem aelteren Podcast zitieren. Ich weiß leider nicht mehr auf den Punkt genau um was es ging, Thema war jedoch ein aehnliches. Da hast du zwei Filme (oder Spiele) indirekt miteinander verglichen und erwähnt, dass der Gewaltgrad bei Teil a) durch ironische Sprueche bzw kleinere Witze (wie zB bei GTA) ertraeglich ist oder gemacht wird.
Dem gegenueber war Teil b) weitaus unangenehmer, da realistischer.
Fraglich ist nun eventuell, ob nicht gar die veralbernde Gewalt in Spielen “schlimmer” ist, als die detaillierte, realistische.
Fakt ist jedoch, ich ueberfahre jemanden “lieber” in Form eines Tommy Vercetti oder Nico Bellic, als in einem realistischen, aktuellen Titel. Ethisch ist natuerlich beides durchaus fraglich, da gebe ich dir recht (hoffe, ich dreh dir da die Worte nun nicht um ;) ).
Wie gesagt, ich habe Modern Warfare II selbst noch nicht gespielt und kenne dieses Level nur aus einem Video. Dennoch hat sowas meiner Meinung nach nichts in einem Spiel zu suchen. Um so etwas zu “diskutieren” oder aufzuarbeiten, gibt es genug andere Medien.
Ich jedefalls, will durch so etwas nicht unterhalten werden.
Liebe Grueße aus dem Sueden in den Sueden