Jetzt ist schon wieder was passiert. Das ist der Satz, mit dem Wolf-Haas-Krimis beginnen. Der Österreicher pflegt einen eigensinnigen Erzählstil: umgangssprachlich, vertraut und doch wieder exotisch durch das Österreichische. Der Erzähler schildert nicht nur die Handlung, sondern auch wichtigste gesellschaftliche und mediale Veränderungen wie folgende:
„Bei der Wetteransage im Fernsehen hat sich auch viel verändert im Lauf der Jahre. Früher waren sie mit den Tricks noch nicht so gut, und die Ansager auch noch ein bisschen steif. Heute natürlich Computertricks eins a, da erheben sich die Berge so dreidimensional, daß man oft beobachten kann, wie die Ansagerin sich streckt, damit sie nicht ins Hintertreffen kommt. (…) Jetzt, dass es in Salzburg oft regnet, dafür braucht man keinen Wetterbericht, weil reinstes Sprichwort. Aber nur die wenigsten wissen, dass in Salzburg der Regen das gute Wetter ist. Weil Auswahl nicht sehr groß: entweder Regen oder Föhn, und jetzt schon seit Tagen der Regen im Anmarsch, hat der Brenner natürlich Schädelweh gehabt, frage nicht.”
Der Brenner ist kein Alpenpaß, sondern der wortkarge Underdogdetektiv, der meistens Migräne und nie gute Laune hat. Trotzdem bekommt er zum Schluss oft das Mädchen. Einen Vornamen hat der Brenner noch seltener als Derrik Stefan genannt wird. Im Haas-Roman „Der Knochenmann“ offenbart sich der praktisch unbekannte Vorname als eine Nutte danach fragt. Merke: es gibt kein „Sie“ im Puff. Und Brenners Antwort war Simon..
Zwei Wolf-Haas-Krimis mit Anti-Hero Brenner wurden verfilmt. Nummer eins: „Komm, Süßer Tod“ – eine Geschichte rund um die Machenschaften zweier verfeindeter Rettungsdienste in Wien. Nummer zwei: “Silentium” – ein Krimi rund um eine Knabenschule, Mädchenhandel und die Festspielszene in Salzburg. Josef Harder ist wieder die perfekte Besetzung für den Brenner, mit dabei und sehenswert sind auch Joachim Król und Jürgen Tarrach.
Genau wie für die Bücher, gilt auch für diese Haas-Verfilmung: die Handlung ist eigentlich egal. Am Schluss von „Silentium“ hat man nicht kapiert, warum wer wen umgebracht hat. Sei’s drum. Was der Brenner an wenigen Worten zu sagen hat, bringt viel mehr als die kriminalistische Durchsicht: zum Beispiel, „dass der Leberkäs aus den Resten von den Knackwürsten gemacht wird und die Knackwürste aus den Resten vom Leberkäs. Das ist ein ewiger Kreislauf.“
„Silentium“ ist wie „Komm, süßer Tod“ ein schräger Schmarrn. Für alle die Wolf Haas mögen.
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