Werde dort sein.
Ein lockerlässiger Blogger- und Lokaljournalistentreff fand gestern im Puerto Giesing, dem diesjährigen Münchner Place-to-be statt: Monaco Mob. Ein paar Fachgesprächsrunden plus unpluggedte Livemusik plus circa 20 sich präsentierende Webangebote, Printmagazine und Radiosender ergaben 100 bis 150 zufrieden wirkende Gäste. Veranstaltet wurde das Treffen von der Stadt-Plattform mucbook.de, die damit ihr Einjähriges feierte.
Ist Monaco Mob eine Art re:publica des Südens und wie unterscheidet sich mucbook.de von anderen Webredaktionen aus München habe ich Mucbook-Chef Marco Eisenack im obigen Video gefragt. Gemafreie Musik in diesem Clip von DJ Chris.

Danke an die Veranstalter, denn die re:publica’09 hat Spaß gemacht. Ich werde wohl auch nächstes Jahr wieder hinfahren. Ein paar Dinge dürfen aber 2010 gerne besser sein. Das WLAN war ausfallgeplagt und eher Ausnahme als Regel. Zu viele Veranstaltungen legten Wert darauf, Neulinge in Themen einzuführen, statt Tiefe für Fortgeschrittene zu bieten. Insgesamt habe ich zu oft die üblichen Verdächtigen gesehen und zu wenig Kontroversen erlebt. Wie Tessa hier schreibt, wünsche auch ich mir mehr junge Wilde, mehr freche Frauen und mehr Skeptiker. Und zwar sowohl auf den Bühnen als auch im Publikum.
Apropos freche Frauen. Da gab es erfreulicher Weise schon einige. In den Veranstaltungen “Feministische Netzkultur” und “Wenn Frauen bloggen” haben mich aber die länglichen Besprechungen der Frage “wie geht Ihr in Eurem Mädchenblog eigentlich mit negativen Kommentaren von Männern um” verwundert. Böse Kommentare gibt es in fast jedem Blog. Einfache Regel: Entweder man kann sie ab und lässt sie stehen oder man löscht selbstbewusst. Nur öffentlich Jammern sollte man nicht, denn dann haben die Trolle gewonnen.
PS: Die Twitterlesung war zum Schreien komisch.
“Oaaaaar, es gibt hier kein Internet. ICH STERB!” // “Wo ist eigentlich Saschas Lobotomie?” // “Guck mal, der Tüp vor uns hat neun Follower. Aber Tweetdeck benutzen, ey!” // “Bin gleich soweit – ich will das nur mal schnell wegbloggen.” // “Laden wir doch mal die Seite und schauen, wie die performt.” // “Und jetzt werfen wir einen Blick auf SEO-Typen, sogenannte Pro-Blogger und anderes Gesindel.” // “Schutzräume für weibliche Blogger find ich total wichtig.” // “Hier haben wir einen dunkelgrauen, aber nur fast schwarzen Hintergrund und nicht lesbare Schriften. Designerblog halt.” // “Ich betreibe Gestaltungsverweigerung als bewusste Entscheidung.” // “Ich alte Chauviesau kann mich einfach nicht dran gewöhnen, dass total niedliche Mädchen, von denen man annehmen könnte, dass sie mit Puppen spielen, politische Präsentationen halten. Auf Englisch und mit Videos und so. Weeste?” // “Give me WLAN and no one gets hurt!”
Ein paar Worte zur Blogger/Internet/Digi-Lifestyle-Tagung Re-publica, derentwegen ich letzte Woche nach Berlin flog. Im Deutschland Radio Kultur hörte ich ein Interview, in dem sich der Moderator vor der Hörerschaft und dem interviewten Markus Beckedahl, einem der Re-publica-Organisatoren, lächerlich machte: “Ich hab ja gerade mal eben in Ihr Programm geschaut. Blogs contra echten Journalismus ist eines Ihrer Themen, wie ist denn da der Stand der Dinge?” Solange es solche Fragen gibt, ist es schon allein aus medienpädagogischen Aspekten sinnvoll, Re-publicas zu veranstalten. weiterlesen »
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