Man kann es so sehen: Die Welt ist beschissen und es gibt zwei Möglichkeiten, damit umzugehen – seinen Nutzen daraus ziehen oder darunter leiden. Beispielhaft zeigt uns das Martin Scorsese in seinem neuen Gangsterthriller. Darin wird Matt Damon von einem irischen Mafiaboss (brilliant: Jack Nicholson) als Maulwurf bei der Polizei eingeschleust, die ihrerseits eine “Ratte” (Leonardo Di Caprio) bei der Mafia unterbringt. Damons Figur erfreut sich am Karriereschub, Di Caprio leidet sehenswert und beweist (nach “The Beach”, “Catch me if you can” und “Aviator”) erneut, was er kann.
“The Departed”, zu Deutsch “die Verstorbenen” (bitte nicht vom dämlichen deutschen Titel “Departed – unter Feinden” in die Irre führen lassen), ist kein systemerklärender Mafiafilm wie Scorseses Genreklassiker “GoodFellas” und “Casino”, sondern eine Abhandlung über Vertrauen und Verrat im Beziehungsdreieck der Hauptcharaktere. Während sich der Meister in seinen Klassikern viel Zeit zum Aufbauen, Einführen und “wirken lassen” (in “Casino” flog, der in die Luft gesprengte, Robert De Niro, von pastoralen Chorgesängen begleitet, minutenlang über die Leinwand) nahm, kommt “The Departed” nach wenigen Sekunden zur Sache und erzählt schnell und ohne Umschweife. Scorsese verschlankt seinen Stil – verzichtet aber auch auf handwerkliche Meisterleistungen wie z.B. die ungeschnittene Kamerafahrt vom Hintereingang durch die Küche in den Gästeraum der “Copacabana” (siehe “GoodFellas”). Als wolle Martin Scorsese zeigen, für wie “departed” er sein eigenes großes Erzählkino hält, montiert er die Story in rotzig-rauen Schnitten zusammen. Ähnlich wie Tarantino in “Kill Bill” (hatte Tarantino nicht früher bei Scorsese geklaut?) lässt der Meister den Ton am Ende lauter Szenen abreißen, statt zu Überblenden, Bilder werden beim Szenewechsel millisekundenlang eingefroren, wie bei Billigstreifen aus den 70ern. Ist das der Rollback nach dem technisch überkandidelten Effektekino?
“The Departed” erreicht nicht die Klasse von Scorseses früheren Gansterfilmen. Doch wer hatte das schon erwartet? Nach seinem Ami-Historien-Müll “Gangs of New York” und dem sehr anstrengend geratenen “Aviator” kann man mit “The Departed” sehr zufrieden sein. Wären die Dialoge nicht geradezu klischeehaft fluchbeladen (die Bostoner Polizei kommuniziert laut Scorsese vor allem mit Vokabeln wie Schwanz, Eier, Schwuchtel usw. – Dass das differerenzierter geht, kann man sich bei den “Sopranos” anhören) und würde die letzte Viertelstunde des Films nicht in ein schier endloses Kopfschussinferno ausarten, so wäre “The Departed” ein weiteres Meisterwerk. Trotzdem ist er ein muss-man-gesehen-haben Pflichtfilm, denn er ist besser besetzt und gespielt und damit auch sehenswerter als drei Viertel aller Filme, die 2006 ins Kino kamen. Mindestens.

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Habe ihn gestern gesehen und kann dir eigentlich nur zustimmen. Die langen Kamerafahrten habe ich aber wirklich vermisst. Dafür ist die Einführung der Charaktere bis zur ersten Titeleinblendung grandios.
Das ganze Gefluche war herrlich übertrieben. Da würde mich der Originalton interessieren. Das Wort “Fuck” wird da wohl in jedem Satz drei mal benutzt. ;)
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Die unsynchronisierte Fassung reizt mich auch. Wenn die DVD kommt, werde ich mir den Film auf Englisch geben.
TITLE: Ein paar Schnitte wären nicht schlecht gewesen
Das Gewese um die Psychologin hätte Scorcese wirklich um 15 Minuten kürzen können. Die Schwachstelle des Films, wie ich finde. “Internal Affairs” (die Hong-Kong Vorlage) verzichtet auf zu viel Lovestory und fährt damit eindeutig besser.
Das Ende ist – nun ja – amerikanisch. Das Original verzichtet auf die süße Rache und lässt uns mit einem dicken Gewicht im Bauch im Kinosessel zurück, wenn der Abspann anläuft.
Ich fand Departed gut – aber mit Internal Affairs (der natürlich keinen Oscar bekommen wird) kann Scorcese nicht mithalten. Ein knallharter Männerfilm, aber guuuut!
Unbedingt ansehen! Eine Rezension findet Ihr hier:
http://www.perlentaucher.de/artikel/1392.html
unionista
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“Internal Affairs” steht schon auf meiner Liste. Was die Psychologin angeht, lässt sich sagen, do hasche wohr (Zustimmung auf Pirmasenserisch). Die ganze Figur hätte man streichen können.
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Ich konnte mit “Internal Affairs” nicht soviel anfangen. Die Story ist ja grundsätzlich die selbe, aber rein vom filmtechnischen und schauspielerischen Blickwinkel gefällt mir das Remake sehr viel besser. Das Original fand ich auch extrem unterkühlt und unlustig. Ist aber sicherlich Geschmackssache.
Kann verstehen, dass Fans vom Original mit dem Remake nicht so grün werden.
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Unterkühlt und unlustig? Na ja, ist auch nicht gerade eine Komödie, nicht wahr :-)
Aber im Ernst: ich finde die Schauspieler richtig gut: Jack Nicholson als er selbst ;-), Leonardo DiCaprio um Lichtjahre interessanter als in seinen Anfängen auf der “Titanic” alias “Liebe auf dem Kutter” und Matt Damon passt auch, wenn er allerdings teilweise wieder ein wenig dem Matt Damon in “Team America” ähnelt.
In der Hong-Kong-Story, finde ich, ist aber die Einsamkeit und Verzweiflung der Undercoverleute viel unmittelbarer zu spüren. Der Film spart mit den Dialogen und holt einen ganz dicht ran. Und er kennt keine Gnade. Scorcese schon.
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Unterkühlt? Unlustig? Der Film ist so gut wie gekauft :)
“Liebe auf dem Kutter” – oh dear, das ist jetzt auch schon 10 Jahre her…
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Im Vergleich zum Remake, was ja mit einigem schwarzem Humor und lustigen Dialogen aufwartet, ist das Original unlustig. Darauf wollte ich eigentlich hinaus. Dieser neue Aspekt hat mir am Remake eben sehr gut gefallen.
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Ok. Gebe ich dir recht.. Einmal musste ich schon sehr lachen:
“Die Typen vom FBI muss man wie Pilze behandeln. Halt Sie im Dunkeln und gib ihnen Scheiße zu fressen.” Kam natürlich vom Unflat-Bullen. Auch die Geschichte mit der abgehackten Hand ist nicht unwitzig…
Allerding vermisse ich den Humor in “Total Affairs” auch nicht. Der Film hat andere Stärken.