Was kann man erwarten, wenn Hollywood eine der beliebtesten Heldengeschichten des deutschen Widerstands verfilmt? Ich rechnete mit einer Überdosis Action und Pathos, unterlegt mit bombastischem Klassikkawumms eines von Hans Zimmer befehligten Orchesters.
Entwarnung – “Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat” (offizielle Seite, Review bei Filmstarts, in der SZ, Wiki, Hamburger Abendblatt über historische Fehler) ist nicht herausragend, aber ein solider und sehenswerter Film. Wer sich für das Thema interessiert und/oder gerne Tom Cruise sieht, wird nicht enttäuscht.
Cruise’ Engagement für Scientology ist sehr fragwürdig. Fragwürdig ist aber auch, dass anlässlich des Films nur darüber debattiert wird, ob ein us-amerikanischer Sektenjünger einen deutschen Helden spielen darf oder nicht. Dabei gibt es viel interessantere Fragen.
Erstens: war und ist Tyrannenmord rechtmäßig, sinnvoll und unausweichlich? Zweitens: kann das gescheiterte Attentat eines kriegsversehrten Obersten (fünf Dienstgrade unter Generalfeldmarschall) die blutgetränkten Hände des deutschen Soldatentums reinwaschen, wie sich das die Bundeswehr wünscht, die sich in der Tradition der “preußischen Heeresformen” und den “Einstellungen und Taten der Angehörigen des Widerstandes” sieht (siehe Pressemitteilung des Bundesverteidigungsministeriums anlässlich Stauffenbergs 100. Geburstags)?
Bevor man mich falsch versteht, weil ich diese Fragen aufwerfe: Für mich ist Stauffenberg ein Held und die Bundeswehr die Armee eines demokratischen Rechtsstaats. Trotzdem bleibt Mord Mord und trotzdem muss sich die Bundeswehr ihres schweren Erbes bewusst sein. Aber solche Diskussionen, bei denen die Grenze zwischen gut und böse, richtig und falsch irgendwo im Grau der persönlichen Abwägungen verläuft, sind nicht einfach zu führen. Denn im Gegensatz zum “Scientology ist böse”-Gefloskel wird einem nicht jeder reflexhaft zustimmen, wenn man sich kritisch mit dem deutschen Gewissen namens Claus Schenk Graf von Stauffenberg auseinandersetzt.
Das größte Problem an Tom Cruise als Hauptdarsteller ist deshalb, dass seine Sektenmitgliedschaft wie eine Nebelbombe wirkt. Sie verschleiert den Blick aufs Wesentliche.
Bislang der intelligenteste Text, den ich über den Film gelesen habe.
Naja, da is was dran. Die Kritik an Tom Cruise und dieser beknackten Sekte ist schon verständlich, aber es lenkt natürlich vom eigentlichen Film ab.
Ich hab Tom Cruise immer gern gesehen, angefangen von “Top Gun” bis zu “der letzte Samurai”- was seine absolut beste Rolle war!
Als Stauffenberg kommt er nicht glaubwürdig rüber. Ein preußischer Graf, der immerhin Oberst beim Militär war, sieht einfach anders aus.
Cruise wirkt da etwas deplatziert in der Rolle!
Staffenberg war ja wohl auch kein Demokrat, wie wir ihn uns heute so vorstellen. Seine Zeit bei der Wehrmacht, die Offiziersausbildung und seine persönliche Herkunft haben ihn da sicher auch geprägt, und die 68er-Bewegung hätte ihm gar nicht gefallen;)
Aber zur zweiten Frage: Der Film wäscht die Schuld des deutschen Militärs in meinen Augen mitnichten von dessen blutigen Händen. Denn es wird ja gezeigt, dass dieser Putsch nicht nur am Überleben Hitlers scheiterte, oder an den Hardcore-Nazis innerhalb der Wehrmacht, sondern einfach auch an opportunistischen Personen, die erstmal abwägten, auf welche Seite sie sich schlagen sollten, um besser davon zu kommen. Und das wiederum halte ich für realistisch am Film.
Kann ich nicht bestätigen. Ich kann das ausblenden und trennen – zwischen dem Schauspieler Cruise und dem Privatmann!
“unser held” soll selbst sektierer gewesen sein. also passts doch.