Anonymisierte Personen in journalistischen Artikeln liefern nicht nur authentische Erfahrungsberichte, sondern umgeben Storys mit auch einem Hauch von Spannung. Der Satz “Name von der Redaktion geändert” will eigentlich sagen: “Lieber Leser, was wir hier recherchiert haben, ist so explosiv, dass sich unsere Quelle nicht öffentlich dazu bekennen will”.
Eine gute Enthüllungsgeschichte wird durch eine redselige, anonyme Quelle zum Knüller – wie man am Beispiel der Watergate-Berichte sehen kann. Oder dem investigativen Artikel von Spiegel online über Studenten, die lieber oben bei Mutti wohnen, anstatt mal in eine andere Stadt oder wenigstens eine eigene Bude zu ziehen.
Autorin Marie-Charlotte Maas lässt darin eine 27-jährige Nesthockerin auftreten – Codename “Nina”. Ganz klar, dass nur ein Foto mit Hand vor dem Gesicht möglich war und der Name geändert werden musste, schließlich leidet “Nina” sehr unter dem Stigma Nesthocker. Maas erläutert das so
Sie möchte nicht erkannt werden, weil sie schlechte Erfahrungen damit gemacht hat, es anderen Studenten zu erzählen. “Wenn ich neuen Bekannten erzähle, dass ich mit fast 27 noch zu Hause wohne, muss ich mir viele blöde Sprüche anhören. Früher habe ich noch versucht meine Gründe darzulegen, aber mittlerweile habe ich es aufgegeben.”
Was leben wir nur ein einem schrecklich intoleranten Land. Zum Glück deckt Spiegel online diese Missstände auf und schützt die Opfer. Wollen wir ihnen wünschen, dass sie sich irgendwann ein Herz fassen, aus dem Nest kriechen und einen Bausparvertrag abschließen, um ein paar Jahre später ins elternnahe Reihenhaus ziehen zu können.

Die arme muss ja echt Probleme haben. Ich wohn mit 26 als Student auch noch zu Hause und ich wurde deswegen noch nie blöd angemacht. Im Gegenteil, trotz der gewonnen Selbstbestimmung höre ich immer wieder, dass ich froh sein soll dass sie mich unterstützen und man sich nicht zu 100% um jede Kleinigkeit selbst kümmern muss; vom finanziellen Aspekt mal abgesehn.
Natürlich hat man im elterlichen Heim auch Pflichten, aber die hat man in ner eigenen Wohnung auch, schon sich selbst gegenüber, und so teilt man sich die Aufgaben wenigstens.
Seit Du mich kennst, solltest Du wissen, dass “Name von der Redaktion geändert” auch heißen kann, die betreffende Person wohnt in Fantasien. Warum sollte SPIEGEL online nicht anders arbeiten als unzählige Frauenzeitschriften? ;-)
Stimmt. Jetzt wo Du es sagst, sind die Unterschiede zwischen Spiegel online und sogenannten Frauenzeitschriften in Niveau und Anspruch fließend.