
Haarmetzgerei in Leipzig – Foto © André
Trailer (cc) VJ gently.radical – Musik (cc) loozabeats.net – Foto (cc) Fabio Venni
Wie in einigen anderen Bundesländern gilt seit dem 1. Januar 2008 in Bayern ein ausnahmsloses Rauchverbot für die Gastronomie. Münchner Kneipen wirken wie neugeboren auf mich. Die Luft ist frisch, die Sicht ist klar, kein stinkender Aschenbecher verdreckt die Tische. Es ist einfach wunderbar.
Aber ich bin nicht in Bayern, sondern sitze im Spizz am Leipziger Markplatz. Erst in zwei Wochen tritt in Sachsen das Rauchverbot in Kraft. Ich sehe zu, wie hier noch munter gequalmt wird und erinnere mich daran, wie ich in diesem Laden jahrelang meine Wochenendabende verbrachte. Hier habe ich gezecht, getanzt und betont lässig dagesessen und die Szenerie gescannt. Natürlich mit Kippe zwischen den Fingern. Ich bin seit sieben Jahren Nichtraucher und ich bin froh, Nichtraucher zu sein. Aber jetzt stehe ich auf und schnorre bei der hübschen Kellnerin eine Pall Mall.
Der erste Zug ist zum Anzünden, den zweiten ziehe ich runter bis in die Zehennägel und drei Sekunden später scheint sich der gefühlte Alkoholgehalt meines Blutes verdoppelt zu haben. Der Rauchkringel, den ich mit einem Zungenschlag gen Decke katapultiere, sieht mangels Training nicht ganz so perfekt aus wie früher. Ich schaue zu, wie er sich schnell auflöst und denke mir, dass ich gerade etwas tue, was z.B. in München mittlerweile verboten ist. Es ist psychologisch banal. Aber es macht Spaß.
Ich nehme noch einen tiefen Zug, drücke die Pall Mall in den Ascher und trinke mein Glas aus, um mir schnell den bitteren Nikotingeschmack aus dem Mund spülen. Ich will noch ein Bier bestellen, dreh mich um und wie hingezaubert steht die hübsche Kellnerin hinter mir.
“Ha! Du kommst genau richtig”, lache ich sie an.
“Ich weiß”, grinst sie zurück und schaut mir einen Moment zu lange in die Augen bevor sie meine Bestellung in ihren tragbaren Computer tippt.

Leipzig an einem Samstag im Sommer 1997. Ich hatte verschlafen und raste mit schlechtem Gewissen auf dem Rad zur Arbeit. Als ich die Kreuzung am Augustusplatz überquerte, übersah ich die Straßenbahn, die klingelnd von rechts (im Bild links) angedonnert kam.
Ich: Vollbremsung.
Mein Vorderrad: kam auf den Schienen zu stehen.
Die Tram: rauschte durch.
Das Ergebnis: Ein Straßenbahnfahrer am Rande des Nervenzusammenbruchs, bleiche Trampassagiere, die vor Schreck die Hände vors Gesicht schlugen, ein verdrehtes Vorrad und ein unverletzter Deef, der sein Glück kaum fassen konnte. Zur Arbeit kam ich natürlich zu spät.
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