Das Festivalpublikum in Cannes gab Wolke 9 laut Filmplakat stehende Ovationen. Endlich ein Film über Sex im Alter. Ist das nicht toll? Schau mal, die sind alt und haben trotzdem Spaß. So könnte das sein, wenn der Film nicht von Andreas Dresen wäre.
Dresen hat 2002 mit “Halbe Treppe” einen der trostlosesten und gleichzeitig besten Filme über Untreue gedreht. 2003 dokumentierte er in grandiosester Weise den trostlosen, weil aussichtslosen Wahlkampf des unbeholfenen “Herrn Wichmann von der CDU“. 2005 kam Andreas Dresens “Willenbrock” in die Kinos, ein passabler Film über das trostlose Leben eines ehebrechenden Autohändlers.
Und nun die Preisfrage, worum geht in Wolke 9 wirklich und wie wird es dargestellt? Richtig: trostloses Fremdgehen im Alter. Am Schluss sind alle traurig und eine Person begeht Selbstmord. Das ist in etwa so innovativ und klischeebrechend wie es ein Liebesfilm über Schwule wäre, bei dem alle Beteiligten den Aidstod sterben. Zwar bietet Wolke 9 – wie immer bei Andreas Dresen – eine sehr authentische Anmutung und herausragende Schauspieler auf, das rettet den dialogarmen, über weite Strecken langweiligen Film allerdings nicht.