“Bioshock ist ein Meisterwerk” urteilt 4players und gibt dem Spiel eine Topwertung von 94 Prozent. Mir treibt Bioshock den Schaum vor den Mund, allerdings nicht vor Freude. Lasst mich etwas ausholen.
Bioshock entführt einen spielfilmreif in die Unterwasserstadt Rapture, die ein Mann namens Andrew Ryan in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts erbaut hat. Ryan hasst amerikanischen Kapitalismus, sowjetischen Kommunismus und römischen Katholizismus und will statt dessen Wirtschaft, Forschung und Kunst ohne “die Fesseln” von Moral, Religion oder Ethik maximieren.
Nach ein paar Jahrzehnten heiler Unterwasserwelt haben sich die Bewohner Mithilfe von sogenannten Plasmiden genetisch verändert, um besondere Fähigkeiten zu bekommen. Es fing mit Schönheits-OPs an und endete in der völligen Entmenschlichung und gegenseitiger Ausrottung, denn viele Plasmide haben Kampfkräfte wie Stromschlag oder Feuerstoß.
Der Spieler kommt zufällig 1960 durch einen Flugzeugabsturz über dem Ozean nach Rapture. Die liebevoll im Art-Deco-Stil erbaute Stadt hat sich mittlerweile in ein halb von Wasser geflutetes Grab verwandelt in dem einige wenige Überlebende verstümmelt und wahnsinnig herumirren. Eine fesselnde Geschichte. Utopisch, spannend, gruselig. Captain Nemo gemixt mit Bladerunner und Resident Evil. Graphik, Spieldesign, Musik und Sound sind phantastisch und unterstützen die düstere Atmosphäre optimal.
Die genetischen Veränderungen, die Andrew Ryan den Rapture-Bewohnern angedeien ließ, stehen auch dem Spieler zur Verfügung. Um sie zu nutzen muss man Plasmide sammeln und eine sogenannte Eve-Leiste, die es zusätzlich zur Gesundheitsanzeige gibt, füllen. Außerdem kann man allerhand Waffen – Rohrzange, Pistole, Maschinenpistole, Schrottflinte – sammeln und benutzen. Um verschiedene Plasmide nutzen zu können, braucht man allerdings nicht nur Eve, sondern auch Adam. Damit kann man weitere Slots freischalten, in die man die Plasmide ablegen kann. Überzählige muss man in einer Gen-Bank verwahren und kann sie zwischenzeitlich nicht benutzen.
Im Kampf kann kann mit der rechten Maustaste zwischen Plasmid- und normalem Waffeneinsatz umschalten und mit dem Mausrad durch die Untergruppen wechseln. Mit Druck auf die Taste B kann man dann bei einigen Schußwaffen noch unterschiedliche Projektile wählen, die zum Beispiel elektrisch aufgeladen oder panzerbrechend sind.
Mehrere Male muss der Spieler gegen die sogenannten Big Daddies kämpfen. Sie beschützen die Little Sisters, Zombieversionen von kleinen Mädchen, denen es Adam abzunehmen gilt. Die Big Daddies sind bösartige Gesellen in riesigen, stählernen Taucheranzügen (siehe hier), die schwer gepanzert und mit Maschinengewehr, giftgassprühenden Handgranaten oder einer großen Bohrmaschine ausgestattet sind. Greift man sie an, bewegen sich die sonst trägen Kolosse flink wie der Incredible Hulk auf Koks, feuern aus allen Rohren und benutzen ihren tonnenschweren Metallanzug, um den Spieler schmerzhaft gegen Wände zu schleudern. Um den Kampf zu gewinnen muss der Spieler wegrennen,Waffen durchschalten, die richtige Munition auswählen, schießen, auf Plasmide wechseln, feuern, auf Waffen wechseln, nachladen, schießen und zwischen durch per Telekinese vom Big Daddy geschleuderte Handgranaten zurückschmeißen. Natürlich alles gleichzeitig.
Klingt komplex und kompliziert? Genau das ist das Problem. Plasmide mit besonderen Fähigkeiten – Ok, das ist zu verstehen. Eve-Leiste aufladen? Meinetwegen. Aber Adam? Zu wenig frei Slots? Geht’s noch?!
Man kann es sich etwas leichter machen, Big Daddies zu besiegen, wenn man mittels Zorn-Plasmid Rapture-Bewohner auf sie hetzt oder herumstehende Robotergeschütztürme hackt. Aber selbst das funktioniert nur ab und an, denn 2k hat sich statt einer ausgefeilten KI etwas viel banaleres einfallen lassen: die Big Daddies laden nach einer Weile ihre Lebensenergie von selbst wieder auf. Ein Feature das beim Spieler nicht vorgesehen ist. Der muss nach jedem Volltreffer einen Verbandskasten bemühen. Was dabei herauskommt ist stupides Trail-and Error-Gaming.
Ich bin mittlerweile so genervt von den überschweren Boss-Kämpfen, dass ich überlege das Spiel nochmal neu zu starten und statt des normalen, den leichten Schwierigkeitsgrad zu wählen. Das ist das denkbar schlechteste Zeugnis für die Spielbalance. Wenn ein shooter-erfahrener Vielspieler vom Schwierigkeitsgrad “normal” ultrafickscheißemäßig genervt ist, dann ist das Spiel für den eher unerfahrerenen Gamer, der sich Bioshock vielleicht wegen der außerordentlichen Story oder der exzellenten Grafik und Atmosphäre gekauft hat, zweifelsohne die pure Enttäuschung.
Schade 2k. Das hätte nicht sein müssen, ach was, dürfen! Wird bei Bioshock 2 alles besser? Ich wünsche es mir dringenst. So kann das nicht weitergehen. This is worse than playing Sims. WORSE THAN AN EPISODE OF GERMANY’S NEXT TOP MODEL!

Lieber Deef, Du tust dem Game unrecht, das ist Dir hoffentlich klar! Big Daddies ausschalten darf nicht einfach sein, das ist ein integraler Teil des Games! Das man die richtige Strategie braucht, das sollte auch klar sein. “Zorn” ist das denkbar ungeeigneteste Plasmid dafür. Ginge es nur um den ersten Eindruck, ich hätte wohl nie GTA durchgespielt. Also streng dich mal ein wenig an, es lohnt sich, glaub mir;)
Ich streng mich in sofern an, dass ich das Spiel jetzt nochmal von vorne auf “leicht” spiele.