Die Popkultur ist voll von wunderbaren schwulen Helden. Leider sind die besten ungeoutet. Let’s get them out of the closet (das heißt “Schrank”, liebe Geschmacksbürger):
- Asterix: Jahrelang in Obelix verliebt, doch der verknallte sich überraschend in die Blondine Falballa. Findet Asterix Trost bei Miraculix? Zu alt. Vielleicht bei Troubadix, der ist auch verrätetisch unbeweibt. Den Cäsar in den Asterix-Heften darf man auch am anderen Ufer des Rubikons vermuten. Der gutaussehende Herrscher hat die Macht die Welt zu verändern und was tut er? Umgibt sich nur mit gutgebauten Legionären. Wer will es ihm verdenken? Zur Vertuschung ist er ein bisschen nett zu Cleopatra.
- Sherlock Holmes: Er kam richtig in Fahrt, wenn er seinen devoten WG-Partner Dr. Watson aufklären konnte. Vielleicht nicht nur über knifflige Kriminalfälle. Als Doc Watson wegen einer Frau auszieht, sucht Holmes Trost im Morphium-Missbrauch. Watson kommt daraufhin regelmäßig zu Besuch, um seinem Freund die Drogenexzesse auszureden. Kommentarhinweis von Michael: Guy Ritchie dreht anscheinend gerade einen Film in dem klar gezeigt wird, dass Holmes (Robert Downey Jr.) und Watson (Jude Law) ein Verhältnis haben.
- Die Schlümpfe: Muss ich dazu was sagen? Vielleicht ein paar Worte zu Schlumpfine. Als overgenderte Mädchen-Karikatur verkörpert sie die stereotype Püppchenrolle, in der Machismo und Patriarchat Frauen am Liebsten sehen (dazu unbedingt Stupidedia lesen). Das Bild von Schlumpfzeichner Peyo ziert aus diesem Grund bis heute die Dartscheiben von Medienpädagogen und Genderforschern. Was keiner ahnte, Schlumpfine ist keine Tussi, sondern eine glückliche Transe. Ein hippes Vorbild für so viele.
- Tim von Tim & Struppi: Gutaussehend, mutig und unbeweibt – so wünschen wir uns schwule Männer. Allerdings ist er moralisch fast zuuuu integer und trinkt nicht mal den von seinem Freund Käptn Haddock häufig angebotenen Scotch. Er könnte sich als unterhosenfaltender Spießer entpuppen. Andererseits schlägt er seinen süßen Hund gelegentlich, was die Frage aufwirft, ob Tim ein düsteres Geheimnis in sich trägt. Ein toller Mann voller Widersprüche.
- Lucky Luke: war schon immer scharf auf die Dalton Brüder. Und überhaupt: diese ganze Cowboysache ist schon recht klischeemäßig.
- Jetzt kommt’s dicke: Benjamin Blümchen. Da reicht ein Wort, um schweren Verdacht zu schöpfen: “Töö-rööööööö!”
- Diverse Hobbits bei Herr der Ringe, z.B. Frodo und Sam (man schaue sich das brokebackmountainmäßige Video an). Gollum dagegen ist nicht schwul, sondern ein heterosexueller BDSM-Freak, der Fetisch und Realität nicht mehr unterscheiden kann. Versteht ihr jetzt, warum es heißt, die tolkinsche Gesellschaftskritik wäre ihrer Zeit voraus gewesen?
- Meine Kommentaroren Joel und Uniosta meinen, die Herr der Ringe-Figuren Legolas und Zwerg haben getreu dem Motto “Was sich liebt, das neckt sich” was miteinander. Wenn ich mich recht erinnere wurde in Tolkins Büchern immer die gegenseitige Abneigung zwischen Elben und Zwergen betont, aber Peter Jacksons Verfilmungen eröffnen tatsächlich eine wärmere Lesart.
- Kommentarvorschlag von Stefan: Lukas der Lokomotivführer. Er erlebt mit seinem Adoptivkind Jim Knopf spannende Abenteuer. Ein schönes Beispiel, dass eine Regenbogenfamilie mit alleinerziehendem Vater ausgezeichnet funktionieren kann. Die moderne Adoptionsgesetzgebung von Lummerlands König Alfons dem Viertel-vor-Zwölften sollte uns als Vorbild dienen.
- Wo wir gerade bei Figuren von Michael Ende sind, werfen wir doch mal einen Blick in die Unendliche Geschichte. Atréju und Bastian Balthasar Bux waren mehrmals kurz davor sich zu küssen. Warum kam es nie dazu? Wurde Bastian etwa vom magischen Auryn-Amulett, das er um den Hals trägt und welches die Macht der kindlichen Kaiserin repräsentiert, manipuliert? In dieser Lesart entpuppt sich die Unendlichen Geschichte als eine bemerkenswerte Kampfschrift gegen Heteronormativität.
- Kommentarvorschlag von Philipp: Batman und Robin. Nach den ganzen Hau-Drauf-Einsätzen in hautengen Anzügen brauchten sie kuscheligen Ausgleich. Vor dem Heimweg in die Bathöhle gings mit dem Batmobil erst mal ins Autokino. Die Filme, die gezeigt wurden, waren egal, denn sie wollten knutschen. Nur einmal war die Stimmung weg: das Autokino zeigte Superman III.
- Kommentarvorschlag von Carrie: Ernie und Bert. Da es unerträglich wäre mit einem Clown wie Ernie oder einem Langweiler wie Bert einfach so zusammenzuleben, muss zwischen den beiden was gehen. Die Sesamstraße präsentiert sich somit neben vielen anderen Dingen auch in Sachen sexueller Orientierung vorbildlich.
- Kommentarvorschlag von Michael: Timm Thaler, der Junge der sein Lachen verkaufte. Die Geschichte von Kinderbuchautor James Krüss kann als Allegorie auf die Selbstfindung schwuler Jugendlicher gesehen werden. Laut einem Dokumentarfilm der Yucca Filmproduktion hatte Krüss einen Lebensgefährten, mit dem er auf Gran Canaria zusammenlebte.
- Kommentarvorschlag von Unionista: Wenn man die Villagepeople nimmt, ihnen das Singen verbietet und sie in einen schwarzen GMC-Van steckt, damit sie übers Land fahren und Menschen in Not helfen, was käme dabei heraus? Richtig! Das A-Team. Um es offensichtlicher zu machen, ließ man – kein Witz – Boy George in einer Episode auftreten. Siehe hier.
- Kommentarvorschlag von Unionista und Kapinski: Die drei Fragezeichen. In den frühen Folgen der erfolgreichen Hörspielserie haben wir es mit drei präpubertären Jungs zu tun und es lassen sich keine Aussagen treffen. In späteren Episoden haben – soweit ich weiß – der sportliche Peter und der für Recherchen und Archiv zuständige Bob Freundinnen. Justus Jonas bleibt Single. Liegt es daran, dass er mit seinen schlauen Sprüchen anderen auf die Nerven geht? Oder ist seine unvorteilhafte Körperfülle Schuld? Oder steht er doch auf seine Mitdetektive? Ich finde, das darf offen bleiben. Wer Gewissheit haben möchte, frage Hörspielproduzentin Heidekine Körting.
- Kommentarvorschlag von Michael: Spiderman und seine außergewöhnlichen Freunde. Wir beziehen uns hier auf die Zeichentrickserie, in der Spiderman mit dem coolen Iceman und der rothaarigen Schönheit Firestar Abenteuer besteht. Spidermans sexuelle Orientierung scheint darin genauso flexible zu sein, wie die von ihm verschossenen Spinnfäden. Solch sympathische Eigenschaften gehen dem von Tobey McGuire gespielten Spiderman leider völlig ab. McGuire, der in etwa die sexuelle Attraktivität des jungen Bill Gates besitzt, kann mit Fug und Recht als eine der größten Fehlbesetzungen aller Zeiten bezeichnet werden.
Mehr begründete Helden-Outings sind willkommen. Aber spießt mir nicht mit Handtaschenklischee-Vorschlägen a la Teletubbies oder Offensichtlichem wie Frank N. Furter rum, meine Lieben.
Ernie und Bert?
Fix und Foxi?
Alle guten Typen sind schwul…
Shelock Holmes wird beim nächsten Mal in Filmumsetzung wirklich schwul. Robert Downey Jr. und Jude Law: http://www.queer.de/detail.php?article_id=10056
Mir is da noch Timm Thaler eingefallen, dessen Gesamte Geschichte in meinen Augen eine Allegorie auf die Selbstfindung schwuler Jugendlicher ist (er will ja sein Lachen wiederhaben). Ausserdem war ich damals in Thommy Ohrner verknallt. *g*
@ Carrie: Fix und Foxi sind Zwillingsbrüder. Aber Ernie und Bert sind ein Volltreffer. Zu dem Thema übrigens auch sehenswert: Bernie und Ert. Siehe hier: http://arm.in/1bV
@ Michael: Uuuh. Timm Thaler ist gut. Ob James Krüss sich dieser Lesart wohl bewusst ist? Hast du als Ohrner-Fan auch “Das Haus der Krokodile” gesehen? Die Serie war düsterer als Timm Thaler und ich gruselte mich als Kind sehr dabei.
Ey, nix gegen Frank N Furter. Das ist im Übrigen kein schwuler Held, sondern ein Rock-Star, den liebt jeder ;) Ausserdem ist er kein Held, eher ein Antiheld im tragischen Sinn: totales Drogenproblem, Aussenseiter (Transe und Ausserirdischer), muss sich nen Mann bauen, weil er keinen Gescheiten abkriegt, wird von seinem Butler und dessen Inzestschwester entmachtet und erschossen.
Mir fallen noch spontan Batman und Robin ein sowie Jekyll und Hyde (die teilen sich nicht nur die Lover, sondern auch den Körper… intimer gehts nicht ;)
Und wie wär’s zum Beispiel mit Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer?
@Philipp: Gewiß. Aber wir reden hier ja über ungeoutete schwule Helden. Strapsenfreund Frank ist dagegen sowas von out of the closet. Und bi. Janet Weiss und Columbia können ein Liebeslied davon singen.
Batman und Robin sollten allerdings auf jeden Fall in die Liste. Die sind nach den Einsätzen bestimmt gerne mit dem Batmobil ins Autokino gefahren und haben geknutscht.
Wie? Tatsächlich Brüder, Fix & Foxi??? Ist das nicht nur Tarnung?!
Wie heißen denn die zwei Typen bei den Simpsons. Lenny & Carl? Aber da ist es ja mehr oder weniger offiziell.
Ganz klar:
Das A-Team, außerdem Batman & Robin, Siegfried & Roy (die einzig echten Menschen in dieser Aufzählung, trotzdem Popkultur), die ???, Albus Dumbledore & Lord Voldemort, Björn und Benny von ABBA (die Verbindungen mit den beiden A waren doch nur Scheinehen).
Wenn mir weitere Beispiele einfallen, komm ich nochmal vorbei.
Pophelden des späten 19.Jahrhunderts bis in die frühen 1970er Jahre (Pierre Brice ist gerade 80 geworden!)
- Winnetou & Old Shatterhand
- Winnetou & Old Shurehand
- Sam Hawkins
Dann:
- Alle Captains der Enterprise (könnten aber auch Mönche im Weltall sein)
- ET (hat einen heißen Finger!)
- Die Geisterjäger (“Ghostbusters”)
Ich oute mich hier als Kinder 70er und 80er merke ich gerade…
- Hein Blöd und Käpt’n Blaubär
- Die Maus und der Blaue Elefant (beides Jungs!)
- Wum und Wendelin (noch’n Elefant)
Sorry: Siegfried & Roy sind ja quasi geoutet, Batman & Robin wurden schon genannt und zumindest Dumbledore hatte zumindest ein inoffizielles coming out – besser gesagt: er wurde geoutet: http://www.harrypotterwiki.de/index.php/Dumbledore#_note-2
Albus Dumbledore is ja offiziel von Rowling geoutet worden, nee?
Wo du schon bei LotR warst: Legolas und Gimli!
@Joël Stimmt. Was sich neckt und so weiter. Außerdem haben die beiden keine Scheu vor engem Körperkontakt auf dem Pferd. Und die romantischen Angebote, dem jeweils anderen die Sehenswürdigkeiten aus der Zwergen- respektive Elbenwelt zu zeigen, hat ja schon was von “Willst du mal meine Briefmarkensammlung sehen?” :-)
Die Maus und der Elefant?
Euch ist aber auch gar nichts heilig, tss, tss …
Die ???
Der gute alte Dreier kommt eben nie aus der Mode…
Eine ähnliche Konstellation (1+1 oder auch alle vier => We see things not as they are, we see things as we are. anais nin.) ließe sich sicher auch bei TKKG finden… wie man alles findet, wenn man danach sucht. Ich fand die Hörkassetten jedenfalls super.
@ Stefan: Lukas den Lokomotivführer hab ich in die Liste oben eingefügt. Atréju und Bastian Balthasar Bux auch.
@Deef: leider nein, da die Serie (Das Haus der Krokodile) letztmalig 1985 gezeigt wurde, und ich da gerade vier Jahre alt war, hab ich die nich gesehn. Timm Thaler wurde einfach öfter wiederholt (letztmalig 2001 auf KiKa glaub ich), aber auch da weiss ich nicht mehr in welchem Alter genau ich das gesehen hab. Vermutlich so mit 6.
Zum Thema: eigentlich hat jeder Superheld was schwules: Geheimidentiät die irgendwie versteckt wird. Der schwulste Comicheld ist für mich Iceman, in der Serie mit Spider-Man und Firestar auf RTL Plus ^^ “Spider-Man und seine außergewöhnlichen Freunde” die beiden hatten doch was miteinander. Bestimmt.
@ Alle: Legolas und Gimli, Batman und Robin, das A-Team, die drei Fragezeichen, Tim Thaler und Spiderman sind oben eingefügt. Weitere Vorschläge?
@ Michael: Die Geheimidentitäten-Theorie ist interessant.
heyheyhey…. Das mit den ??? war auch Unionista ;-) Aber Kapinisky hat – sehr gut – TKKG ins Feld geworfen.
Carver René Descartes von Disney’s Wochenend Kids
-> http://de.wikipedia.org/wiki/Wochenend-Kids#Die_Hauptcharaktere
Und was bitte ist mit Batman und Superman? Clark Kent und Bruce Wayne verdienen einen eigenen Punkt! ;)
Schließlich sind Apollo und der Midnighter aus The Authority (nebenbei die einzigen offen schwulen Superhelden die mir bekannt sind…) eine Hommage an die beiden.
Und in “Die Rückkehr des dunklen Ritters” war da eindeutig was zwischen den beiden..(dieser Reitausflug hatte was brokeback-artiges… XD)