Nov
27
2011
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Halt auf freier Strecke

Der Regisseur Andreas Dresen ist der Meister der Trostlosigkeit. In “Halbe Treppe” zieht er zwei befreundeten Pärchen durch einen gemeinsamen Seitensprung den Boden unter den Füßen weg. Im Dokumentarfilm “Herr Wichmann von der CDU“, zeigt er den erfolglosen Wahlkampf eines motivierten, aber unbeholfenen Bundestagskandidaten in der Uckermark. In “Willenbrock” gerät das Leben eines untreuen Gebrauchwagenhändlers nach einem häuslichen Einbruch völlig aus den Fugen. In “Wolke 9” gönnt er einer fast 70jährigen einen Seitensprung und Glücksgefühle, zerstört sie aber kurz darauf, denn ihr betrogener Ehemann nimmt sich das Leben.

Seit einer Woche ist Dresens neuster Film im Kino: “Halt auf freier Strecke” (offizielle Seite, Wikipedia). Die menschlichen Katastrophen, die Dresen bisher seinen Protagonisten zumutete, waren vor allem selbst verschuldet. Diesmal lässt er die Tragödie aus dem Nichts zuschlagen, was dem Film auf der nach oben offenen “Runterzieh”-Skala einen Wert nahe unendlich verleiht. (Achtung Spoiler im folgenden Text). weiterlesen »

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Sep
25
2008
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Wolke 9: trostloses Fremdgehen

Das Festivalpublikum in Cannes gab Wolke 9 laut Filmplakat stehende Ovationen. Endlich ein Film über Sex im Alter. Ist das nicht toll? Schau mal, die sind alt und haben trotzdem Spaß. So könnte das sein, wenn der Film nicht von Andreas Dresen wäre.

Dresen hat 2002 mit “Halbe Treppe” einen der trostlosesten und gleichzeitig besten Filme über Untreue gedreht. 2003 dokumentierte er in grandiosester Weise den trostlosen, weil aussichtslosen Wahlkampf des unbeholfenen “Herrn Wichmann von der CDU“. 2005 kam Andreas Dresens “Willenbrock” in die Kinos, ein passabler Film über das trostlose Leben eines ehebrechenden Autohändlers.

Und nun die Preisfrage, worum geht in Wolke 9 wirklich und wie wird es dargestellt? Richtig: trostloses Fremdgehen im Alter. Am Schluss sind alle traurig und eine Person begeht Selbstmord. Das ist in etwa so innovativ und klischeebrechend wie es ein Liebesfilm über Schwule wäre, bei dem alle Beteiligten den Aidstod sterben. Zwar bietet Wolke 9 – wie immer bei Andreas Dresen – eine sehr authentische Anmutung und herausragende Schauspieler auf, das rettet den dialogarmen, über weite Strecken langweiligen Film allerdings nicht.

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Mai
14
2005
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Maria, die Dolmetscherin und Willenbrock

“Maria voll der Gnade” stellt Dir eine junge Columbianerin vor. Weil sie ihren Job in einer Gärtnerei geschmissen hat und zu Hause weg will, wird sie Drogenkurierin und fliegt, den Magen voll mit Heroinpäckchen, in die USA.
Der Film erzählt aus einer weiblichen Perspektive und ohne Vorurteile, Kitsch und Pathos. Durch viele Handkameraaufnahmen gibt er sich einen dokumentarischen Anstrich. “Maria voll der Gnaden” ist der Gegenentwurf zu Hollywoods Männer-Drogenkrieg-Vater-holt-Tochter-aus-Junkyloch-Epos “Traffic”. Der war auch gut, aber das hier, ist etwas gaaaanz anderes.
“Maria voll der Gnade”: Schönes Anti-Hollywood. Sehr sehenswert!

Nicole Kidman ist “Die Dolmetscherin”. Weil sie Zeugin eines Mordkomplotts wird, gerät sie in Lebensgefahr. Sean Penn soll eigentlich den Staatsmann schützen, der ermordet werden soll, interessiert sich aber immer mehr für das Wohl der Dolmetscherin. Paßt gut für ihn, seine Frau starb nämlich gerade. Jean Penn sieht aus, als hätte er den ganzen Film lang Kopfschmerzen. Und das die Dolmetscherin noch ein paar Überraschtungen für ihn auf Lager hat, macht diesen Zustand nicht besser. Der Film von Reggiseur Sydey Pollak (u.a. “Die drei Tage des Condor”, “Tootsie” und “Die Firma”) ist spannend und gut gemacht. Mir stießen die glattpolierten, auf Punkt formulierten Dialoge auf. Zwischen Tür und Angel beiläufig gesprochene Lebensweisheiten wie “Rache ist die schlechteste Form der Trauer” sind mir zu dick aufgetragen.
“Die Dolmetscherin”: spannendes Hollywoodkino. Sehenswert – kein Muss.

Andreas Dresen hat mir den schönsten deutschen Dokumentarfilm der letzten Jahre geschenkt: „Herr Wichmann von der CDU“. Vorher entzückte er mich mit dem Beziehungsdrama „Halbe Treppe“.
Gestern habe ich seinen neuen Film gesehen. Axel Prahl, der kumpelhafte Imbissbesitzer aus „Halbe Treppe“, spielt darin den Titelheld Willenbrock. Er ist Autohändler und besitzt Haus, Wochenendhaus, dickes Auto, schöne Ehefrau und willige Geliebte. Das Leben läuft gut. Andreas Dresen nimmt sich Zeit und stellt mir in aller Ruhe seinen Helden vor. Dann, als ich glaubte, der Film ginge immer so weiter, zieht der Regisseur Willenbrock plötzlich und unvermittelt den Boden unter den Füßen weg.
Die Stärke des Films sind die perfekt besetzten Schauspieler und die von ihnen lebensecht gespielten Figuren. Dresen erzählt realistisch und sein Handlungsbogen ist ungewöhnlich. Wie im wirklichen Leben, zeigt er zu dem alles ändernden Ereignis, nicht nur ein vor sich hinplätscherndes Vorher, sondern auch ein längeres Nachher. Das klassische Drama setzt den Höhepunkt eher gegen Ende und deshalb überrascht „Willenbrock“ formal. Er lässt die zum Schluss erwartete Wendung weg. Mag an der Buchvorlage liegen.
„Willenbrock“: schön erzählte Novelle mit tollen Darstellern, aber ohne Schlussbonbon. Ein Muss für Andreas Dresen-Fans.

Geschrieben von Deef in: Filme und Serien | Tags: , , , , , |

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