• Airens STROBO gelesen von Deef - alle Lesungstermine hier
Mrz
20
2009
6

Zuverlässig enttäuscht von Ihrer Bahn AG

Der düsterste Werbebrief der Welt - Foto von Deef

Ich vermute, die Werbeagentur der Bahn setzt auf die Neugier der Menschen.  So ein uuuunbändiges Verlangen, welches immer Auftritt, wenn man einen Brief der Bahn im Briefkasten findet. Der BAHN! Natürlich reißt man ihn sofort auf, um zu erfahren, was einem das beliebteste Transportunternehmen Deutschlands schickt. Neue Bahncard-Schnäppchen? Einen Gutschein für ein pappiges Mitropa-Brötchen? Schaffnerinnen-Titten-Bilder?

Ich vermute all das, weil ich heute einen werbeagenturmäßig voll durchoptimierten Brief der DB Fernverkehr AG erhielt. Ein leeres Blatt mit dem Hinweis “Erst ins Licht halten, dann im Dunkeln lesen”. Vor Neugier platzend machte ich die Faxen brav mit, Leuchttinte wurde leserlich und offenbarte einen Werbetext über…

…Nachtzüge. Ich bin sehr enttäuscht. In der Hinsicht sehr zuverlässig die Bahn.

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Nov
06
2008
15

Der Koffer

Nein. Fuck! Warum? NEIN! FUCK!!! WARUM?!!! Das Wochenende in Berlin war perfekt gewesen. Eine Unaufmerksamkeit auf der letzten Etappe der Heimreise, der Bahnfahrt von Regensburg nach München, hat alle guten Gefühle gelöscht. Ich stehe vor meiner Wohnungstür und atme mit offenen Mund. War ich völlig verpeilt, als ich aus dem Zug gestiegen bin? Entweder mit den Gedanken schon zuhause oder’n Berghain-Flashback. Wie sonst konnte es mir passieren, dass ich meinen Koffer in der Gepäckablage vergesse? Erst jetzt, vor der Wohnungstür hab ich’s bemerkt.

“Kontaktieren Sie die Schaffnerin des Zuges,” bitte ich dem Telefonisten der Bahnhotline.
“Geht nicht.”
“Aber es könnte sonst vielleicht Bombenalarm wegen herrenlosen Gepäck ausgelöst werden”, versuche ich die Vorteile aus Bahn-Sicht herauszukehren.
“Der Zug könnte ja auch entführt werden”, antwortet er ohne jede Gefühlsregung. Und keucht nach einer Pause ein heiseres Stromberg-Lachen. Ich lege auf und stell mir vor, wie ich seinen gesichtslosen, mit Headset versehenen Kopf in einen Bottich rauchende Schwefelsäure tauche. weiterlesen »

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Mrz
28
2008
7

Ich spar 55 Cent und wir alle Milliarden

Transrapid - Foto von Lars Trebing
“…und sicher finanziert” – Foto © Lars Trebing

Vor ein paar Tagen habe ich vom Münchner Kreisverwaltungsreferat ein Briefchen bekommen. Ich könnte da an einem Bürgerentscheid teilnehmen. Ginge darum, zu erfahren, ob ich zustimme, dass die Stadt München alle Möglichkeiten ausschöpfe, einen geplanten Hightech-Zug zu verhindern, der sehr teuer, verkehrstechnisch sehr fragwürdig und sehr laut vom Hauptbahnhof zum Flughafen fahren würde.

Heute hab ich von meinem noch nicht abgeschickten Antwortschreiben die Briefmarke entfernt. Das Porto kann ich mir sparen, denn der veraltete (1934 patentierte) Rohrkrepierer Transrapid wird nicht gebaut. Das freut. Noch mehr gefreut hätte mich, wenn Beckstein und Huber an der ungeliebten Stoiber-Erblast festgehalten und darüber die absolute Mehrheit bei der kommenden Landtagswahl verloren hätten. Das wär mir 55 Cent wert gewesen. Mindestens.

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Mrz
25
2008
4

Schöner stehen in der 1. Klasse

Klassenbewusstsein - Foto von Deef

Ein Glück haben die das mit den Stehplätzen erwähnt.
Ich hätte mich sonst glatt reingestellt.

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Dez
11
2007
2

Rückfahrt mit Drops, Rave, Beck’s und Jobs

Foto von Deef

Jobs ist bissel schwer zu erkennen im Display. Es handelt sich um die Hörbuchversion dieser Biographie.

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Sep
09
2007
0

Genau hier hat mich die Tram überfahren

Foto (c) Deef

Leipzig an einem Samstag im Sommer 1997. Ich hatte verschlafen und raste mit schlechtem Gewissen auf dem Rad zur Arbeit. Als ich die Kreuzung am Augustusplatz überquerte, übersah ich die Straßenbahn, die klingelnd von rechts (im Bild links) angedonnert kam.

Ich: Vollbremsung.
Mein Vorderrad: kam auf den Schienen zu stehen.
Die Tram: rauschte durch.
Das Ergebnis: Ein Straßenbahnfahrer am Rande des Nervenzusammenbruchs, bleiche Trampassagiere, die vor Schreck die Hände vors Gesicht schlugen, ein verdrehtes Vorrad und ein unverletzter Deef, der sein Glück kaum fassen konnte. Zur Arbeit kam ich natürlich zu spät.

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Okt
23
2006
8

Manchmal passen die Dinge nicht zusammen

Es klirrt und klappert im ICE-Wagen. Tapfer schiebt eine junge Frau ein Wägelchen mit Kaffee, Limo und Sandwiches durch den Gang. Vorbei an Ellenbogen und Samsonite-Ungetümen, die in den Gang ragen. Sie wirkt geschafft. Ich ordere einen Kaffee und gebe Trinkgeld. Sie strahlt mich an, wünscht gute Fahrt und verschwindet klappernd und vor sich hinsummend in den nächsten Waggon. Ich mische Milch und Zucker in den heißen Kaffee und nippe. Er schmeckt gräßlich.

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Sep
04
2006
0

Notruf, ja bitte?!

Die Vorboten des Papsbesuchs in München sind fühlbar. Die Zahl der an Würschdelbuden feilgebotenen Vatikanflaggen und der polizeilichen Ausweiskontrollen im U-Bahn-Netz steigt stündlich exponentiell. An einigen unterirdischen S-Bahnhöfen kann man nicht mehr wie gewohnt, rechts und links aussteigen, sondern nur noch auf eine Seite. Vorhin zum Beispiel in Fahrtrichtung links. Eine Traube von Menschen steht vor einer Tür nach rechts und presst zunehmend verunsichert, verärgert und fest Finger auf den Knopf mit dem Kreis aus leuchtenden roten Birnchen. Irgendwann drückt einer auf alle sichtbaren Knöpfe in Armreichweite und erwischt einen Notruf-Button. “Notruf, ja bitte?” knarzt eine blechernde Stimme aus einem kleinen Lautsprecher unter dem Knopf. Keiner Antwortet. Sie verlassen mit einem “Ich war’s nicht Blick” den Zug durch die Tür gegenüber. Ich schüttle den Kopf und denk mir meinen Teil.

Zwei Stunden und ein paar erledigte Besorgungen später sitze ich wieder in der Bahn. Diesmal eine dieser nagelneuen U-Bahnen, die die Stadt München wahrscheinlich direkt aus einem Science-Fiction-Film gekauft hat. In der Nähe der Türen gibt es Stehsitze. Ich lehne mich halb auf die Poleiste, halb an die Wand. Plötzlich jault eine Sirene mit der Lautstärke eines Martinshorns neben mir auf. Ich reiße den Kopf herum und bemerke, dass dort, wo ich meine rechte Schulter angelehnt habe ein Notrufknopf in die Zugwand eingelassen ist. “Notruf, ja bitte?!” knarzt es mir kurz darauf entgegen. Ich fühle, dass die Aufmerksamkeit aller Personen im Wagon auf mir lastet und blicke kurz reihum in belustigte Gesichter und sage kleinlaut, “Äh… nichts passiert. Bin aus Versehen auf den Knopf gekommen”. Keine weitere Antwort.

Als der Zug an der nächsten Station hält, steigt – von scheußlichem Husten geschüttelt – ein alter Mann mit fast grauer Hautfarbe ein und bleibt neben mir an der Tür stehen. Als die Bahn anfährt, klappt sein Kiefer nach unten und seine Gesichtszüge verkrampfen sich derart, als ob er gerade ersticke. Ich spiele die Konsequenzen kurz im Kopf durch und bin kurz davor ihn anzusprechen und erste Hilfemaßnahmen einzuleiten, als er mit einem kräftigen Husten irgendetwas aus seinem Hals nach oben befördert und in ein aus der Jackettasche gezogenes Stofftaschentuch spuckt. An der folgenden Haltestelle verlasse ich den Zug, froh, dass er und ich um die Mund-zu-Mund-Beatmung herum gekommen sind. Ich frage mich allerdings, wie die Knarzstimme reagiert hätte, wenn ich nochmal den Notrufknopf gedrückt hätte.

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Nov
13
2005
4

Ein Junge, ein Stift und die Kunst

Signatur eines jungen Zeichners - klick drauf, um sein Werk zu sehen

Als ich sieben Jahre alt war, malte ich mit einem schwarzen Filzer ein Bild auf den gelben Streugutkasten unten an der Straße. Es war mit wenigen Strichen vollbracht und erzählte von Liebe, Begierde und Schmutz. Bescheiden verzichte ich auf eine Signatur. Fast 25 Jahre später sitze ich in einer Regionalbahn und betrachte ein ähnliches Werk des Zeichners Marc Christmann. Wie ich schuf er eine polarisierende Ode an die Körperlichkeit aus Sicht eines unschuldigen Jungen.

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