Dez
18
2008
4

Das Universum ist kompliziert

Die schwarze Wasseroberfläche des Sees - Foto (cc) Audreyjm529
Foto (cc) Audreyjm529

Der See ist schwarz wie Tusche und in ihm spiegelt sich der bewaldete Hügel dahinter. Mein Blick gleitet von der Wasserfläche auf das gegenüberliegende Ufer, den Wald und in den Nachmittagshimmel. Ein kleines Flugzeug nähert sich. Es fliegt S-Kurven auf seltsam unbeholfene, fast schon gefährlich anmutende Weise. Dann schwebt es dicht an den See heran und – ich muss zweimal hinsehen – wassert. Es sah zuvor gar nicht wie ein Wasserflugzeug aus, sondern wie eine lächerliche Miniaturversion einer Concorde. Eine Luke öffnet sich und aus dem Inneren winkt mein Cousin Phil.

Das Universum ist kompliziert und da gibt es Dinge, die man nicht für möglich hält. Sie passieren einfach und man freut sich, sofern man sie nicht durch zuviel Nachdenken ruiniert. Ich denke nicht nach und springe ins schwarze, bodenlose Wasser. Schnell bin ich rübergeschwommen, hab mich auf einen  Landeschwimmer der Machine gezogen und nehme im Cockpit Platz. Phil und ich umarmen uns. “Absolut schräge Steuerung”, meint er und überläßt mir den Start. weiterlesen »

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Mrz
23
2008
6

I’m dreaming of a white Easter

Weiße Ostern in Pirmasens - Foto von Deef
Ostern 2008 in Pirmasens – Foto von Deef

Ich träum auch eine Gülle, wenn die Nacht lang ist.
Ausgerechnet das wurde wahr.

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Feb
15
2008
0

Paranoia contra Finanzamt

Ich komme vom Flughafen, biege in meine Straße ein und habe den Ankunfsflash. Da ist das kleine Hochhaus, in dem ich wohne und oben aus meinen Fenstern lodern Flammen. Eine Traube von Menschen versammelt sich um mein auf dem Straßenpflaster zerschelltes Zeug.

Aber auch heute habe ich keinen Ying-Yang-Tisch, keine CK-Hemden und heiße nicht Tyler Durden. Also auch keine Flammen. In der Wohnung angekommen, finde ich statt dessen einen Brief vom Finanzamt. Überraschung: Geld zurück.

Schnell das Handy raus, zwei “wo seit ihr?”-SMS an die Peergroup und ab in die Nacht. Morgen vormittag fährt mein Zug in die weit entfernte Provinz. Die verbleibenden zwölf Stunden sind viel Zeit, um zu sterben und Wiederauferstehung zu feiern. Slide!

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Dez
16
2007
10

Wer mich foltern möchte, hergehört

Foto von Deef

Eine bei mir sehr tiefsitzende, seit der Kindheit schwächer gewordene, aber immer noch spürbare Angst ist die, vor Dingern wie oben zu sehen. Das Foto jagt mir zwar keinen Schrecken ein, würde ich aber in ein Schwimmbecken springen, dessen Boden mit solchen Öffnungen versehen wäre, bräche ich in Panik aus. weiterlesen »

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Aug
10
2007
3

Partyseelsorge

- “Boah und dann hab ich die Pilze gefressen und hab versucht zu vergessen, dass ich meine Eltern beim Sex gehört habe.”
- “Hat es geholfen?”
- “Nein, ich hatte den Alptraum, ich würde mit im Bett liegen. GRAU-EN-HAFT!”
- “Träume sind Wünsche.”
- “ÜUAH! Im Ernst? Ich meine, Du hast doch Psychologie studiert. Sag mir, was Du davon hälst.”
- “Nein. Nein, das wird Dir nicht gefallen.”
- “Ich will es trotzdem wissen.”
- “Meine Meinung?”
- “Klar!”
- “Na dann kurz und schmerzlos: Du bist im Arsch.”
- “Verdammt… das hab ich in mir drin auch schon gefühlt…. Tom, was rätst Du mir?”
- “Ich bin Frank. Tom ist da drüben und raucht.”
- “Äh… ahja. Und wer von Euch ist nochmal der Psychologe?”
- “Rate mal. Auch noch ein Bier?”

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Jul
31
2007
9

White Room

Als ich noch ein Kind war, sah ich diese Tür. Sie erschien in einem Traum und befand sich in der Wohnung meiner Eltern. Ich öffnete sie und betrat das Zimmer. Es war weiß gestrichen und vollkommen leer.

Als ich erwachte stieg ich aus dem Bett und ging ich an die Stelle, an der sich im Traum die Tür befunden hatte. Doch dort war nur eine Wand mit einem Bild von M.C. Escher. Es zeigte Ritter, die eine endlose Treppe hinauf und hinab stiegen. Ich starrte das Bild minutenlang an und vergaß die Welt um mich herum.

Schnitt. Ich wache auf. Erwachsen und in meiner eigenen Wohnung. Nachdem ich mich aus dem Bett gewälzt habe, gehe ich in jedes Zimmer. Doch da ist eine Tür zuviel. Sie ist wirklich da. Ich drehe den Knauf und schiebe die Tür langsam auf. Vor mir liegt ein leerer Raum mit weißen Wänden. Ich gehe hinein und setze mich auf den Parkettboden. Einige Minuten verstreichen, während ich die Augen fest geschlossen halte. Dann knallt die Tür hinter mir zu und die weißen Wände stürzen ein…

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Jun
15
2005
1

Straßenbahn und Feuerwehr

Ich sitze im Auto. Es steht halb auf der Straße, halb auf dem Gehweg. Links von mir rumpelt eine Straßenbahn heran. Eine Autolänge vor der rollenden Bahn liegt etwas auf der Straße. Ich sehe genauer hin: es ist ein kleines Mädchen. In diesem Moment kommt es unter die Räder. Ich strampele mich aus dem Sicherheitsgurt, reiße die Autotür auf und stürze zu dem Kind. Es ist ganz ruhig und scheint unverletzt. Dann bemerke ich das Blut an der linken Hand des Mädchens. Vier Finger liegen auf der Straße. Ich nehme das Kind auf den Arm und hebe mit der freien Hand die Finger auf. Um mich herum ist keine Menschenseele. Am Straßenrand geht ein Fußweg ab, ein Schild mit der Aufschrift “Krankenhaus” weist in seine Richtung. Das ruhige Mädchen auf dem Arm, die Finger in der Hand renne ich den Weg entlang. Einen Kilometer entfernt taucht das Krankenhaus vor mir auf. Ich laufe, bis meine Lungen brennen und ich laut keuchend stehen bleibe. Rechts von mir entdeckte ich die Einfahrt einer Feuerwache. Durch die geöffneten Garagentore sehe ich Feuerwehrmänner, die einen großen, roten Löschzug polieren. Ich renne auf sie zu, das Kind noch immer auf dem Arm und bitte sie uns schnell zum Krankenhaus zu fahren.
“Kein Problem”, antworten sie, “machen wir”. Ich bin froh. Alles wird gut. Doch… nichts passiert. Als wäre nichts gewesen, polieren sie weiter den roten LKW. Ich blicke sie ungläubig an und bin sprachlos. Der Moment dauert endlos lange, bis ich schließlich verstört aufwache.

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Mai
10
2005
2

Viel schlimmer!

Ich laufe, nein ich renne. Um mich herum kalte Nacht. Hinter mir… ich weiß nicht, ich kann nicht stehen bleiben, kann mich nicht umdrehen. Aber aus den Augenwinkeln sehe ich die Verfolger. Es sind viele, mindestens ein halbes Dutzend, vielleicht mehr. Sie haben laute Hunde dabei, die meine Spur aufgenommen haben. Die kalte Luft brennt in meiner Lunge. Vor mir taucht aus dem dunklen Nebel ein schwarzer Umriss auf. Mein Auto. Es parkt am Straßenrand. Ich spurte noch schneller, so schnell es trotz Seitenstecken geht. Ich keuche und muss ausspucken. Fäden von Speichel ziehen sich aus meinem Mund in den Wind. Meine Häscher sind nur noch etwa fünfzig Meter hinter mir, rufen, schreien, die Hunde bellen laut. Noch bevor ich am Auto angekommen bin, zerre ich meinen Schlüsselbund aus der Hosentasche, nehme den Autoschlüssel zwischen die Finger. Endlich bin ich am Wagen, aber ich brauche zwei endlos lange Versuche, bis ich das schmale Ding im Schlitz des Schlosses habe. Einen Moment später sitze ich, knalle die Tür mit Schwung zu. Noch dreißig Meter sind sie von mir entfernt. Ich sehe jetzt, sie tragen Baseballschläger, schwingen sie hoch über ihren Köpfen. Ich stecke den Schlüssel ins Zündschloss, drehe ihn und… nichts. Noch 15 Meter. Ich drehe zurück, versuche noch einmal die Zündung… NICHTS. Ich blicke mich im Wagen um, suche ob da irgendein vergessener Schalter ist, ein Choke, den man ziehen kann, aber ich kann mich nicht erinnern, dass sowas nötig gewesen wäre. Mein Puls, der bereits bei 120 Schlägen pro Minute angekommen war, beschleunigt um weitere zehn als sie meinen Wagen erreichen und die Türen aufreißen. Ein Zucken fährt durch meine Glieder und ich sehe das fahle Morgenlicht durch die Fenster scheinen. Als ich mich aufsetze, dreht sie sich zu mir um.
„Was ist los, Süßer?“ Ich wische mir Sabber vom Kinn und blinzle die Decke an.
„Ich hab schlecht geträumt.“
„Und? Was ist passiert?“
„Mein Auto ist nicht angesprungen“. Sie streckt sich und gähnt.
„Oh Gott! Jungs-Alpträume…. ‚Hilfe, ich hab kein Tor geschossen’ und so.“

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