Der Candy Club ist eine queere Veranstaltungsreihe in München, die allen Vorurteilen trotzt. DJ Thomas Lechner erbringt den praktischen Nachweis, dass man Justice mit Britney Spears mixen kann, ohne die Tanzfläche leer zu spielen. Das Publikum ist schwul, aber nicht sissy, lesbisch, aber nicht butch und hetero, aber nicht machomäßig/tussig. Coole Jungs halten Händchen, süße Mädchen küssen sich und Heteropärchen tanzen dazwischen und schauen sich tief in die Augen.
Der Candy Club ist das Gegenteil seines Titels – nicht der sündige Süßigkeitenladen zur Schau gestellter Frivolitäten, sondern eine Blase gelebter Normalität, von der wir in Fußgängerzonen, auf Sportplätzen und in den Medien noch weit entfernt sind. Jeden zweiten Samstag im Monat findet die Veranstaltung in der Roten Sonne statt (dazwischen auch mal in anderen Locations), dem alternativen Club am Maximiliansplatz, der vom “angesagten” Pacha und den Partyschuppen 089, Baby und Max & Moritz eingerahmt wird. Nicht selten landen Feierwillige, denen die Schlange an den anderen Läden zu lang oder die Türsteher zu streng waren, im Candy Club und merken nicht mal, dass sie eine Gay-and-Friends-Party betreten.
Für manche ist das ein Beleg dafür, wie enttäuschend un-proud und “normal” die Veranstaltung doch sei. Aber genau das ist souverän, integrativ, und angenehm unprätentiös. Ein Hoch auf den Candy Club, der bereits seit neun Jahren stattfindet und laut Website “die älteste Queer-Indie-Electro-Party auf dem europäischen Kontinent” darstellt. Ob das stimmt, kann dem Münchner Partygänger egal sein, wichtig ist nur: Der nächste Candy Club steigt am Samstag, dem 13. Dezember 2008. Und den 5. Januar 2009 darf man sich auch bereits vormerken, denn dann feiert die Reihe ihr Zehnjähriges im Muffatwerk mit Stereo Total, Peaches, Scott Mathew und anderen.