Jan
26
2010

Panoramabar: “Die Muschi hat mir besser gefallen”

Fassade des Berghains - Foto von Deef

Zwei Wochen war die Panarama-Bar im Berliner Berghain geschlossen. Letztes Wochenende wiedereröffnete sie nach, wie es im Flyer heißt, “umfangreichen Umbauarbeiten”. Aufgefallen sind mir eine neue Lichtinstallation an der Decke und neue Kunst an den Wänden. Wo bisher eine riesige Vagina von der Wand grinste, provoziert nun ein großes Foto eines männlichen Pos, dessen Backen weit auseinander gezogen sind. Was war der Grund für den Wechsel? Vielleicht will man Presseartikel wie diesem widersprechen, in denen es hieß:

Die Panoramabar ist heller, freundlicher als das „Berghain“. Die Menschen sehen irgendwie glücklicher aus, man sieht weniger Leder und gepiercte Oberkörper, die Atmosphäre ist nicht ganz so obsessiv-schwul wie einen Stock tiefer. Davon zeugt auch das riesige Bild, das über dem schwarzen Hartgummitresen hängt und von dem Turner-Preisträger Wolfgang Tillmanns stammt: Es zeigt die Nahaufnahme einer Vagina. (Julia Spinola in der FAZ)

Solchem Stuss zeigt das neue Foto den blanken Arsch. Das Feierpublikum interessiert sich alldieweil wenig dafür. Mehrmals hörte ich von Gästen, mit denen ich mich letzten Sonntag unterhielt, “Die Muschi hat mir besser gefallen”. Weitere Veränderungen sind mir nicht aufgefallen, was vielleicht aber dem Umstand geschuldet ist, dass ich nur alle paar Monate da bin und mir deshalb nicht jede Veränderung als solche bewusst wird.  Wenn Euch mehr aufgefallen ist, lasst es mich wissen.

Nachtrag – Spex am 28.01.10 über die Veränderungen:

Diese war in den letzten Wochen wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, der zweite Floor des Techno-Tempels Berghain wurde in diesem Zeitraum mit einem für Tanzbeine angenehmeren Holzboden, einem neuen Soundsystem und neuen Werken des deutschen Künstlers Wolfgang Tillmans ausgestattet: Wo früher großformatige Tillmans-Fotos einer Vagina hingen, sieht man nun das Bild einer männlichen Rosette.

Nachtrag – im Berghain-Flyer vom März 2010 (pdf) schreibt Timon Engelhardt:

Als vor einigen Wochen die einer Optimierungsmaßnahme unterzogene Panorama Bar unter anderem mit neuen Werken Wolfgang Tillmans eröffnet wurde, dauerte es nicht lange und eine maximal viertelironische Facebookgruppe mit dem Kampfruf „Wir wollen unsere Muschi in der Panorama Bar zurück!“ erblickte das Licht der Welt. Nicht verstören lassen wollte sich die Social-Network-Zusammenrottung vom Anblick eines dargebotenen männlichen Rektums; das durch Verhältnisse und Sehgewohnheiten codierte und deutlich weniger als anstößig empfundene Bild eines weiblichen Schoßes sollte auch weiterhin das Treiben unterhalb der gespreizten Schenkel belächeln. Eine auf ein paar Quadratmeter vergrößerte Körperregion ist – Restpatriachat hin oder her – selbstverständlich nicht automatisch ein Ausdruck nach Geschlecht sich vollziehender Ungleichheit. Die Empörung über das neue Wandbild und der formulierte Ekel allerdings schon. So wenig es jemanden stört, wenn sich heterosexuelles Muckibudentestosteron oberkörperfrei durch den Strobonebel schiebt, sollte das Bebildern alternativer Prioritätensetzungen zum Aufregungsmotiv werden. Und vielleicht können wir uns von nun an wieder mehr auf das besinnen, was neben der Musik wichtig für die Nächte im hiesigen Kraftwerk ist. Die nicht nur von Duldung bestimmte Toleranz, sondern das offensive Bejahen von allem, was Vorgegebenem und Allgemeinen nicht sofort entspricht. Den Ausstieg aus der heteronormativen Matrix. Die Abweichung. Die Differenz. Die Selbstverständlichkeit des Anderssein. Queerness eben.

Word!

Das magst Du vielleicht auch lesen:

Geschrieben von Deef in: Der ganze Rest | Tags: , , , , , |

8 Kommentare

RSS feed für Kommentare.


Konserviert mit einem WP-Theme von TheBuckmaker | Hintergrundbild © Deef
Die Gefühlskonserve © Deef Pirmasens 2005-2013 | Impressum und Datenschutz